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Vermisster Soldat starb im Gefecht

Israel Vermisster Soldat starb im Gefecht

Er sollte entführt worden sein, nun wird er für tot erklärt. Viele Fragen um das Schicksal des israelischen Leutnants Goldin sind ungeklärt. Israels Truppen greifen weiter an - ziehen sich aber aus dem Inneren des Gazastreifens schrittweise zurück.

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Die israelische Armee suchte mit Hochdruck nach dem vermissten Soldaten.

Quelle: Atef Safadi

Tel Aviv. Die israelische Armee hat einen im Gazastreifen zunächst als entführt gemeldeten Leutnant für tot erklärt. Der 23-jährige Hadar Goldin sei am vergangenen Freitag bei Kämpfen nahe der Stadt Rafah ums Leben gekommen, teilte das Militär in der Nacht zum Sonntag mit. Israel setzte seine Angriffe in der palästinensischen Mittelmeer-Enklave am Sonntag fort. Beim Beschuss einer UN-Schule nahe Rafah seien mindestens zehn Menschen getötet worden, teilte Aschraf al-Kidra, Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums, mit.

Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Vorfall. Ein örtlicher Radiosender berichtete, dass ein Mann auf einem Motorrad den Schulhof angesteuert habe. Bei dem Luftangriff seien der Motorradfahrer sowie neun Flüchtlinge ums Leben gekommen. Israel tötet immer wieder Militante mit gezielten Luftschlägen. Nach Angaben des UN-Sprechers Chris Gunness haben rund 3000 Menschen in der angegriffenen Schule Schutz gesucht.

Fast vier Wochen nach Beginn seiner Militäroffensive begann Israel am Wochenende damit, seine Bodentruppen aus dem Inneren des Gazastreifens abzuziehen. Die Verbände sollten aber nicht ganz abrücken, sondern eine schmale „Sicherheitszone“ im Grenzgebiet schaffen, berichteten israelische Medien am Sonntag.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Samstagabend angekündigt, die Armee werde weiter im Gazastreifen bleiben, bis sie alle Tunnel zerstört hat, mit deren Hilfe die radikal-islamische Hamas Israel angreifen kann. „Die Armee wird so lange im Einsatz sein, bis sie ihre Arbeit getan hat“, sagte er.

Danach werde man die Lage neu bewerten und weitere Schritte festlegen. Allein ausschlaggebend seien dabei die israelischen Sicherheitsbedürfnisse, fügte Netanjahu hinzu. Hamas-Sprecher Fausi Barhum erklärte: „Der bewaffnete Widerstand wird weitergehen, bis er seine Ziele erreicht hat.“

Der ursprünglich als entführt gemeldete Soldat Hadar Goldin sollte am Sonntagnachmittag in Kfar Sava bei Tel Aviv beigesetzt werden. Zahlreiche Fragen rund um seinen Tod sind weiter offen. So gibt es widersprüchliche Berichte, ob er bei einem Einsatz starb oder entführt und danach getötet wurde – und wenn ja von wem.  

In Armee-Mitteilungen vom Freitag hatte es geheißen, Goldins Einheit habe an der Zerstörung eines sogenannten „Terror-Tunnels“ gearbeitet, als militante Palästinenser sie überfielen. Demnach zündete einer von ihnen eine Sprengstoffweste, wie sie Selbstmordattentäter verwenden. Zwei israelische Soldaten wurden dabei auf der Stelle getötet. Goldin habe bei der Explosion direkt neben den beiden gestanden, sagte ein hoher israelischer Offizier nach Medienangaben vom Sonntag.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt vehement, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben. „Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem (nachfolgenden israelischen) Bombardement getötet wurden“, hieß es in einer Mitteilung. Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen.

Die Armee teilte in der Nacht zum Sonntag mit, eine Kommission unter Leitung des Chefrabbiners der Streitkräfte habe am späten Samstagabend festgestellt, dass der Leutnant tot sei. Der Familie wurde nach Angaben des israelischen Onlineportals „Ynet“ erklärt, dass es an Ort des Geschehens genügend pathologische Erkenntnisse gab, um Hadar für tot zu erklären.

Der Zwischenfall am Freitagmorgen ließ eine mühevoll ausgehandelte humanitäre Waffenruhe nur anderthalb Stunden nach ihrem Beginn zusammenbrechen. Die israelische Armee leitete im Raum Rafah eine mit massiver Feuerkraft unterstützte Suchaktion nach dem vermissten Soldaten ein. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei mehr als 100 Palästinenser getötet und 500 weitere verletzt, die meisten von ihnen Zivilisten.

Der Chef der Hamas-Exilorganisation, Chaled Maschaal, bestritt, dass die Hamas die von den UN und den USA vermittelte Waffenruhe gebrochen habe. Seine Organisation habe die israelische Bedingung, wonach das Militär auch während der Waffenruhe gegen die Tunnel vorgehen kann, nie akzeptiert. „Wenn israelische Truppen im Gazastreifen bleiben und Tunnel zerstören, dann ist das eine Aggression“, sagte er am Samstag dem US-Nachrichtensender CNN. 

Für eine dauerhafte Waffenruhe forderte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine umfassende Lösung für den Gazastreifen. „Der Status quo, das zeigen die immer wiederkehrenden militärischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre, ist nicht haltbar“, schrieb der SPD-Politiker in einem Beitrag für die „Welt am Sonntag“.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit dem 8. Juli mehr als 1700 Palästinenser getötet. Über 9000 Menschen wurden demnach verletzt. Laut UN-Nothilfeorganisation Ocha hat die Gewalt fast jeden vierten Einwohner im Gazastreifen in die Flucht getrieben. Mehr als 254.000 der 1,8 Millionen Palästinenser hätten Zuflucht in einer der 90 UN-Unterkünfte gesucht. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

dpa

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