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Deutschland / Welt Mutmaßlicher Attentäter war in der rechten Szene aktiv
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16:55 23.07.2011
Anders B. stammt aus Norwegens Hauptstadt und wird der rechts-nationalistischen Szene zugeordnet. Quelle: rtr
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„Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100.000, die nur Interessen habe" – das ist der einzige Satz, der unter dem Namen des mutmaßlichen norwegischen Attentäters Anders B. im Kurznachrichtendienst Twitter zu finden ist. Datiert ist er auf den 17. Juli 2011. Nur fünf Tage später soll der 32-jährige Norweger mehr als 80 Jugendliche in einem Ferienlager kaltblütig ermordet und eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet haben. Insgesamt verloren mindestens 91 Menschen ihr Leben.

Anders B. ist nach offiziell unbestätigten Angaben von Antiterror-Spezialisten aus der Luft angegriffen und mit Tränengas betäubt worden. Der TV-Sender NRK berief sich am Samstag auf „Polizeikreise“ mit entsprechenden Angaben. Die Spezialeinheit soll am Vortag sofort nach den ersten Meldungen über Schüsse per Hubschrauber zu der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya geflogen sein. Die Polizei wollte nichts über die Umstände der Festnahme des als rechtsradikal eingestuften Norwegers mitteilen. Er wurde festgenommen und nach Oslo gebracht. Im Sender NRK wurden Videobilder mit dem als Polizisten verkleideten 32-Jährigen gezeigt, wie er vor der Festnahme eine Pistole auf einen am Boden liegenden Jugendlichen richtet. Daneben liegen direkt am Wasser mehrere Verletzte oder Tote.

Seiner Facebook-Seite zufolge, die wie andere Internetquellen von der Netzgemeinde noch in der Nacht zum Samstag aufgespürt und gesichert wurde, ist Anders B. christlich und konservativ, geht gern jagen und spielt World of Warcraft. Er soll mindestens zwei registrierte Waffen besitzen.

Nach Angaben des TV-Senders NRK bewohnte der blonde, unverheiratete und kinderlose Mann bisher eine Wohnung am östlichen Stadtrand von Oslo. Vor einem Monat habe er sich bei den Behörden umgemeldet auf einen kleinen ländlichen Hof nahe der Hauptstadt. Fernsehbilder zeigen einen Bauernhof in Rena nördlich von Oslo. Im Handelsregister steht, er baue dort Gemüse, Melonen und Rüben an - der Kunstdünger könne als Sprengstoff benutzt werden, wird in den Medien spekuliert.

Als Idole von Anders B. sind auf der Facebook-Seite der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1965) genannt und Max Manus (1914-96) - Widerstandskämpfer während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens. Die einzigen Einträge unter seinem Namen sind Links auf Musikvideos: Vorwiegend Trance, dabei outet ihn das Profil zugleich als Liebhaber klassischer Musik, Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und Adam Smiths „Der Wohlstand der Nationen“.

Beiträge auf islamkritischer Internetseite

Auf der islamkritischen Internetseite document.no sind unter dem Namen Anders B. Dutzende islamkritische und nationalistische Einträge zu finden - alle wortgewandt. Demnach teilt Anders B. die Welt in Multikulturalisten und kulturkonservative Menschen. In den schon älteren Einträgen wird Multikulturalismus als „kultureller Marxismus“ und eine „anti-europäische Hassideologie“ bezeichnet, deren Ziel es sei, die europäische Kultur, die Nationalstaaten und das Christentum zu zerstören.

Kulturkonservative, zu denen sich der Autor selbst zählt, würden dagegen als Rassisten abgestempelt - was genauso schlimm sei wie Judenverfolgung und Inquisition. Ein Eintrag wendet sich gegen norwegische Alternative und Antifa-Gruppen, die die politisch Konservativen bewusst terrorisierten. Genannt werden sie - in Anspielung auf die Hitler-Jugend - die „Stoltenberg-Jugend“.

Weiteres über Anders B. ist auch von der Polizei nicht zu erfahren: „Wir wissen bisher auch nicht mehr als das, was die Medien zusammengetragen haben“, sagte Fahndungschef Øystein Mæland am Samstag.

dpa/frs

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