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Zehn Deutsche sterben bei Anschlägen

Istanbul Zehn Deutsche sterben bei Anschlägen

Die Zahl der bei dem Terroranschlag in Istanbul getöteten Deutschen hat sich auf zehn erhöht. Das teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit. Die türkische Polizei hat einen Verdächtigen gefasst.

Der türkische Innenminister Efkan Ala (r.) am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Istanbul.

Quelle: Fredrik von Erichsen

Istanbul/Berlin. Wie eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin sagte, werden sieben deutsche Verletzte in Krankenhäusern behandelt, davon fünf auf der Intensivstation. Außerdem gebe es drei Leichtverletzte, die noch am Mittwoch entlassen werden sollten. Eine 33-köpfige deutsche Reisegruppe sei direkt betroffen gewesen. Zunächst war von acht deutschen Todesopfern die Rede gewesen.

Angaben verschiedener Landesregierungen ergaben schon zuvor eine Zahl von zehn getöteten Bundesbürgern: ein Ehepaar im Alter von 59 und 61 Jahren aus Mainz, ein 73-jähriger Mann aus Bad Kreuznach (ebenfalls Rheinland-Pfalz), ein Ehepaar im Alter von 71 und 73 Jahren aus Falkensee (Brandenburg), ein 67 Jahre alter Mann aus Nordhessen, eine 70-Jährige Frau aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden und ein Mann aus Berlin, dessen Alter zunächst nicht bekannt wurde. Unter den Verletzen befindet sich auch ein Ehepaar aus Niedersachsen.

Polizei nimmt Verdächtigen fest

Ein Verdächtiger sei am Dienstagabend im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen worden, erklärte der türkische Innenminister Efkan Ala am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Istanbul. Nach bisheriger Einschätzung der Bundesregierung habe sich der Anschlag nicht gezielt gegen Deutsche gerichtet. "Nach bisherigem Ermittlungsstand liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war", sagte de Maizière (CDU) weiter.

Ein Selbstmordattentäter hatte am Dienstag in der türkischen Metropole 
Istanbul zehn Deutsche mit einer Bombe getötet und mindestens 15 weitere Menschen schwer verletzt. Der Angreifer sprengte sich mitten in einer Reisegruppe nahe der weltberühmten Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der 27 Jahre alte Attentäter habe der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) angehört, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in Ankara. Der Attentäter stammt aus Saudi-Arabien. Er sei im Königreich geboren worden, habe das Land aber bereits 1996 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie verlassen, zitierte die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" am Mittwoch einen Sprecher des saudischen Innenministeriums. Nabil Fadli habe die syrische Staatsbürgerschaft gehabt.

Am Dienstag hat sich ein Selbstmordattentäter in Istanbul in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag nahe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee wurden zehn Deutsche getötet.

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„Seit vielen Jahren hat uns Deutsche der Terror nicht mehr so schwer getroffen wie heute in Istanbul“, äußerte sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Er sprach von „Stunden der Trauer, der Wut und des Entsetzens“. Bundespräsident Joachim Gauck reagierte bestürzt auf das Attentat. „Ich bin tief erschüttert und traurig über diese schlimme Nachricht.“

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat sein Beileid aus. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte in Ankara einen „Selbstmordattentäter syrischer Herkunft“ für die Tat verantwortlich.

Das Kabinett in Berlin kam am 12. Januar zu einer Sondersitzung zusammen, um sich über die Lage zu informieren. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. „Meine Gedanken sind in diesen Stunden natürlich bei den Angehörigen der Opfer und bei den Verletzten“, sagte Kanzlerin Merkel.

Türkische Regierung verhängt Nachrichtensperre

Nach dem Anschlag verhängte die türkische Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung hieß es, ein solcher Schritt sei nach der Gesetzeslage möglich, wenn er der „nationalen Sicherheit“ diene. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur wurde von Polizisten daran gehindert, in der Umgebung des Anschlagsortes Fotos zu machen. Sie berichtete von zahlreichen Polizisten sowie Rettungskräften. Auch Bombenentschärfer seien im Einsatz, sagte sie.

Der IS hatte im vergangenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt, sich dabei aber vor allem auf kurdische Ziele konzentriert. Touristen waren in der Türkei bisher kein Anschlagsziel des IS. Im Südosten des Landes läuft eine Offensive der türkischen Streitkräfte gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die damit gedroht hat, den Konflikt auch in den Westen der Türkei zu tragen. Die PKK greift aber in der Regel staatliche Einrichtungen an.

Augenzeugen berichten von Feuerball

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen sehen. Zu der Detonation sei es am ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht.

dpa/afp

Reiserecht

Nach dem Terroranschlag von Istanbul können Urlauber ihre Städtereise in die Metropole wahrscheinlich kostenlos absagen. Nach derzeitiger Rechtsprechung bestehe ein Kündigungsrecht wegen Gefährdung durch höhere Gewalt, erklärte der Reiserechtler Prof. Ernst Führich aus Kempten. Urlauber können ihre Istanbul-Reise also kostenlos umbuchen oder stornieren. Anders sieht es zum Beispiel bei Badeurlaub in anderen Teilen der Türkei aus. Solche Pauschalreisen könnten nicht einfach kostenlos storniert werden, sagte der Jurist.

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