Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Uneinsichtig bis in den Tod
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Uneinsichtig bis in den Tod
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 09.05.2016
Von Klaus Wallbaum
Margot Honecker (Archivbild): Die Witwe des früheren DDR-Staats- und SED-Parteichefs Erich Honecker starb im Alter von 89 Jahren. Quelle: Marcelo Hernandez/dpa
Anzeige
Santiago de Chile/Hannover

Die ehemalige Volksbildungsministerin der DDR und Witwe des früheren SED-Generalsekretärs Erich Honecker erlag am Freitag einem Krebsleiden in Santiago de Chile. Dorthin waren die Honeckers Anfang der 90er Jahre ausgereist. Ihr Mann starb bald danach, 1994. Sie selbst lebte in Südamerika und kehrte nie wieder nach Deutschland zurück. Sie huldigte die SED-Diktatur und zeigte sich uneinsichtig – bis in den Tod.

26 Jahre lang, von 1963 bis zum Ende der SED-Diktatur 1989, war sie als Ministerin für die Bildung in der DDR verantwortlich, für Schulen, Universitäten und Erziehungseinrichtungen. Sie ist damit zur Symbolfigur für eine Politik geworden, die freie Diskussionen unterdrückte und demokratische Bestrebungen blockierte.

Die starke Frau im Staat

An der Seite ihres Mannes, des SED-Generalsekretärs, führte sie die Diktatur in Ostdeutschland. Viele, die das Paar beobachteten, kamen zu dem Schluss, dass Margot Honecker die eigentliche Triebkraft in dieser Verbindung war – als Ratgeberin, Antreiberin und Kritikerin ihres Mannes, vor allem als Scharfmacherin.

Die Tochter eines Schuhmachers begann nach der Gründung der DDR 1945 als Stenotypistin im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund, kam in die Volkskammer, lernte den FDJ-Funktionär Erich Honecker kennen und heiratete ihn 1953.

Jugendliche drangsaliert

Schon als junge Frau kam sie in hohe politische Funktionen, erst als Vize-Ministerin und dann als Ministerin. Sie wirkte immer kühl, steif und distanziert, mit ihren lila-gefärbten Haaren hob sie ab, manche nannten sie "den lila Drachen".

Viele Entwicklungen im DDR-Bildungssystem werden mit ihr in Verbindung gebracht – etwa die brutalen Zustände in den Jugendwerkhöfen der DDR, wo Jugendliche eingesperrt und drangsaliert wurden, die sich nicht anpassen wollten, oder die Wehrkundeerziehung in den Schulen der Republik – eine frühe Form der Militarisierung.

Kein Verständnis für Liberalisierung

Margot Honecker galt stets als starr, unbeweglich und fanatisch. Für die Kräfte in der SED, die spätestens Mitte der achtziger Jahre eine Öffnung und Liberalisierung vertraten, hatte sie kein Verständnis.

Auf der anderen Seite wird berichtet, dass Margot Honecker bei all ihrer Verbohrtheit durchaus Kontakte zu Künstlerkreisen hielt, die für eine Reform der DDR eintraten – etwa zu dem dann 1976 ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann.

Sozialisten schmückten sich mit ihr

Von Margot Honecker wird wohl vor allem ihre Unbelehrbarkeit in Erinnerung bleiben, die sie noch im hohen Alter zur Schau stellte. Die sozialistischen Regime und Parteien in Lateinamerika, etwa in Nicaragua oder in Kuba, schmückten sich in den vergangenen Jahren immer wieder gern mit ihr.

Als 2012 ein Fernsehinterview mit ihr geführt wurde, das dann in der ARD ausgestrahlt wurde, zeigte sie eine geradezu verblüffende Abgebrühtheit. Menschen, die nach ihren Misshandlungen in den DDR-Jugendwerkhöfen litten, wurden von ihr als "bezahlte Banditen" bezeichnet.

Vormund der DDR-Bürger

Die Toten an der Mauer, meinte sie, hätte es nicht geben müssen: "Die brauchten ja nicht über die Mauer zu klettern, um diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen." Auch den Staatsbürgerkundeunterricht in den Schulen rechtfertigte sie. Es sei ja Absicht gewesen, die Kinder "zu aktiven Mitstreitern und Gestaltern des Sozialismus" zu erziehen.

Dass es sich um freie und selbstbestimmte Wesen handelte, die in der DDR lebten, kam ihr nicht in den Sinn. Sie wollte immer der Vormund der DDR-Bürger sein.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

London hat zum ersten Mal einen muslimischen Bürgermeister gewählt. Labour-Politiker Sadiq Khan stand bereits vor der endgültigen Auszählung aller Stimmen am Freitagabend als Sieger fest.

06.05.2016
Deutschland / Welt Vorbereitung auf neue Bedrohungslagen - Von der Leyen will Bundeswehr flexibler machen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will das Personal der Bundeswehr aufstocken und neu justieren. Koalitionsexperten begrüßen den Schritt als richtige Kurskorrektur.

06.05.2016
Deutschland / Welt Frau des Ex-Staatschefs der DDR - Margot Honecker ist tot

Die frühere DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker ist tot. Die Witwe des langjährigen DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker starb im Alter von 89 Jahren.

06.05.2016
Anzeige