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Reden ist wieder Gold

Verdienste von Peer Steinbrück Reden ist wieder Gold

Der ehemalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück reüssierte als der SPD-Parlamentarier mit den höchsten Nebeneinkünften – und sorgt damit erneut für Kopfschütteln bei manchen Genossen. Jeweils zwischen 15 000 und 30  000 Euro waren die Worte des ehemaligen Finanzministers wert.

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Dass es Steinbrück als Abgeordneter zum Reden-Millionär gebracht hatte, vermasselte den Bundestagswahlkampf 2013 von Anfang an.

Quelle: dpa

Berlin. Zuletzt war es sehr still geworden um Peer Steinbrück. Nach seinem gescheiterten Anlauf Richtung Kanzleramt hatte sich der SPD-Spitzenkandidat aus der ersten Reihe der Politik wieder ­zurückgezogen. Er wollte seine Ruhe ­haben, Abstand gewinnen nach dem ­turbulenten Wahlkampfjahr. Allgemein wurde damit gerechnet, dass er auch sein Bundestagsmandat über kurz oder lang niederlegt. Doch nun hat Steinbrück wieder Schlagzeilen gemacht. Der 67-Jährige reüssierte als der SPD-Parlamentarier mit den höchsten Nebeneinkünften – und sorgt damit erneut für Kopfschütteln bei manchen Genossen.

Steinbrück kann es nicht lassen, er widmet sich wieder seinem einträglichen Nebenjob als Redner. Auf der Liste seiner Nebeneinnahmen stehen außer Buchhonoraren und Mitarbeit bei einer Unternehmensberatung auch zwei Vortragsauftritte. Bei der Hamburger Sparkasse referierte Steinbrück über den „Wirtschaftsfaktor Russland“. Beim Deutschen Zigarettenverband ging es um das transatlantische Freihandelsabkommen. Jeweils zwischen 15 000 und 30  000 Euro waren die Worte des ehemaligen Finanzministers dem Wirtschaftspublikum wert.

In der SPD weckt das ungute Erinnerungen. Dass es Steinbrück als Abgeordneter zum Reden-Millionär gebracht hatte, vermasselte den Bundestagswahlkampf 2013 von Anfang an. Dass er nun wieder daran anknüpft, stößt einigen in der Parteispitze übel auf. Sie sprechen von einer üppig entlohnten und politisch fragwürdigen Zweitverwertung von Abgeordnetenwissen.

Dass Steinbrück überhaupt noch Abgeordneter ist, dazu sollen ihn Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, überredet haben – gegen den Rat von Parteichef Sigmar Gabriel.
Anfangs wollte Steinbrück nach dem Misserfolg als Kanzlerkandidat der Politik ganz den Rücken kehren. Er selbst löste entsprechende Spekulationen mit der Ankündigung aus, er werde „zu gegebener Zeit“ über sein Mandat entscheiden. Um Ostern wollte er angeblich bereits gehen. Steinmeier und Oppermann brachten ihn davon ab mit dem Argument, ein wirtschaftsnaher Mann wie er werde noch gebraucht – schon um zu verhindern, dass die SPD unter dem immer mächtiger werdenden Gabriel nach links driftet. Die Sorge war unberechtigt, wie sich jetzt zeigt. Inzwischen will Gabriel höchstpersönlich die Partei mehr in die Mitte rücken.

In Steinbrücks Büro heißt es, das Gerücht vom vorzeitigen Rücktritt des Chefs sei immer Humbug gewesen. Steinbrück selbst bekräftigte, weiterhin mit Vorträgen Geld verdienen zu wollen. Die Honorare werde er zum Teil spenden, zum Teil für sich behalten. Im Übrigen habe er „keine Lust, sich dafür zu rechtfertigen“. Den Stinkefinger kann Steinbrück noch immer.

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