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Deutschland / Welt Merkel lobt Mesut Özil als „tollen Fußballspieler“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel lobt Mesut Özil als „tollen Fußballspieler“
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13:34 23.07.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergab Mesut Özil im Jahr 2010 das Silberne Lorbeerblatt für die deutsche Nationalmannschaft. Quelle: imago/DeFodi
Berlin

Auch Politiker beschäftigen sich mit dem aufsehenerregenden Rückzug von Mesut Özil aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und den möglichen Folgen. Während Kanzlerin Merkel (CDU) sich lobend über das Talent des Fußballers äußerte, kritisiert Linken-Chef Bernd Riexinger vor allem die Kritik von Bayern München-Präsident Ulli Hoeneß an Özil. Die Reaktionen im Überblick:

„Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist“

„Die Bundeskanzlerin schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußball-Nationalmannschaft geleistet hat“, sagte eine Regierungssprecherin am Montag in Berlin. „Mesut Özil hat jetzt eine Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist.“

Der Sport trage viel zur Integration in Deutschland bei, sagte die Sprecherin weiter. „Deutschland ist ein weltoffenes Land und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Schlüsselaufgabe der Bundesregierung.“ Özil warf im Rückblick auf die Kontroverse auf sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan deutschen Medien „rechte Propaganda“ vor.

„Rassismus ist Gift für unsere Gesellschaft“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat sich bestürzt gezeigt und Verständnis für Özils Begründung geäußert. „Es ist ein schwerwiegender Vorgang wenn ein deutscher Nationalspieler zurücktritt, weil er den offenen Rassismus, der gegen ihn vorgebracht wird, nicht mehr erträgt“, sagte Klingbeil dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wer das nun mit Verweis auf das Erdogan-Foto verharmlost oder gar rechtfertigt, macht einen großen Fehler“, fügte Klingbeil hinzu. „Rassismus ist Gift für unsere Gesellschaft und darf nirgendwo geduldet oder unterstützt werden“, sagte er.

Seehofer glänzt mit Zurückhaltung

Eine Sprecherin von Innenminister Horst Seehofer (CSU), der auch für Sport zuständig ist, reagierte zurückhaltend. „Zu der Angelegenheit Özil hat der Minister schon mehrfach gesagt - das Thema ist ja nicht neu - dass er sich in diese internen Angelegenheiten nicht einmischen möchte.“

„Özils Kritik trifft in vielen Punkten zu“

Bernd Riexinger, Bundestagsfraktionsvorsitzender der Linken, nennt den Rücktritt von Özil auf Twitter „bedauerlich“ und kritisiert das Verhalten von Bayern München-Präsident Ulli Hoeneß.

„Özil hat schlicht Mist gebaut“

Der stellvertretende AfD-Bundessprecher Georg Pazderski kritisiert unterdessen die Rassismus-Vorwürfe von Mezut Özil in Richtung der DFB-Spitze: „Özils Vorwurf, die Kritik an ihm sei rassistisch begründet, ist absurd. Er hat schlicht Mist gebaut, als er sich mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ablichten ließ. Die vollkommen berechtigte Kritik daran als Rassismus abzutun, ist unehrlich und feige. Özil fehlt es ganz offensichtlich an jeglicher Selbstkritik.“

„Sündenbock für das Ausscheiden aus der WM“

Die Türkische Gemeinde Deutschlands stellt sich geschlossen hinter Özil: Sie fordert den Rücktritt der gesamten DFB-Führung. „Nach Özil sollte nun die ganze Leitungsebene des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) zurücktreten, damit ein echter Neuanfang für die deutsche Nationalmannschaft denkbar ist“, sagte der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoglu der „Heilbronner Stimme“.

Özil als Sündenbock für das Ausscheiden aus der WM zu deklarieren, ist mehr als eine billige Ausrede.“ Mit dem 29-Jährigen verliere die Nationalelf nicht nur einen brillanten Techniker, sondern auch viele Hoffnungen auf junge Talente mit Migrationshintergrund.

„Keine Auskunft über Integrationsfähigkeit in Deutschland“

Bundesaußenminister Heiko Maas findet bei einer Pressekonferenz am Montag klare Worte zur Affäre um das Foto des Fußballers mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: „Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“

„Özil gibt Deutschtürken eine Stimme“

Der in Deutschland aufgewachsene Abgeordnete der türkischen Regierungspartei AKP Mustafa Yeneroglu kritisiert die „weitverbreitete Bevormundung von Deutschtürken“. Die deutsche Debatte konzentriere sich vor allem auf Özils Foto mit Präsident Recep Tayyip Erdogan. Migranten solle „das einseitige deutsche Bild von Erdogan“ aufgezwungen werden - jenen, die nicht spurten, würde der Weg zum Ausgang gewiesen.

Die Affäre zeige, dass „die deutsche Öffentlichkeit bei der Frage der Achtung der Binnen-Identität von Millionen Migranten noch nicht“ weit sei, sagte Yeneroglu - gerade, wenn sie als Türkeistämmige zu ihren Wurzeln stünden. „Özil gibt ihnen eine Stimme. Deswegen ist er mit seiner Erklärung zur Legende geworden.“

Von RND/dpa/lf

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