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Deutschland / Welt Noch eine starke Frau neben Merkel
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00:15 16.12.2015
Von Klaus Wallbaum
Julia Klöckner wurde am 16. Dezember 1972 in Bad Kreuznach geboren. Seit fünf Jahren führt sie die CDU in Rheinland-Pfalz, seit 2011 sitzt sie im Landtag in Mainz. Quelle: Ingo Wagner
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Berlin

Es ist noch nicht lange her, da besuchte Julia Klöckner ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Am Eingang wollte ihr ein dort tätiger Imam aus Glaubensgründen nicht die Hand geben - weil er, wie er meinte, eine Frau so nicht begrüßen könne. Die CDU-Politikerin reagierte prompt, sie ließ das Gespräch mit dem Geistlichen platzen. „Dann ist er wohl im falschen Land“, soll sie verstimmt gesagt haben.

Das ist Klöckner: Eine Frau, die spontan und emotional reagieren kann, die ebenso gut auf Menschen zugehen wie sich auch von ihnen abwenden kann. Am 13. März will sie Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz werden, seit Monaten schon tourt sie durchs Land, macht sich bekannt und mischt sich ein. Die deutsche Weinkönigin des Jahres 1995 galt lange als Genussmensch, doch inzwischen lebt sie in eiserner Wahlkämpfer-Disziplin, hat 17 Kilo abgenommen. Wenn Montag der CDU-Bundesparteitag beginnt, steht sie in einer Reihe mit zwei anderen CDU-Spitzenkandidaten, die ebenfalls am 13. März Landtagswahlen bestehen wollen: Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt und Guido Wolf in Baden-Württemberg. Während Wolf sich ganz auf sein „Ländle“ konzentriert und überregional kaum auffällt, reibt sich Haseloff am offiziellen Kurs der CDU - und fordert öffentlich Obergrenzen für Flüchtlinge, die von Kanzlerin Merkel ablehnt werden.

Klöckner geht weit geschickter vor, sie würde nie direkt von Merkel abrücken, sie setzt ihre Akzente vorsichtiger. Schon vor Jahren forderte sie ein Burka-Verbot, jetzt tritt sie mit dem Gedanken an eine Integrationspflicht der Zuwanderer auf - wer sich weigere, etwa die deutsche Sprache zu lernen, solle seine Unterstützung gekürzt bekommen. „Es kommen keine Heiligen zu uns, es kommen Menschen“, sagte sie dazu jüngst.

Bedient Klöckner mit dieser Haltung nun den „rechten Rand“? Es gibt Felder, in denen die engagierte Katholikin als konservativ gelten kann, etwa als Abtreibungsgegnerin. Aber gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften steht sie aufgeschlossen gegenüber, und auch die Integrationsdebatte hat für Klöckner einen zutiefst modernen, liberalen Kern.

Ob die 43-jährige Politologin und Theologin am Ende wirklich die starke Frau neben Merkel in der CDU wird, hängt wohl vor allem von der Frage ab, wie die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ausgeht. Bisher regiert dort Rot-Grün, aber die CDU liegt mit Abstand vorn. Am rechten Rand wächst die AfD. Gibt es Schwarz-Grün? Oder Schwarz-Gelb-Grün? Klöckner jedenfalls scheint für vieles offen zu sein.

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