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Deutschland / Welt Cameron will Mörder von Briten fassen
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09:16 04.10.2014
Der britische Premierminister David Cameron will alles tun, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen.  Quelle: dpa (Archiv)
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London

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine weitere westliche Geisel hingerichtet. Die Dschihad-Beobachtungsplattform Site berichtete am Freitag über ein Internetvideo, das die Enthauptung des Briten Alan Henning zeigen soll. Zugleich drohten die Extremisten darin mit der Ermordung eines US-Bürgers, der sich in ihren Händen befindet. Eine Sprecherin des US-Außenministerium sagte, momentan gebe es keinen Grund, an der Echtheit des Videos zu zweifeln.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, die Ermordung Hennings zeige, „wie grausam und abscheulich diese Terroristen sind“. Er kündigte an, Großbritannien werde alles tun, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Das britische Außenministerium prüft die Authentizität des Videos.

Henning, ein ehemaliger Taxifahrer aus Salford bei Manchester im Alter von 47 Jahren, war seit Dezember 2013 in der Gefangenschaft der Miliz. Er hatte sich einem Hilfskonvoi für syrische Flüchtlinge angeschlossen und war dabei in die Hände der Terroristen gefallen.

IS-Extremisten hatten zuvor die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines auf bestialische Weise getötet.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Ermordung Hennings. Er versprach, die Verantwortlichen für alle Geisel-Ermordungen würden zur Rechenschaft gezogen. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sprachen von einem „feigen Mord“ an Henning.

Das am Freitag aufgetauchte Video ist nur eine Minute und elf Sekunden lang. In der Aufmachung folgt es seinen Vorgängern: Das Opfer kniet in orangener Häftlingskleidung auf dem Erdboden. Neben ihm ist ein in schwarz gekleideter, völlig vermummter IS-Kämpfer zu sehen. Henning muss ein vorbereitetes Statement vortragen. „Wegen der Entscheidung unseres Parlaments, den Islamischen Staat anzugreifen, werde nun ich, ein Mitglied der britischen Öffentlichkeit, den Preis für diese Entscheidung zahlen.“

Der mutmaßliche Mörder spricht mit britischem Akzent und wendet sich direkt an Cameron. „Das Blut von David Haines war an deinen Händen, Cameron. Alan Henning wird ebenfalls geschlachtet, aber sein Blut klebt an den Händen des britischen Parlaments.“ Britische Kampfflugzeuge hatten Ende September erstmals IS-Ziele im Irak beschossen; dem voraus ging ein Beschluss des Londoner Unterhauses.

Cameron: IS-Terroristen kennen keine Grenzen

Noch drei Tage vor der Veröffentlichung des jüngsten Enthauptungsvideos hatte Hennings Ehefrau Barbara in einer Videobotschaft an die Entführer appelliert, ihren Mann freizulassen. Er sei auch nach den Maßstäben der islamischen Scharia-Gesetzgebung unschuldig. Seine Familie brauche ihn.

„Meine Gedanken sind in dieser Nacht bei Alans Frau Barbara, ihren Kindern und allen, die ihn geliebt haben“, teilte Cameron weiter mit. Henning sei nach Syrien gegangen, um Menschen in Not gleich welcher Glaubensrichtung zu helfen. Seine Ermordung zeige, dass die Verdorbenheit der IS-Terroristen keine Grenzen kenne.

Wie in vorausgegangenen Videos wird auch in dem neuen Machwerk eine weitere Geisel als mögliches neues Opfer vorgeführt. Das US-Außenministerium bestätigte, dass es sich dabei um einen US-Bürger handelt. Um ihn zurück zu seiner Familie zu bringen, würden die USA alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen - militärisch, diplomatisch, rechtlich und geheimdienstlich, teilte Ministeriumssprecherin Caitlin Hayden weiter mit.

Die USA gehen bislang als einziger Staat sowohl im Irak als auch in Syrien gegen die Dschihadisten vor. In Syrien griffen Kampfflugzeuge der US-geführten internationalen Koalition am Freitagabend erneut Stellungen der Miliz bei Kobane an. Der IS versucht seit Tagen, die von Kurden verteidigte Stadt im Norden des Landes einzunehmen.

Mit Spannung wird beobachtet, ob eventuell die türkischen Streitkräfte auf die Hilferufe der eingekesselten Verteidiger von Kobane reagieren. Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstagabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt.

Das syrische Regime warnte das Nachbarland vor einem Eingreifen. Jede türkische Intervention auf syrischem Boden werde als „Verletzung der Souveränität und Akt der Aggression“ angesehen, erklärte das Außenministerium in Damaskus.

Kanada steht derweil vor einer Beteiligung an der internationalen Koalition gegen den IS. Das Parlament entscheidet am Montag darüber. Am Freitag hatte Australien seine Teilnahme beschlossen.

dpa

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