Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Nordkorea brüskiert Welt mit Raketenstart
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nordkorea brüskiert Welt mit Raketenstart
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:44 07.02.2016
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un verfolgt den Start. Quelle: EPA/KCNA/dpa
Anzeige
Seoul

Nur einen Monat nach seinem kritisierten Atomtest hat Nordkorea mit dem Start einer Weltraumrakete erneut die Weltgemeinschaft herausgefordert. Die Trägerrakete habe den "neu entwickelten Erdbeobachtungssatelliten Kwangmyongsong-4 (leuchtender Stern) erfolgreich auf seine Erdumlaufbahn gebracht", verkündete am Sonntag die nordkoreanische Raumfahrtbehörde.

Die Weltgemeinschaft sieht dies als verdeckten Test einer ballistischen Langstreckenrakete, die Atomwaffen tragen könnte. Viele Staaten von den USA und Frankreich bis Südkorea und Japan warfen dem diktatorischen Regime schwere Provokation vor. Eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats wurde angesetzt.

Südkorea kündigte noch am Sonntag den Beginn offizieller Gespräche mit seinem Verbündeten USA über die umstrittene Lieferung amerikanischer Abfangraketen an. Dies dürfte vor allem in China und Russland Beunruhigung auslösen, die strikt gegen die Aufstellung solcher US-Raketen in ihrer Nachbarschaft sind. Außerdem will Südkorea seine gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un gerichtete Propaganda-Beschallung an der Grenze ausweiten. 

Die Trägerrakete habe um 9.00 Uhr ("Pjöngjang-Zeit"; 1.30 Uhr MEZ) von Sohae an der Westküste abgehoben, wurde die nordkoreanische Raumfahrtbehörde von den Staatsmedien zitiert. Der Satellit habe nach 9:46 Minuten den Orbit erreicht.

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs erreichte vermutlich ein Objekt den Orbit, doch seien weitere Analysen des Flugs nötig. Die Rakete habe vermutlich eine Reichweite von bis zu 13.000 Kilometern gehabt und könnte somit theoretisch US-Festland erreichen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militär. 

Nordkoreas Raumfahrtbehörde verteidigte den Start als Ausübung des "legitimen Rechts auf die Weltraumforschung zu unabhängigen und friedlichen Zwecken". Sie wertete den Start jedoch auch als "epochales Ereignis" für die Entwicklung der Verteidigung des Landes. Das Land werde in Zukunft noch mehr Satelliten ins All schießen. 

China äußerte verhalten sein "Bedauern" über den Raketenstart. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Peking hatte Pjöngjang mehrfach vergeblich zur Zurückhaltung aufgefordert, um die Spannungen in der Region nicht weiter eskalieren zu lassen. Erst vor einem Monat hatte der vierte nordkoreanischer Atomtest weltweit Empörung ausgelöst.

Die US-Regierung kritisierte den Raketenstart als "destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung" zahlreicher UN-Resolutionen. Zugleich setzten sich die USA für "ernste Konsequenzen" ein, erklärte Sicherheitsberaterin Susan Rice in Washington. Außenminister John Kerry erklärte, die USA würden mit ihren Partnern und im UN-Sicherheitsrat an "bedeutenden" Maßnahmen arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen. 

Auch Frankreich forderte "eine schnelle und harte Reaktion der internationalen Gemeinschaft". Russland verurteilte den Start als Verstoß gegen UN-Resolutionen. Japan sprach von einer Bedrohung des Weltfriedens. 

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye verlangte – wie schon nach dem Atomtest des Nachbarns – harte Sanktionen gegen Pjöngjang. Zudem kündigte Seoul an, den Zugang seiner Landsleute zum gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industriepark im grenznahen Kaesong auf nordkoreanischer Seite weiter zu beschränken. 

Nordkorea hatte den Raketenstart vorverlegt, ursprünglich war ein Startfenster zwischen dem 8. und 25. Februar vorgesehen gewesen.

Das Land hatte zuletzt Ende 2012 eine Weltraumrakete gestartet. Der Start wurde damals weltweit verurteilt. Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Januar dieses Jahres nahm der UN-Sicherheitsrat Diskussionen über schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang auf.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit einem "internationalen Aktionstag" will sich die islamfeindliche Pegida als europaweite Bewegung zeigen. Aber außer Abschottung hat sie nicht viel zu bieten. Sogar die Rettung Wiens vor den Türken vor mehr als 300 Jahren wird bemüht.

06.02.2016

Es ist die Flucht vor dem Elen in der Heimat: Viele Tunesier, Algerier und Marokkaner wollen unbedingt nach Europa – obwohl viele von ihnen nicht politisch verfolgt werden. Eine Bestandsaufnahme unseres Korrespondenten Martin Gehlen.

09.02.2016

Tausende syrische Flüchtlinge harrten am Sonnabend an der Grenze zur Türkei aus und wurden nicht über die Grenze gelassen. Syrische Regierungstruppen hatten die Aufständischen in Aleppo mithilfe russischer Luftangriffe zurückgedrängt.

06.02.2016
Anzeige