Volltextsuche über das Angebot:

31 ° / 15 ° sonnig

Navigation:
Neuer Ministerpräsident und Nachfolger gesucht

Nach Erdogan-Sieg Neuer Ministerpräsident und Nachfolger gesucht

Erdogan hat die Präsidentenwahl in der Türkei gewonnen. Nun muss er Nachfolger für seine Posten als Ministerpräsident und AKP-Chef suchen - die ihn als Staatsoberhaupt die Geschicke des Landes lenken lassen.

Voriger Artikel
USA rücken weiter von Iraks Regierungschef ab
Nächster Artikel
Armee attackiert Separatisten in Donezk

Nach seiner Wahl muss Recep Tayyip Erdogan einen Nachfolger für den Ministerposten finden.

Quelle: dpa

Istanbul. Nach dem Sieg von Recep Tayyip Erdogan bei der Präsidentenwahl in der Türkei beginnt die Suche nach einem Nachfolger für sein bisheriges Amt als Regierungschef. Wenn die Wahlkommission Erdogan offiziell zum designierten Präsidenten ernennt, muss er außerdem den Vorsitz der islamisch-konservativen AKP abgeben. Erwartet wird, dass er Gefolgsleute auf die beiden Posten setzt.

Erdogan hat deutlich gemacht, dass er als erster vom Volk gewählter Präsident selber die Geschicke der Türkei lenken will. Bislang war das Amt des Staatsoberhauptes vor allem zeremonieller Natur. Erdogan war am Sonntag nach vorläufigen Ergebnissen bereits im ersten Wahlgang zum Präsidenten gewählt worden. Kritiker befürchten, dass Erdogan als Präsident seine Macht weiter ausbauen und die Islamisierung der Türkei vorantreiben könnte.

Nach seinem Wahlsieg kündigte der 60-Jährige eine „neue Ära“ für die Türkei an. Er werde Staatsoberhaupt aller 77 Millionen Türken sein, sagte er am Sonntagabend in seiner versöhnlich gehaltenen Siegesrede in Ankara. Die Konflikte der Vergangenheit sollten der „alten Türkei“ angehören. „Heute ist ein historischer Tag“, sagte Erdogan. „Heute schließen wir die Türen zu der alten Ära und eröffnen eine neue Ära.“ Ihsanoglu gratulierte Erdogan am Sonntagabend zum Sieg.

Nach vorläufigen inoffiziellen Ergebnissen kam Erdogan auf knapp 52 Prozent, wie Fernsehsender in der Nacht zum Montag übereinstimmend berichteten. Der Gemeinschaftskandidat der beiden größten Oppositionsparteien CHP und MHP, Ekmeleddin Ihsanoglu, erzielte demnach rund 39 Prozent. Der Kandidat der pro-kurdischen HDP, der Kurde Selahattin Demirtas, lag demnach bei knapp 10 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 74 Prozent. Die Wahlkommission wollte am Montag ein offizielles Ergebnis mitteilen.

Erdogan regiert seit 2003 und hätte nach den AKP-Statuten nicht ein viertes Mal Ministerpräsident werden dürfen. Mit Erdogans Wahlsieg dürften die Weichen für die Einführung eines Präsidialsystems gestellt und das Amt mit noch mehr Macht ausgestattet werden. Als eines seiner Ziele hat Erdogan eine neue Verfassung angekündigt.

Erdogan gelang der Wahlsieg trotz zahlreicher Krisen, die seine Regierung seit dem Sommer vergangenen Jahres erschütterten. Damals gingen bei den Gezi-Protesten Millionen Türken gegen seinen autoritären Regierungsstil auf die Straßen. Später sah sich seine Regierung massiven Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Auch aus der EU wurde Erdogans autoritärer Kurs mehrfach kritisiert.
Die Amtszeit des neuen Präsidenten beginnt am 28. August. Der scheidende Präsident Abdullah Gül, der wie Erdogan zu den Gründern der Regierungspartei AKP zählt, hatte sich auf eine zeremonielle Rolle beschränkt. Schon jetzt gibt die Verfassung dem Präsidenten allerdings erhebliche Macht. So sind beispielsweise seine Entscheidungen juristisch nicht anfechtbar. Bei seiner Siegesrede erwähnte Erdogan Gül nicht.

Erdogan wird das zwölfte Staatsoberhaupt der Türkei. Als Präsident kann er nach fünf Jahren für eine weitere Amtszeit wiedergewählt werden. Erdogan hat mehrfach deutlich gemacht, dass er zum 100. Geburtstag der Republik 2023 noch in der Türkei herrschen will.

Gegenkandidat Ihsanoglu (70) kritisierte am Sonntag: „Der Wahlkampf wurde unter ungerechten und ungleichen Voraussetzungen geführt.“ Die Opposition hatte Erdogan vorgeworfen, staatliche Ressourcen im Wahlkampf zu nutzen. In die Kritik war auch der Staatssender TRT geraten, der Erdogan viel mehr Sendezeit einräumte als seinen beiden Kontrahenten.

In der Türkei waren rund 53 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Erstmals hatten zusätzlich auch die 2,8 Millionen wahlberechtigte Auslandstürken die Möglichkeit, außerhalb der Türkei zu wählen. Davon machten aber nur 8,3 Prozent Gebrauch. In Deutschland wählten mehr als zwei Drittel der Türken Erdogan. TRT berichtete, Erdogan sei dort auf fast 69 Prozent gekommen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Erdogan ist Favorit

Premiere in der Türkei: Erstmals bestimmt das Volk seinen Präsidenten selbst. Beste Chancen auf den Sieg hat Regierungschef Erdogan. Bei der Wahl geht es auch um das künftige politische System der Türkei.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.