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Muslimbruder-Chef zu lebenslanger Haft verurteilt

Massenprozess in Ägypten Muslimbruder-Chef zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein Massenprozess in Ägypten endet mit lebenslangen Haftstrafen. Unter den Verurteilten ist der Führer der Muslimbruderschaft Badie - den andere Richter schon zum Tod verurteilt haben.

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 Mohammed Badie und 94 weitere Islamisten wurden bei einem Massenprozess in Ägypten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Quelle: dpa

Port Said/Kairo. In einem neuen Massenprozess in Ägypten sind der Anführer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, und 94 weitere Islamisten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Kairoer Strafgericht befand sie nach Angaben der staatlichen Zeitung "Al-Ahram" am Samstag für schuldig, vor zwei Jahren zum Angriff auf eine Polizeistation in der Stadt Port Said aufgerufen oder daran teilgenommen zu haben. Damals waren fünf Menschen getötet worden.

Während des Richterspruchs waren laut lokalen Medienberichten 76 Angeklagte nicht anwesend, 28 wurden zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und 68 freigesprochen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Zur Person

Mohammed Badies Lebensweg ist eng verwoben mit der Muslimbruderschaft, deren Ziel die Islamisierung von Staat und Gesellschaft ist. Schon als junger Mann trat der heute 72-Jährige, der aus der Provinzstadt Al-Mahalla Al-Kubra stammt, der Bewegung bei. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde er 1965 zu 15 Jahren Haft verurteilt, von denen er neun Jahre absitzen musste.

Im Gefängnis lernte er den Luftwaffenpiloten Mohammed Ali al-Schenawi kennen, der damals zu den führenden Köpfen der Muslimbruderschaft gehörte. Als dessen Tochter Samia eines Tages tiefverschleiert ins Gefängnis kam, um ihren Vater zu besuchen, hielt der junge Islamist um ihre Hand an. Ammar, ein Sohn des Paares, wurde am 16. August 2013 im Alter von 38 Jahren bei Protesten der Muslimbruderschaft gegen die Übergangsregierung getötet.

Mohammed Badie ist Tierarzt. Er gehört dem Obersten Führungskomitee der Bruderschaft seit 1993 an, seit Januar 2010 ist er Oberhaupt ("Murschid") der Organisation. Unter Präsident Husni Mubarak landete er noch zweimal im Gefängnis, einmal für 75 Tage und einmal für drei Jahre. Er gilt als Hardliner und ist für seine anti-amerikanische Haltung bekannt. Während der Regierungszeit von Präsident Mohammed Mursi (2012/2013), der als Vertreter der Bruderschaft für das höchste Amt kandidiert hatte, sahen viele Ägypter in Badie und den anderen Mitgliedern des Führungskomitees der Bruderschaft die eigentlichen Herrscher.

Badie und andere Kader aus der Führung der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft sind in mehreren anderen Verfahren bereits zum Tod verurteilt worden. Menschenrechtler kritisieren die Massenprozesse gegen Islamisten in Ägypten als politisch motiviert. Die Regierung in Kairo weist dies zurück.

In Port Said war es als Reaktion auf die gewaltsame Auflösung eines Kairoer Protestcamps der Muslimbruderschaft im August 2013 zu Krawallen gekommen. Am Rabia-al-Adawija-Platz und anderen Orten in der Hauptstadt waren zuvor Hunderte Demonstranten getötet worden. Sie hatten gegen den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi protestiert, der im Juli zuvor vom jetzigen Amtsinhaber und damaligen Armeechef Abdel Fattah al-Sisi abgesetzt worden war.

Seit Mursis Ablösung und Inhaftierung wird Ägypten regelmäßig von Attentaten erschüttert. Im Norden der Sinai-Halbinsel treiben Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihr Unwesen.

dpa

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