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Deutschland / Welt Neue Vorwürfe gegen Wulff
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18:22 16.12.2011
Bundespräsident Wulff bestreitet, dass der Kredit von Unternehmer Geerkens selbst kam. Quelle: dpa
Berlin

Nur einen Tag nach dem „Bedauern“ von Bundespräsident Christian Wulff über unvollständige Angaben zu seinem Hauskredit sind neue Fragen in dem Fall aufgetaucht. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, lassen Äußerungen des mit Wulff befreundeten Unternehmers Egon Geerkens den Schluss zu, dass das Geld für das Darlehen über 500.000 Euro faktisch von Geerkens selbst gekommen sei. Wulff selbst hatte erklärt, Geerkens Ehefrau Edith sei die Kreditgeberin gewesen.

Der Unternehmer habe hingegen angegeben, dass er selbst mit dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten verhandelt und auch überlegt habe, „wie das Geschäft abgewickelt werden könnte“, berichtet der „Spiegel“. Das Darlehen sei über ein Konto seiner Frau gezahlt worden, für das er aber eine Vollmacht habe, habe Geerkens erklärt.

Für den Kredit sei ein anonymer Bundesbankscheck an Wulff übermittelt worden. „Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt“, zitiert der „Spiegel“ Egon Geerkens weiter.

Bundespräsident Christian Wulff jedoch bleibt dabei: Der umstrittene Hauskredit aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident kam von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens, Edith. Das ließ das Staatsoberhaupt am Freitag über seine Anwälte mitteilen. Bestätigt wird Wulff durch eine Erklärung der Rechtsanwälte Geerkens’. Darin heißt es: „Entgegen anderslautenden Meldungen wurde das Privatdarlehen an die Eheleute Wulff durch Frau Edith Geerkens gewährt. Mit ihr wurde der Kreditvertrag geschlossen. Das berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Die Auszahlung in Form eines Schecks der Deutschen Bundesbank durch die Sparkasse Osnabrück erfolgte daher auch von dem Konto von Frau Edith Geerkens.“

„Die Sparkasse Osnabrück hat bestätigt, dass der Scheck der Deutschen Bundesbank, der dem beurkundenden Notar zur Verfügung gestellt wurde, aus dem Konto von Frau Edith Geerkens gedeckt wurde“, hieß es in der Erklärung des Bonner Anwaltsbüros Redeker Sellner Dahs. „Dazu liegt uns eine Bestätigung der Sparkasse Osnabrück vor. Der Vertrag über das Privatdarlehen wurde mit Frau Edith Geerkens geschlossen.“ Das Ehepaar Wulff habe alle vereinbarten Zinszahlungen auf das Konto von Frau Geerkens geleistet.

Wulff war vorgeworfen worden, dass er noch als niedersächsischer Ministerpräsident 2010 im Landtag den Kredit der Unternehmergattin Edith Geerkens über 500.000 Euro nicht erwähnte, obwohl er vom Parlament nach seinen Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens gefragt worden war.

dpa/sag

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