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Berliner Anwalt überlebt beide Terroranschläge

Bombenexplosionen in Brüssel Berliner Anwalt überlebt beide Terroranschläge

Als Marc Schreiner am Dienstag in Brüssel landete, waren am Flughafen gerade zwei Bomben explodiert. Er fährt mit dem Taxi in die Innenstadt – und steigt vor der Metro-Station aus, in der wenige Minuten später die nächste Bombe hochgeht.

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Der Berliner Rechrsanwalt Marc Schreiner erlebte beide Terroranschläge in Brüssel aus nächster Nähe.

Quelle: Reuters/N24/dpa

Brüssel. Marc Schreiner arbeitet als Anwalt in Berlin. Regelmäßig fliegt er nach Brüssel, so auch am Dienstag. "Ich bin wie sonst immer mit der ersten Maschine von Tegel nach Brüssel geflogen", erzählte er Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters – ihr Video wurde am Donnerstag von mehreren Medien veröffentlicht, unter anderem von Spiegel Online. "Sie ist pünktlich gelandet, um zehn vor acht, so dass ich um acht Uhr gerade aus dem Flugzeug ausgestiegen und in die Ankunftshalle gegangen bin, als mir dann Hunderte von entsetzten Passagieren entgegen gerannt kamen." Selbstmordattentäter hatten sich gerade im Terminal in die Luft gesprengt.

"Ich erlebe an einem Tag zwei Bombenanschläge"

Der Anwalt aus Berlin geht zum Ausgang. Sicherheitskräfte erklären ihm, was vorgefallen ist. Schreiners Familie, seine Freunde und Arbeitskollegen rufen ihn an, erkundigen sich, wie es ihm geht. "Ich konnte ihnen versichern, ich bin auf dem Weg zur Arbeit, ich bin in Sicherheit", erzählt Schreiner in dem Video. "Ich war gerade dabei, das zu verarbeiten." Er lässt sich von einem Taxi in die Innenstadt bringen, zum Ziel seiner Reise, einem Tagungshotel – das Gebäude ist nur wenige Meter von der Metro-Station Maelbeek entfernt.

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"9:03 Uhr habe ich mit der Kreditkarte das Taxi bezahlt." Um 9:11 Uhr explodiert in der U-Bahn-Station die dritte Bombe. "Eine unglaublich laute Detonation", erzählt Schreiner. "Es war dunkel, beißender Rauch. Und aus diesem Rauch kamen dann Passagiere heraus." Blutüberströmte Passagiere. "Bilder, die ich so schnell nicht vergessen werde." Abends ist er wieder in Berlin, bei seiner Familie. "Für mich ist es unfassbar. Ich erlebe an einem Tag zwei Bombenanschläge." Und entgeht knapp dem Tod.

Frau aus Aachen wird weiterhin vermisst

Insgesamt starben bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der Metro-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen, rund 300 wurden verletzt, auch mehrere Menschen aus Deutschland. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befindet sich aber nur noch einer in einer Klinik. Die anderen verletzten Bundesbürger hätten die Krankenhäuser wieder verlassen. Eine genaue Zahl wurde am Donnerstag nicht genannt. Sie liege nach allen vorliegenden Informationen im einstelligen Bereich. Nicht ausgeschlossen ist allerdings weiter, dass auch Deutsche unter den Todesopfern sind. Eventuell eine Frau aus Aachen.

Sie wird seit den Anschlägen in Brüssel vermisst. "Es ist nicht auszuschließen, dass sie sich unter den noch nicht identifizierten Opfern des Anschlags befindet", teilte die Aachener Polizei am Donnerstag mit. Der Ehemann der Frau sei mit schweren Verletzungen in ein belgisches Krankenhaus gebracht worden. "Über das Schicksal meiner Nichte wissen wir leider nichts", zitiert die "Bild"-Zeitung einen Onkel der Frau. "Die Behörden teilten uns allerdings mit, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssten."

Schwierige Identifizierung der Opfer

Warum gibt es bislang so wenig Details zu den 31 Brüsseler Terroropfern? Die Identifizierung ist aufwendig und braucht Zeit. Eine zweifelsfreie Klärung der Identität erfolgt meist über Finger- und Handflächenabdrücke, eine DNA-Analyse oder einen Vergleich von Zahnschemata. Der Abgleich von Personenbeschreibungen, medizinischen Befunden oder am Körper getragenem Schmuck gilt nur als unterstützende Methode.

Lange dauert die Identifizierung oft dann, wenn Opfer durch Verbrennungen und Explosionsverletzungen entstellt sind. "Durch die Folgen einer Katastrophe können die Toten so stark verändert sein, dass eine visuelle Identifizierung nicht mehr möglich ist", schreibt das Bundeskriminalamt in einem Informationsblatt für Hinterbliebene.

wer/dpa

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