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Neue Steinkohlekraftwerke in Stade und Wilhelmshaven geplant

Atomausstieg Neue Steinkohlekraftwerke in Stade und Wilhelmshaven geplant

Führt der Ausstieg aus der Atomkraft zu einer Renaissance der Kohle? In Niedersachsen sind nach Informationen dieser Zeitung drei neue Steinkohlekraftwerke geplant, bundesweit gibt es derzeit 22 Neubauvorhaben. Ministerpräsident David McAllister hält eine fossile Reserve als Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien vorübergehend für unverzichtbar.

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Rauch über einem Kohlekraftwerk – ein keineswegs harmloses Zeichen. In den Abgasen befindet sich der Klimakiller Kohlendioxid.

Quelle: dpa

Anders sei die Versorgungssicherheit beim Wegfall der Atomkraft nicht zu gewährleisten. Allerdings sollte die Präferenz aus Klimaschutzgründen bei modernen, hocheffizienten Gas- und Dampfkraftwerken liegen, betont McAllister. Eine solche Anlage soll in Emden errichtet werden.

Zwar sind Neubaupläne für Kohlekraftwerke in Emden, Dörpen und Wilhelmshaven wieder geplatzt. Zu heftig waren die Bürgerproteste, und die im Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke machte sie unrentabel. Bundesweit scheiterten daher bereits 14 Projekte. Doch nun, nach der erneuten Kehrtwende in der Energiepolitik, gewinnt Kohlestrom wieder an Bedeutung. In Wilhelmshaven baut das Unternehmen GDF/Suez seit September 2008 an einem 800 Megawatt-Steinkohlekraftwerk, das im kommenden Jahr ans Netz gehen soll. Der größte Energieverbraucher des Landes, das Unternehmen Dow Chemical, plant in Stade eine 900-Megawatt-Anlage, die 2014 fertiggestellt werden soll. Ebenfalls in Stade investiert der Stromkonzern e.on in ein 1100-Megawatt-Kraftwerk, das auch 2014 in Betrieb gehen soll.

Norddeutschland ist als Standort für Kohlekraftwerke besonders attraktiv, weil an den Häfen billige Importkohle günstig angelandet und direkt vor Ort verfeuert werden kann. Eine Euphorie wie nach dem rot-grünen Atomausstiegsbeschluss, als bundesweit Pläne für 30 bis 40 neue Kohlemeiler kursierten, wird es nach Einschätzung der Branche aber nicht mehr geben. Das sei schon wegen der Kosten des Emissionshandels unrealistisch, heißt es.

Die Förderung von alternativen Energien soll verhindern, dass der Atomausstieg zum Einstieg in die Kohle wird, fordern die Grünen, die strikt gegen den Bau neuer Kohlemeiler sind. Es sei Unsinn, das Risiko Atom durch den Klimakiller Kohle zu ersetzen, warnt Christian Meyer, umweltpolitischer Sprecher der niedersächsischen Grünen. Damit würde „der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben“, sagt Grünen-Chefin Claudia Roth. Aus Sicht der Grünen entwickelt die Bundesregierung beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu wenig Ehrgeiz. Die Ziele müssten höher gesteckt werden. Statt der angepeilten 35 Prozent bis 2020 müsse der Anteil der Erneuerbaren durch entsprechende Förderung auf 43 Prozent steigen.

Die Sozialdemokraten hingegen bezweifeln, dass es ohne fossile Brücke geht. Ausgerechnet im rot-grün regierten Nordrhein-Westfalen wittern SPD und Gewerkschaften eine neue Chance für die dortige Braunkohle. Konflikte sind programmiert. Die Kohle werde noch Jahrzehnte gebraucht, betonte Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) gegenüber dem „Spiegel“. Auch der grüne Koalitionspartner sei realistisch. Es wäre unverantwortlich, neben der Atomkraft auch aus der Kohle auszusteigen.

Sieben Kohlekraftwerke sind in NRW im Bau, fünf davon Stein- und zwei Braunkohleanlagen. „Wichtig ist, dass wir diese Kraftwerke so effizient wie möglich gestalten“, sagt Kraft. Das Großkraftwerk Datteln mit Europas höchstem Kühlturm, in das e.on bereits 800 Millionen Euro investiert hat, wurde allerdings vorerst gerichtlich gestoppt, unter anderem, weil es nur 400 Meter von der Wohnbebauung entfernt liegt.

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