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"Der republikanische Kandidat ist nicht geeignet"

Obama über Donald Trump "Der republikanische Kandidat ist nicht geeignet"

Im US-Wahlkampf wird jetzt mit nackten Fäusten gekämpft. Vornehme Zurückhaltung, selbst beim Präsidenten, ist Teil der Vergangenheit. Barack Obama nimmt kein Blatt mehr vor dem Mund und sagt, was er wirklich von Donald Trump hält. Aber warum erst jetzt?

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Mit deutlichen Worten hat US-Präsident Obama Donald Trump die Fähigkeit abgesprochen, seine Nachfolge anzutreten.

Quelle: dpa

Washington. US-Präsident Barack Obama hat dem republikanischen Bewerber um seine Nachfolge, Donald Trump, mit deutlichen Worten die Fähigkeit für das Amt ausgesprochen. "Ja, der republikanische Kandidat ist nicht geeignet", sagte Obama am Dienstag im Weißen Haus.

Obama: "Jetzt reicht es!"

"Dies ist sicher eine Abkehr von dem, wie bisher mit Trump umgegangen wurde", sagte CNN-Republikaner-Expertin Nia-Malika Henderson. Vorausgegangen waren Tiraden aus dem Wahlkampflager Trumps, wie sie selbst für den schillernden Immobilienmilliardär nicht üblich sind. Er griff die Familie eines für die USA im Krieg gefallenen Muslim an, er verstrickte sich in haarsträubende Aussagen zum Ukraine-Konflikt und seine Beziehung zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Nachweisliche Lügen inklusive. Ganz nebenbei bezeichnete er seine Gegnerin Hillary Clinton noch schnell als "Teufel" und unterstellte für den 8. November schon mal vorsorglich für den Fall einer Niederlage Wahlbetrug.

Spätestens im Zuge der Debatte um die Familie des aus Pakistan stammenden US-Soldaten, ist es zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Trump in den USA gekommen. Trump hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, er hat sich mit unantastbaren nationalen Heiligen Amerikas angelegt – den Kriegshelden. Bisher hatten viele die teils skurrilen Äußerungen des New Yorkers noch als Rhetorik abgetan. Jetzt wird Klartext geredet.

"Da muss ein Punkt kommen, wo man sagt, wer solche Aussagen macht, der hat nicht die Urteilskraft und nicht den Charakter, die mächtigste Position der Welt auszuüben." "Es muss ein Punkt kommen, wo man sagt: Jetzt reicht es!", sagte Obama.

Republikaner zu Abkehr von Trump aufgerufen

Er forderte gleichzeitig führende Köpfe in der republikanischen Partei auf, Trump die Gefolgschaft zu verweigern. "Was sagt das über diese Partei aus, wenn er die Führungsfigur ist?", ergänzte der noch amtierende präsident.

Auch namhafte US-Kommentatoren stellen inzwischen offen die Frage, ob der 70 Jahre alte Trump noch bei Sinnen ist. "Ist Trump einfach nur verrückt", fragte Eugene Robinson am Dienstag in der "Washington Post". Über keinen Kandidaten in der Geschichte wurde in der Öffentlichkeit auch nur ein annähernd vergleichbares Urteil gefällt.

Trump lieferte gleich am Dienstag neues Futter. In Ashburn (Virginia) fing ein Kleinkind an zu schreien, als Trump auf einer Kundgebung redete. "Ich liebe Babys", sagte Trump, nur um wenige Minuten später zu erklären. "Schafft das Baby raus. Ich glaube, sie (die Mutter) hat mir tatsächlich geglaubt, dass ich es liebe, wenn ein Baby schreit, wenn ich rede."

In einem Gastbeitrag für die "Post" resümierte der Politologe Robert Kagan von der angesehenen Brookings Institution: "Man fragt sich, ob die Führung der Republikaner angefangen hat zu realisieren, dass sie ihr Schicksal und das ihrer Partei einem Mann übergeben haben könnte, der eine Persönlichkeitsstörung hat."  Trump habe einfach nicht die Größe, die er als US-Präsident benötige, auch einmal den Mund halten zu können.

Führungsriege der Republikaner distanziert sich

Trump laufen haufenweise die Gefolgsleute davon, zuletzt verließ Sally Bradshaw die Republikaner, eine einflussreiche Vertraute von Jeb Bush, die jetzt im Fall des Falles für Hillary Clinton wählen wird.

Die Führungsriege der Republikaner distanziert sich bisher nur punktuell von ihrem Kandidaten. John McCain, Urgestein der Partei und selbst 2008 Präsidentschaftskandidat, fühlte sich jüngst zu einer Erklärung gezwungen. "Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt", heißt es in Bezug auf Trumps Umgang mit hochdekorierten Kriegshelden.

Obama: Trump leistet sich täglich Fehltritte

Präsident Obama ruft in einem ungewöhnlichen Schritt nun zu mehr auf. Die Beteuerungen der Republikaner klängen unglaubwürdig, sagt er. "Wenn man wiederholt bekennen muss, dass das, was er sagt, nicht akzeptabel ist, warum unterstützt man ihn dann immer noch?" fragte er. "Das ist nicht mehr so, dass es hin und wieder einen Fehltritt gibt. Das passiert täglich", sagte er.

Robert Kagan sagt es noch deutlicher: Republikaner sollten aus einem Grund nicht mehr ruhig schlafen können: "Dieser Mann hat sich nicht unter Kontrolle", schrieb er. "Nicht einmal, wenn es in seinem eigenen Interesse wäre, kann er sich zurückhalten." Und er kommt zu dem Schluss: "Seine psychologischen Pathologien werden am Ende selbstzerstörerisch wirken."

dpa/RND

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