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Deutschland / Welt Ist die Allianz gegen den IS in Gefahr?
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00:21 27.11.2015
Der Abschuss des russischen Kampfjets macht die komplizierte Gefechtslage in Syrien noch unübersichtlicher. Quelle: dpa
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Moskau/Washington.

Vor den Fernsehkameras ist Kremlchef Wladimir Putin sichtlich um Fassung bemüht. Die Wut über den Abschuss eines russischen Kampfjets im Syrien-Konflikt durch das Nato-Mitglied Türkei ist gerade wegen seiner ruhigen Stimme und der sorgfältig gewählten Worte kaum zu verkennen. „Dieser Fall geht über den normalen Kampf gegen den Terrorismus hinaus“, sagt Putin. Er verurteilt den Angriff als „Stoß in den Rücken, begangen von Helfershelfern von Terroristen“.

Eigentlich verstehen sich der russische Präsident und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan ganz gut. Mit einem milliardenschweren Deal für die geplante Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer will Russland die Türkei eng an sich binden.

Doch besonders in einem Punkt vertreten Putin und Erdogan diametral entgegengesetzte Positionen: beim Thema Syrien. Die Türkei fordert die Ablösung von Machthaber Baschar al-Assad. Noch beim
 G-20-Gipfel in der Südtürkei – an dem auch Putin teilnahm – hatte Erdogan vor gut einer Woche betont: „Assad hat keinen Platz in der Zukunft Syriens. Er hat sein eigenes Volk abgeschlachtet.“ Russland hält dagegen an Assad fest und unterstützt seit Ende September eine Offensive der syrischen Armee mit Luftangriffen.

Negative Auswirkungen im Kampf gegen den IS

Eine Eiszeit zwischen Russland und der Türkei könnte sich höchst negativ auf den internationalen Kampf gegen den IS auswirken. Hinzu kommt: Nach vier Jahren Bürgerkrieg lassen sich die Grenzen zwischen Freund und Feind in Syrien nur noch schwer ziehen. Da die internationale Koalition, die gegen die Milizen des „Islamischen Staates“ kämpft, nicht unter einem einheitlichen Oberkommando steht, soll es bereits mehrfach zu schweren Pannen und Unglücken gekommen sein. Zudem werfen die USA dem neuen Akteur Russland vor, seine Attacken in erster Linie gegen die gemäßigten Rebellen zu richten, die sich dem Regime von Baschar al-Assad entgegen stellen.

Auch wenn US-Präsident Barack Obama öffentlich einen anderen Eindruck vermittelt, trugen die amerikanischen Streitkräfte bisher die Hauptlast im Kampf gegen die Extremisten des IS: Von den bisher mehr als 8000 Luftangriffen wurden etwa 7000 Einsätze direkt vom Pentagon dirigiert. US-Spezialkräfte übernehmen auch den größten Teil der Ausbildung von irakischen Soldaten, die dem IS am Boden gegenüberstehen.

Machtverhältnisse in Syrien ändern sich

Mit dem Eingreifen Russlands ändern sich die Machtverhältnisse in dem geschundenen Land noch einmal gravierend. Es fehlen zwar exakte Angaben, aber US-Militärbeobachter gehen davon aus, dass Moskau zahlreiche Kampfflugzeuge und schweres Kriegsgerät in die Region Latakia verlegt hat. Zum Schutz des Stützpunktes sollen sich zurzeit etwa 2000 russische Soldaten vor Ort aufhalten, die aber ausdrücklich nicht als Bodentruppen gegen den IS in Marsch gesetzt werden sollen. Als einzige ausländische Kriegspartei setzt Moskau zudem Langstreckenraketen ein, die von der Marine im Kaspischen Meer abgefeuert werden. In enger Abstimmung mit dem Assad-Regime und den russischen Truppen operieren offenbar auch iranische Eliteeinheiten, deren Gesamtzahl auf etwa 7000 Mann geschätzt wird. Anders als die russischen Einheiten sollen sie in direkte Kämpfe verwickelt sein.

Deutlich verstärkt hat sich in diesen Tagen das französischen Eingreifen: Mit dem Eintreffen des Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ erhöht sich die Gesamtzahl der Kampfflugzeuge auf etwa drei Dutzend. Obamas Sprecher Josh Earnest wies jetzt auf die enge transatlantische Kooperation hin: US-Flugzeuge würden die französischen Maschinen aus der Luft betanken, und amerikanische Spezialkräfte stünden parat, sollten französische Piloten nach einem Abschuss gerettet werden müssen.

Nur eine untergeordnete Rolle auf dem unübersichtlichen Kriegsschauplatz spielen dagegen Australien, Bahrain, Jordanien, Kanada, Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Saudi-Arabien wiederum nimmt eine Sonderrolle ein, da es nicht nur militärisch, sondern vor allem finanziell im größeren Stil beteiligt sein soll. Am Boden sehen sich die selbsternannten Gotteskrieger des IS den unterschiedlichsten Gegnern gegenüber: Besonders hartnäckigen Widerstand leisten die Kurden im Nordosten Syriens und im Norden des Irak.  

Von Thomas Körbel
und Stefan Koch  

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