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Deutschland / Welt „Habe das Gespräch sehr genossen“
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00:15 02.10.2014
Von Kristian Teetz
„Eine sehr ruhige und eindrückliche Art der Gesprächsführung“: Stephan Weil bei Papst Franziskus. HAZ-Reporter Kristian Teetz (Mitte) fotografiert das Gespräch. Quelle: dpa
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Vatikanstadt

Mit aufmerksamem Blick und seinem offenen, freundlichen Lächeln steht der Papst in seiner langen weißen Soutane da und hört Ministerpräsident Stephan Weil zu. Dieser steht am Ende seiner Privataudienz im Vatikan neben Franziskus und erzählt einige Details über das Geschenk, das er mit nach Rom gebracht hat. Es ist ein Stück hannoverscher Geschichte und gleichzeitig ein Dokument aus der großen, weiten Welt des Geistes: Weil überreicht dem Papst eine handgefertigte Schmuckkassette, die das Faksimile eines Briefs des Jesuitenpaters Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 4. November 1701 sowie ein Blatt aus der Ming-Enzyklopädie „Sancai tuhui“ enthält. Der Brief ist Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Gefertigt wurde das Gastgeschenk in den Werkstätten der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. „Dieses Geschenk passt sehr gut zu der Unterhaltung über die europäische Kultur, die wir geführt haben“, sagt Weil zu Franziskus, der selbst Jesuit ist. Dieser nickt und bedankt sich für den Brief auf Deutsch.

26 Minuten dauerte die Privataudienz des SPD-Politikers beim Pontifex Maximus, der seinen Gast im Audienzzimmer im Apostolischen Palast empfing. Durch hohe weiße Vorhänge fällt Licht in dieses Zimmer. Ein großer Kronleuchter hängt von der Decke, Bücherregale und eine Sitzecke stehen in dem großen Raum. Wand- und Deckengemälde verleihen dem Zimmer vatikanische Würde. Die meiste Zeit der Audienz sprachen der amtierende Bundesratspräsident und das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche unter vier Augen. Am Ende dieses ganz besonderen Empfangs durften noch fünf Delegationsmitglieder zum Papst treten und ihm die Hand schütteln. Darunter waren die deutsche Botschafterin im Vatikan, Annette Schavan, der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Prälat Felix Bernard, sowie Weils Sprecherin Anke Pörksen.

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Papst Franziskus hat im Vatikan in Rom Bundesratspräsident Stephan Weil zu einer Privataudienz empfangen.

Stephan Weil zeigte sich nach dem Gespräch tief beeindruckt. „Der Papst hat eine sehr ruhige und eindrückliche Art der Gesprächsführung“, sagte der Ministerpräsident. Dies mache die Kommunikation mit ihm sehr angenehm. „Ich habe das Gespräch sehr genossen.“ Weil ist an religiösen Dingen durchaus interessiert, obwohl er offiziell konfessionslos ist. Der Sozialdemokrat war in seiner Jugend katholischer Messdiener, hat die Kirche aber in den achtziger Jahren verlassen, weil er politisch mit den Dogmen zur Geburtenregelung nicht einverstanden war. Doch auch ohne Mitglied der Amtskirche zu sein, fühlt sich der Niedersachse als Christ.

Er habe mit Franziskus unter anderem über die Situation der Flüchtlinge weltweit gesprochen. „Der Papst hat betont, dass Deutschland einen guten Weg gefunden hat, Zuwanderer zu integrieren“, sagte Weil, dessen Rom-Fahrt seine letzte Reise als amtierender Bundesratspräsident war. „Das ist eindeutig der Höhepunkt meiner Amtszeit als Bundesratspräsident“, betonte er. Der Papst sei mit Sicherheit „momentan der Mensch mit der höchsten moralischen Autorität weltweit“.

Am Montagmorgen hatte die Delegation zunächst die Sixtinische Kapelle und die Vatikanischen Museen besucht. Anschließend sprach Weil mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, über den interreligiösen Dialog. Dieses Thema lag Weil besonders am Herzen, da einer der Anlässe des Besuchs im Vatikan das bevorstehende 50-jährige Bestehen des Konkordats zwischen dem Land Niedersachsens und dem Heiligen Stuhl war. Dieses Dokument vom 26. Februar 1965 regelt das Miteinander von Land und katholischer Kirche. Kardinal Koch betonte in dem Gespräch, er sehe in Deutschland sehr viel Positives in der Ökumene, bedauerte aber zugleich, dass es in beiden Kirchen Blockaden und Bremser im Hinblick auf die Ökumene gebe. Weil unterstrich seinen Wunsch nach einer weiteren Intensivierung des interreligiösen Dialogs.

Zudem traf Weil mit dem „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Dominique Mamberti, und Italiens Verfassungsministerin Maria Elena Boschi zusammen. Zum Abschluss seiner Staatsreise sprach Weil vor Mitgliedern der italienischen Abgeordnetenkammer über die Bedeutung des Bundesrats für die deutsche Demokratie.

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