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Deutschland / Welt Norweger füllen ihre Straßen mit Liebe
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08:43 26.07.2011
Blumenmeer in Oslo: „Wir werden uns unsere Geborgenheit zurückerobern" Quelle: rtr
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Oslo

Überwältigender kann die Reaktion auf mörderische Gewalt nicht ausfallen. "Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt", rief Norwegens Kronprinz Haakon Montagabend vor vielleicht hunderttausend Menschen in Oslo zweimal aus. Drei Tage, nachdem ein rechtsradikaler Norweger 76 Kinder, Jugendliche und andere in grenzenloser Mordlust und aus Hass auf alles Fremde getötet hat, antworteten die Menschen in so gut wie allen norwegischen Städten mit "Blumenzügen". Er sei jetzt völlig sicher, dass Norwegen "diese Prüfung bestehen wird", sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg, als er die riesige Menschenmenge sah, die sich nach einem Facebook-Aufruf versammelt vor dem Oslo Rathaus versammelt hatte.

Die Antwort der Menschen auf die Anschläge müsse aus "mehr Offenheit, mehr Demokratie, mehr Bestimmtheit" bestehen. In Erinnerung an den Überfall auf Norwegen durch das nationalsozialistische Deutschland 1940 sagte er: "Unsere Väter haben versprochen: Nie wieder ein 9. April. Wir versprechen: Nie wieder ein 22. Juli." Vor allem der 52-jährige sozialdemokratische Regierungschef hat seit den immer schrecklicheren Nachrichten von den zwei Anschlägen am Freitag einen Ton angeschlagen, wie man ihn selten oder nie nach so beispiellos brutalen Terroranschlägen gehört hat. "Wir werden uns unsere Geborgenheit zurückerobern", rief er aus.

Verblüffend auch, wie Kronprinz Haakon komplett die sonst übliche royale Zurückhaltung ablegte: "Nach dem 22. Juli gibt es keine Ausrede mehr für den Kampf um eine freie und offene Gesellschaft." Aber als Antwort auf Gewalt kam vom Prinzen eben nicht Härte oder der Ruf nach höheren Strafen, sondern gleich zweimal der Satz, der sonst bei offiziellen royalen Reden selten zu hören sein dürfte: "Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt." Haakons Ehefrau Prinzessin Mette-Marit weinte, während die Menschen immer wieder mitgebrachte Rosen in die Höhe hielten.

Mit den Tränen kämpfte auch Alexander Rybak, als er vor den sicher hunderttausend Menschen ohne Begleitung auf der Violine spielte. Der Sieger des Eurovision-Song-Contests 2009 war als vierjähriges Zuwanderer-Kind mit seinen Eltern aus Weißrussland nach Norwegen gekommen. Als "starkes Signal" gegen Zuwanderung und deren Zulassung durch die regierenden Sozialdemokraten hatte der Attentäter Breivik seine Untaten erst am Montag wieder vor dem Oslo Haftrichter begründet. Kronprinz Haakon gab seinen Zuhörern mit auf den Weg, dass man die schrecklichen Morde nicht ungeschehen machen könne - "aber wir können wählen, was sie mit uns machen".

Die Veranstaltungen waren am Wochenende von einer Privatinitiative gestartet worden. Die Initiatoren in Oslo rechneten mit bis zu 100.000 Teilnehmern unter den 550.000 Einwohnern. Allein 60.000 Menschen hatten sich auf einen Aufruf im Facebook-Netzwerk angemeldet. Auch aus anderen Städten wie Bergen und Stavanger wurden Menschenansammlungen gemeldet, wie Norwegen sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht erlebt hat.

dpa

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