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Obama: "Wir fluten unsere Städte mit Waffen"

Trauerfeier in Dallas Obama: "Wir fluten unsere Städte mit Waffen"

In der texanischen Metropole Dallas wurde am Dienstag bei einer Trauerfeier an die bei einem Anschlag getöteten Polizisten erinnert. Bürgermeister Mike Rawlings rief zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. Mit Spannung wurde die Rede von US-Präsident Barack Obama erwartet.

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Barack Obama umarmt den örtlichen Polizeichef David Brown.

Quelle: Larry W. Smith

Dallas. Der Präsident hat sich einen ganzen Tag zurückgezogen, um diese Rede zu schreiben. Barack Obama wusste, dass sie eine der wichtigsten seiner Amtszeit werden würde. Eine der schwierigsten sowieso. Eine Rede, die Brücken schlagen muss in einem zutiefst verunsicherten Land. Zwischen denen, die trauern um ermordete Mitglieder ihrer Gemeinschaft, der Polizei, und denen, die wütend sind, weil sie von dieser Polizei wegen ihrer Hautfarbe immer wieder brutale Gewalt erfahren.

Weil zu viele von ihnen, wie Alton Sterling und Philando Castile in der vergangenen Woche, bei Polizeieinsätzen zu Tode kommen. Es geht darum, die Nation, die Angst vor neuem Rassenhass hat, ihrer selbst zu versichern.

"Ich war zu oft bei solchen Trauerfeiern"

Dabei will er sie gar nicht halten, diese Rede. Das sagt er gleich zweimal in den gut 40 Minuten, in denen er am Dienstag zu der Trauergemeinde in Dallas spricht, die sich von den fünf am Donnerstag ermordeten Polizisten verabschiedet. „Ich bin zu oft bei solchen Trauerfeiern gewesen.“ Elfmal in acht Jahren hat er eine Stadt nach einem Massenmord trösten müssen, Orlando, San Bernardino, Charleston, Newtown. Aber: „Ich habe gesehen, wie wenig meine Worte ausrichten können, wie wenig sie wirklich verändern. Ich bin nicht naiv.“ Und doch versucht er es wieder.

Er räumt es ein, es ist ihm nicht gelungen, die schier unbegrenzte Verfügbarkeit von Waffen in den USA zu beschränken: „Wir fluten unsere Städte mit Waffen. Für viele Kinder ist es leichter, eine Glock-Pistole in die Hand zu bekommen als ein Buch oder einen Computer.“ Und dann „sagen wir unserer Polizei: Sorgt für Ordnung, aber bitte immer in absoluter Korrektheit. So geht es nicht. Wir verlangen von der Polizei zu viel und leisten selbst zu wenig.“

"Wir haben nicht die Kontrolle über alles"

Aber nein, es wird keine programmatische Rede daraus. Es bleibt bei einem Appell, auch als Obama von denen spricht, deren Schmerz über Missachtung und Misshandlung nicht gehört wird. „Wir müssen sie wiederfinden“, sagt er, „unsere eine gemeinsame Menschlichkeit, unabhängig von der Hautfarbe.“ Ein „neues Herz brauchen wir, das offen ist für alle“. Da klingt der oft als „mächtigster Mann der Welt“ titulierte US-Präsident ganz bescheiden: „Wir haben nicht die Kontrolle über alles – aber darüber, wie wir andere Menschen behandeln.“

Von Susanne Iden

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