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Deutschland / Welt Merkel und Medwedew sprechen in Hannover locker über ernste Themen
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16:57 19.07.2011
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Kremlchef Dmitri Medwedew in Hannover. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Zumindest vor den Kulissen könnte das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland scheinbar besser kaum sein. Vergnügt scherzen und lachen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Dmitri Medwedew während der Abschlussdiskussion des „Petersburger Dialoges“ auf der Bühne in Hannover über schwierige Themen wie Visa-Probleme, Gas-Lieferungen und Pressefreiheit. Fern scheint die Debatte um den aberkannten Preis für den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin.

Merkel erklärt ihren „Freund“ Medwedew in lockerer Sitzrunde sogar scherzhaft zum Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl in Russland, indem sie dessen akademischen Titel „Kandidat“ kurzerhand zur Anrede umfunktioniert. In Russland werden Akademiker mit Doktorgrad als Kandidat bezeichnet. „Ich finde, Kandidat hört sich auch schön an“, sagt Merkel. 2012 finden in Russland die nächsten Präsidentschaftswahlen statt. Bislang ist unklar, ob Medwedew kandidieren will oder zugunsten von Ministerpräsident Putin verzichtet.

Unter Freunden, so der Tenor der beiden, muss es möglich sein, schwierige Themen offen anzusprechen. „Besser streiten als schweigen“, fasst Medwedew es kurz und knackig zusammen. Merkel ergänzt, nichts solle „unter den Tisch“ gekehrt werden und niemand dürfe beleidigt sein, wenn mal ein schwieriges Thema angesprochen werde. „Von der Ehrlichkeit hängt die Zukunft deutsch-russischer Beziehungen ab“, ist sich Medwedew sicher. Trotz der großen Worte:
Die im Hintergrund seit Tagen schwelende heftige Debatte über den zurückgezogenen Quadriga-Preis für Putin schafft es am Dienstagmorgen nicht auf die Bühne.

Merkel und Medwedew haben am zweiten und letzten Tag des „Petersburger Dialogs“ über Visa-Erleichterung für Russland, Gas-Lieferungen und die Beziehungen zwischen beiden Ländern gesprochen.

Dennoch - oder gerade deshalb - appelliert Merkel an die Mitglieder des Dialogforums, für eine größtmögliche Unabhängigkeit gegenüber den jeweiligen Regierungen. „Je unabhängiger sie sind, desto lieber kommen wir zu ihnen“, sagt Merkel, bevor sie mit Medwedew zu den wenige Kilometer entfernten Regierungskonsultationen fährt.

Was die alltägliche Praxis der deutsch-russischen Beziehungen angeht, so zeigt sich Merkel insbesondere bei der schwierigen Visa-Politik ausgesprochen selbstkritisch und kündigt baldige Erleichterungen an: „Ich bin bereit, die Schuld auf mich zu nehmen.“ Bis 2013 soll nun ein Stufenplan die Einreise erleichtern. Ziel sei es, eine Visawarndatei aufzubauen, in der alle diejenigen verzeichnet werden sollen, die in krimineller und terroristischer Sicht auffällig geworden sind. „Wenn wir in Deutschland eine offenere Politik fahren, wird Europa hier nicht der Bremser sein“, prophezeit Merkel.

Auch der deutsche Atomausstieg ist zumindest kurz Thema. Medwedew und sein Vizeregierungschef Viktor Subkow, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender des Energiekonzerns Gazprom - bieten Merkel an, „jederzeit“, die noch bis 2030/2031 gültigen Lieferverträge ändern zu wollen. „Das Gas wird reichen, da brauchen Sie keine Angst haben“, sagt der Kremlchef. Merkel wiegelt ab. Trotz des Atomausstiegs müsse Deutschland nicht sofort seine Gaslieferungen aus Russland erhöhen. „Das ist ein sehr langsamer Prozess.“

Und die Streit-Forderungen von Merkel und Medwedew werden bei den Teilnehmern des deutsch-russischen Jugendparlaments gehört. Fast eine Woche hatten sich die 50 ausgewählten Jugendlichen aus allen Teilen Russlands und Deutschlands nach eigenen Angaben hitzige Diskussionen geliefert. „Es ging hoch her, aber es ist ja auch gut, dass jeder seine Meinung vertreten kann“, meint die 21-jährige Russin Anja Ryschowa.

„Die Russen können unseren Atomausstieg nicht nachvollziehen und das Thema Homosexualität ist für sie ein rotes Tuch“, sagt Oliver Olpen. Der 23-Jährige aus Osnabrück war schon im vergangenen Jahr bei dem deutsch-russischen Jugendparlament dabei. „Persönlich haben wir uns aber sehr gut verstanden“, ergänzt die 19-jährige Elisabeth Oehler aus Berlin. „Beim Stromausfall in Hannover sind wir durch die stockdunklen Straßen gezogen und haben viel gelacht.“

dpa

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