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"Panama Papers": Was bedeutet das Datenleck?

Fragen und Antworten "Panama Papers": Was bedeutet das Datenleck?

Von einem Datenleck historischen Ausmaßes ist die Rede. Doch was steckt hinter den "Panama Papers"? Fragen und Antworten zu den Daten, den Beteiligten und den Folgen.

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Ein enormes Datenleck soll nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR Geschäfte von mehr als 200 000 Briefkastenfirmen offengelegt haben.

Quelle: dpa

Hannover. Ein enormes Datenleck soll nach Informationen von " Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR Geschäfte von mehr als 200 000 Briefkastenfirmen offengelegt haben. Doch was was steckt hinter der Recherche: Welche Prominenten sind betroffen, wie groß ist das Datenleck und woher kommen die Daten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Prominenten werden im Zusammenhang mit "Panama Papers" genannt?

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen demnach zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs und 128 weitere Politiker, aber auch internationale Finanzinstitute, darunter deutsche Banken oder ihre Töchter. Enge Verttraute von Putin sollen mit Hilfe von Briefkastenfirmen mehr als zwei Milliarden Dollar aus Russland rausgeschafft haben. Ein weiterer Name aus der Politik ist der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson: mit seiner Frau soll er in einer Briefkastenfirma Anleihen isländischer Banken deponiert haben. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll Barcelonas Superstar Messi im Verbund mit seinem Vater und Manager Jorge Horacio Messi von 2005 an zum Schein seine Bildrechte an Offshore-Firmen übertragen haben. Am 31. Mai beginnt in Spanien der Prozess gegen die Messis wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Lionel und Jorge Messi sollen zwischen 2007 und 2009 Steuern in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro hinterzogen haben.

Ein enormes Datenleck soll laut Medienberichten Geschäfte von mehr als 200 000 Briefkastenfirmen offengelegt haben. Diese Prominenten sollen betroffen sein.

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Sind deutsche Politiker betroffen?

Offenbar nicht. So hat es jedenfalls Georg Mascolo am Sonntagabend in der Talkshow „Anne Will“ gesagt. Er leitet den Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, der die Datenflut mit ausgewertet hat.

Sind deutsche Banken in die Fälle verwickelt?

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen internationale Finanzinstitute, darunter den Angaben zufolge auch 15 deutsche Banken oder ihre Töchter gehören.

Man hört immer von Island. Was ist da passiert?

Der isländische Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugsson und seine Frau haben während der Finanzkrise über die Panama-Kanzlei mehrere Millionen Dollar aus Investitionsgeschäften ins Ausland geschleust. Gunnlaugsson könnte über die Affäre stürzen: Noch in dieser Woche muss er sich einem Misstrauensvotum stellen.  

Woher kommen die Daten?

Die "PanamaPapers"-Recherchen basieren nach Angaben der daran beteiligten Medien auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Der Datensatz wurde der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt.

Wer war an den Recherchen beteiligt?

Die "Süddeutsche Zeitung" teilte die Daten mit dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und Partnern auf der ganzen Welt, darunter NDR und WDR. Etwa 370 Journalisten aus 78 Ländern haben die Dateien ausgewertet.

Um was für Daten handelt es sich?

Das Leck soll E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien sowie Auszüge aus einer internen Datenbank von Mossack Fonseca zu rund 214.000 Gesellschaften umfassen. Die Daten sollen von den 1970er-Jahren bis ins Frühjahr 2016 reichen.

Wie groß ist die Datenmenge?

Die Journalisten haben rund 11,5 Millionen Dateien ausgewertet. Es handle sich um "ein gigantisches Leak in einer bislang nicht vorstellbaren Dimension von rund 2,6 Terabyte", schreibt die "SZ".

Was steckt hinter der Kanzlei Massack Fonseca?

Mossack Fonseca ist ein weiltweit agierender Rechtsdienstleister mit Sitz in Panama-Stadt. Die Firma gilt als Marktführer bei der Gründung und Verwaltung von Briefkastenfirmen, mit deren Hilfe sich so ziemlich alle Geschäfte verschleiern lassen. Eine anonyme Firma bekommt man schon für 1000 Dollar. Geführt werden kann sie von einem Mittelsmann, der wahre Inhaber bleibt im Verborgenen. Mossfon unterhält 44 Niederlassungen.

Was ist eine Briefkastenfirma?

Eine Briefkastengesellschaft unterhält an ihrem satzungsmäßigen Sitz nur einen Briefkasten, die Geschäftsführung findet aber an einem anderen Ort statt.

Welche Vorteile bringen Briefkastenfirmen den Eigentümern?

Durch die Anonymität, die die Briefkastengesellschaften ihren Eigentümern bescheren, dienen sie vor allem der Verschleierung von Geldströmen. Mit ihnen kann verborgen werden, wenn Geld aus kriminiellen Quellen stammt.  Außerdem dienen sie dazu, zu verschleiern, welche Person in welchem Unternehmen Einfluss hat: Etwa wenn enge Freunde Putins bei einflussreichen russischen Firmen das Sagen haben und dies nicht bekannt werden soll. Motive für die Einrichtung von Briefkastenfirmen können auch Steuervermeidung oder -hinterziehung sein. Sie werden bevorzugt in solchen Ländern eingerichtet, in denen keine Strafverfolgung zu befürchten ist.

Hat sich Massack Fonseca bereits geäußert?

Ja. Fonseca räumte ein, dass die von mehreren Medien am Sonntag veröffentlichten Dokumente zum Teil aus seiner Kanzlei stammen. "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen", sagte der frühere Berater von Panamas Präsident Juan Carlos Varela. In  einer offiziellen Stellungnahme betont Mossack Fonseca immer wieder, dass sie nicht direkt mit den Endkunden zusammen arbeiten, sondern nur mit den Vermittlern. "Wir beschränken uns auf die Anmeldung von Gesellschaften, was allgemein als wichtige Aufgabe anerkannt wird und unverzichtbar ist, um die Weltwirtschaft effizient funktionieren zu lassen. Dabei handeln wir im Einklang mit Recht und Gesetz. Weil das so ist, sind wir in vierzig Jahren des Arbeitens noch nicht einmal wegen strafbaren Fehlverhalten angeklagt worden. Wir sind stolz auf unsere Arbeit, ungeachtet der jüngsten Versuche von manchen, diese absichtlich in falschem Licht darzustellen."

Hat die Veröffentlichung bereits Folgen?

Die Staatsanwaltschaft in Panama hat Ermittlungen zu den Vorwürfen eingeleitet. Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation der Regierung Panamas bei der Aufklärung des Falls zu. "Die Regierung von Präsident Juan Carlos Varela hat in den 21 Monaten ihrer bisherigen Amtszeit gezeigt, dass sie sich der Transparenz bei Finanzdienstleistungen verpflichtet fühlt", heißt es in der Stellungnahme. Auch die australische Steuerbehörde hat Ermittlungen eingeleitet. Man habe 800 australische Steuerzahler ermittelt, hieß es am Montag in einer Mitteilung der Behörde.

dpa/mat/are

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