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Deutschland / Welt 130.000 Syrer fliehen in die Türkei
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13:34 22.09.2014
Nach ihrer Flucht aus Syrien vor der Terrormiliz Islamischer Staat sind leben die Menschen in Armut. Quelle: dpa
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Istanbul/Berlin

Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Norden Syriens hat mehr als 130.000 Menschen zur Flucht in die angrenzende Türkei getrieben. Insgesamt seien sogar 150.000 Menschen vertrieben worden, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag mit.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, sein Land bereite sich auf eine neue Flüchtlingswelle mit möglicherweise Hunderttausenden Menschen vor - abhängig von weiteren Angriffen des IS. Schon bisher hat die Türkei nach Regierungsangaben rund 1,3 Millionen Flüchtlinge vor allem aus Syrien aufgenommen.

Die IS-Extremisten rückten am Montag weiter auf die kurdische Enklave Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane) vor. Die Enklave im Norden Syriens ist jetzt von drei Seiten eingekesselt. "Der Ort ist wie eine Geisterstadt", sagte Rami Abdel Rahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehr als 150.000 Menschen seien geflohen, aber noch nicht alle hätten es über die Grenze in die Türkei geschafft. Die IS-Kämpfer würden Ain al-Arab mittlerweile von Süden, Osten und Westen einkeilen. An einigen Stellen stünden die Kämpfer 14 Kilometer vor der Stadt, an anderen nur zehn.

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Europa will die Bundesregierung mehr Solidarität von allen EU-Staaten einfordern. Ein Sprecher des Innenministeriums stellte am Montag in Berlin fest, dass "überhaupt nur 10 von 28 EU-Staaten Flüchtlinge in nennenswertem Umfang aufnehmen". Dies müsse verbessert werden, etwa indem ein Asylbewerber nach seiner Registrierung in einem EU-Staat vorübergehend in einem anderen Staat untergebracht wird.

Der Sprecher betonte, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) habe aber nicht die Absicht, das sogenannte Dublin-Verfahren aufzukündigen. Dieses Verfahren regelt, welches EU-Mitgliedsland für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth forderte eine verstärkte Aufnahme von Flüchtlingen. Das Vorgehen des IS habe eine Tragödie nie dagewesenen Ausmaßes ausgelöst, sagte die Grünen-Politikerin im Deutschlandfunk.

Ein Sprecher der Rebellengruppe Kurdenfront berichtete unterdessen, mehr als 80 IS-Kämpfer seien bei Gefechten südlich und östlich von Ain al-Arab getötet worden. Andere Einheiten hätten sich in der Stadt Asas nördlich von Aleppo Kämpfe mit der IS-Miliz geliefert. Dabei seien acht IS-Kämpfer getötet worden. Die Kurdenfront ist eine im syrischen Bürgerkrieg gegründete Rebellengruppe, die vor allem in Nordsyrien gegen Soldaten des Regimes von Baschar al-Assad sowie gegen die IS-Miliz kämpft.

Die IS-Miliz kontrolliert in Syrien rund zwei Drittel des Landes. Die nordsyrische Stadt Al-Rakka ist eine ihrer Hochburgen. Bei dem Vormarsch Mitte Juni auf das Nachbarland Irak eroberten die Dschihadisten dort mit Mossul die zweitgrößte Stadt des Landes sowie weitere Regionen im Osten und Norden. Ihre Eroberungen hat die IS-Miliz in einem selbst ernannten "Kalifat" zusammengefasst.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Sonntag ein stärkeres militärisches Engagement Deutschlands im Kampf gegen die IS-Miliz erneut abgelehnt. Die vor kurzem gebildete internationale Allianz gegen den IS werde arbeitsteilig arbeiten, sagte der SPD-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Eine Beteiligung an den Luftschlägen oder gar die Entsendung von Bodentruppen kämen nicht infrage.

Die USA hatten am Wochenende die Luftangriffe gegen die irakische IS-Hochburg Mossul ausgeweitet. Anwohner berichteten der dpa von Angriffen auf Stellungen der Terrormiliz im Stadtzentrum. Zudem sei ein IS-Hauptquartier westlich von Mossul angegriffen worden, meldete die unabhängige irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News. Eine Bestätigung des US-Zentralkommandos lag zunächst nicht vor.

dpa

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