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Papst mahnt Schutz der Umwelt an

Eröffnung der UN-Vollversammlung Papst mahnt Schutz der Umwelt an

Zum ersten Mal eröffnet ein Papst die UN-Vollversammlung. Franziskus prangert die Wegwerfkultur der Welt an, die die Ärmsten am härtesten treffe - und fordert die rund 160 Staats- und Regierungschefs zu sofortigem Handeln auf.

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Appell an die Staaten: Papst Franziskus vor den Vereinten Nationen.Foto: dpa

Quelle: Michael Kappeler

New York. Im Land der großen spritfressenden Fahrzeuge gibt es ein neues Kultauto: der Fiat 500. Der kleine Flitzer aus Italien ist auf dem besten Wege, sich in die Herzen der Amerikaner zu fahren. Papst Franziskus wiederholt am Freitag die Demonstration des neuen Zeitgeistes und lässt sich mit dem Fiat direkt zum Sitz der Vereinten Nationen in New York fahren. Die Botschaft, die der Heilige Vater an die Staats- und Regierungschefs sendet, ist eindeutig: Der Bescheidenheit gehört die Zukunft.

Mit seinem Besuch an der Ostküste nimmt der Pontifex die zentralen Themen der UN-Vollversammlung quasi vorweg. Eine halbe Stunde nach seiner Rede vor dem Kongress traf sich Franziskus am Donnerstag in der US-Hauptstadt mit Obdachlosen. Und nach seinem Auftritt bei den Vereinten Nationen ist ein Besuch im Gefängnis geplant.

Der Papst hält mit seinem Programm den Vereinigten Staaten einen Spiegel vor und sendet ein Signal an die gesamte Welt: So, wie es bisher läuft, kann es nicht weitergehen. Oder, um es in der Sprache der Diplomaten der Vereinten Nationen zu sagen: Mit der Agenda 2030 wird die Welt zu einem besseren Ort.

Den hochfliegenden Plänen folgen erstaunlich viele: Die USA wollen die Agenda unterzeichnen, obwohl strikte Umweltregeln gefordert werden. Zu den Überraschungen zählt auch die saudi-arabische Führung, die sich dem Festakt anschließt, obwohl explizit die Chancengleichheit der Mädchen und Frauen verbessert werden soll. Auch China, das mit seinen unzähligen altertümlichen Kohlekraftwerken die Atmosphäre über alle Maßen belastet, will mitziehen. Wie groß die Erwartungen sind, zeigt sich auch an den Gästen aus Deutschland. Umweltministerin Barbara Hendricks spricht von einem historischen Prozess: „Erstmals werden soziale, wirtschaftliche und ökologische Ziele gleichermaßen gesetzt.“ Und Entwicklungsminister Gerd Müller sieht gar einen „Weltzukunftsvertrag“.

Die 17 Entwicklungsziele umfassen die Beseitigung der extremen Armut, die Förderung von Gesundheitsversorgung und Bildung sowie den Kampf gegen den Klimawandel. Vertreter von 193 UN-Staaten hatten die Agenda Anfang August vereinbart. Der Katalog führt die zur Jahrtausendwende beschlossenen Millenniumsziele fort. Die 17 Ziele und 169 Unterziele gelten ab dem 1. Januar 2016, die Umsetzung ist allerdings freiwillig und wird Schätzungen zufolge jedes Jahr zwischen 3,5 und fünf Billionen Dollar (3,1 bis 4,4 Billionen Euro) kosten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Mitgliedsstaaten auf, das Programm nun umzusetzen. „Wir brauchen ein Handeln von allen, überall“, sagte der Generalsekretär.

„Sie sind eine schallende Stimme des Gewissens“

Groß sind allerdings auch die Sorgen, dass es wieder einmal nur ein Treffen der schönen Worte geben könnte. Fakt ist, dass sich die Regierenden mit ihrer Unterschrift selbst unter Druck setzen. Nichtregierungsorganisationen halten weltweit einen neuen Hebel in der Hand, um Missstände zu bekämpfen.

Zur Wirksamkeit dieses neuen Hebels dürfte Franziskus’ Auftritt beitragen: „Sie sind eine schallende Stimme des Gewissens“, hebt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Begrüßung hervor. Erstmals in der Geschichte werde die Vollversammlung von einem Papst eröffnet. Franziskus nutzt die Gunst der Stunde für einen eindringlichen Appell: „Die ökologische Krise könnte die Existenz der Spezies Mensch in Gefahr bringen.“ Das alleinige Gewinn- und Machtstreben sei unverantwortlich. Ohne die Flüchtlingskrise konkret zu erwähnen, mahnt der Gast aus Rom: „Die Welt ist heute so eng miteinander verbunden, dass sich die Probleme in einem Teil der Welt auch in anderen zeigen.“

Nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss die Weltgemeinschaft die Ursachen der Flucht aus ärmeren Ländern bekämpfen. „Millionen sehen sich zur Flucht gezwungen, durch Krieg und Vertreibung und auch durch mangelnde Zukunftsperspektiven und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage“, sagte Merkel in New York. „Es gibt dafür nur eine Lösung: Wir müssen die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen.“ Deutschland stehe zur Verpflichtung, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe einzusetzen. „Unser Etat für Entwicklungshilfe wird in den nächsten Jahren jedes Jahr substanziell steigen“, versprach die Kanzlerin.

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