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Deutschland / Welt Neue Hoffnung für nördliches Amazonasgebiet?
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21:13 29.08.2017
Folgt bald die kalte Dusche für den Umweltschutz am Amazonas? Quelle: AP
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Sao Paulo

Die Kritik von Umweltschutzgruppen war heftig. Nun hat die brasilianische Regierung reagiert. Die Regelungen für Bergbau in einem ehemaligen Schutzgebiet am Amazonas wurden am Montag abgeändert. Dem Gebiet war vergangene Woche per Dekret der Schutzstatus entzogen worden. Auch mit der neuen Entscheidung ist die gold- und kupferreiche Region allerdings kein Schutzgebiet mehr.

Die Regierung von Präsident Michel Temer stellte aber am späten Montagabend klar, dass in Naturschutzgebieten und Gebieten von Ureinwohnern in dem ehemaligen Schutzgebiet kein Bergbau betrieben werden darf. Die mehr als vier Millionen Hektar große Fläche - ein Areal, größer als die Niederlande – lockt mit ihrem vielfältigen Rohstoffverkommen einheimische und internationale Bergbau-Unternehmen an. 1984 blockierte die damalige Militärdiktatur den wirtschaftlichen Zugriff auf Kupfer, Gold, Eisenerz, Mangan und andere Materialien. Mit der Einführung einer nationalen Kupfer-Reserve namens „Renca“ war das Terrain im nördlichen Amazonas geschützt.

Mächtige Lobby sitzt der brasilianischen Regierung im Nacken

Die „Renca“ ist dem aktuellen Ministerium für Bergbau und Energie allerdings ein Dorn im Auge. Zu gerne würde sie das Gebiet für die weitere Förderung von Rohstoffen freigeben. Das dort beheimatete Wajapi-Volk sowie die neun Naturparks dürfen allerdings auf die Umweltschutzverbände als Fürsprecher im brasilianischen Bergbau-Politikum hoffen. Der Wunsch nach Besserung im Amazonas trifft angesichts der mächtigen Agrar- und Industrie-Lobby in Brasilien allerdings nicht auf fruchtbaren Boden. Die Hoffnung scheint trügerisch.

Denn mit der Erklärung der Regierung am Montag offenbarte das Kabinett um Präsident Michel Temer, dass sie mit dem neuen Dekret zwar den illegalen Bergbau bekämpfen, die legale Rohstoff-Förderung im Schutzgebiet allerdings ermöglichen wolle. Während Brasilien also die Vordertür für kriminelle Bergbau-Händler schließt, hofiert es die Rohstoff-Branche und lässt es durch den Hintereingang wieder auf den Tummelplatz.

Der Regenwald hat rund ein Fünftel seiner einstigen Fläche eingebüßt

So kommt es nicht überraschend, dass der brasilianische Zweig der Naturschutzorganisation WWF mitteilte, dass das neue Dekret die Notwendigkeit von Schutz klarstelle, doch weiterhin das Risiko bestehe, dass die Umwelt Schaden nimmt.

In den letzten Jahrzehnten hat Brasiliens Amazonasurwald deutlich an Größe eingebüßt. Rund ein Fünftel seiner ursprünglichen Fläche ging verloren, hauptsächlich südlich des Amazonas-Flusses. Bisher galt dabei der Strom als natürliche Hürde. Umweltschützer prophezeien nun, dass mit dem möglichen Rohstoffabbau auch die Zerstörung nördlich des Flusses eingeleitet wird.

Von RND/krö/AP

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