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Deutschland / Welt „Penelopegate“ bringt Fillon in Bedrängnis
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Penelopegate“ bringt Fillon in Bedrängnis
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16:58 25.01.2017
Unter Druck: Frankreichs konservativer Präsidentschafts-Favorit François Fillon soll seine Frau Penelope über vier Jahre lang scheinbeschäftigt haben. Quelle: dpa
Paris

Die Enthüllung ist eine Steilvorlage für die Gegner des Mannes, den viele als das beste Bollwerk gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen sehen. Frankreichs konservativer Präsidentschafts-Favorit François Fillon will nicht nur ein knallhartes Sparprogramm, sondern hat sich auch als Saubermann inszeniert. „Es bringt nichts, von Autorität zu sprechen, wenn man selbst nicht tadellos ist“, hatte er seinem Konkurrenten Nicolas Sarkozy entgegnet. Und jetzt wird bekannt, dass ausgerechnet Fillon über Jahre seine Frau Penelope auf Parlamentskosten beschäftigt hat.

Die französische Justiz hat nach den Enthüllungen bereits eine Voruntersuchung eingeleitet. Das gab die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekannt.

500 000 Euro aus der Parlamentskasse

Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete, die Untersuchung solle klären, ob Penelope Fillon tatsächlich Gegenleistungen erbracht oder ob es sich um eine Scheinbeschäftigung gehandelt habe.

Die Zeitung „Le Canard Enchaîné“ hatte zuvor berichtet, dass Penelope Fillon von 1998 bis 2002 als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und anschließend für dessen Nachfolger gearbeitet habe. Insgesamt soll sie laut dem Bericht etwa 500 000 Euro aus der Parlamentskasse erhalten haben.

Nun ist ein solcher Familien-Job in Frankreichs Nationalversammlung weder ungewöhnlich, noch rechtswidrig. Abgeordnete können ihre Ehepartner und Kinder problemlos als parlamentarische Mitarbeiter anstellen – jedenfalls solange es sich nicht um eine Scheinbeschäftigung handelt. Die Praxis sorgt aber immer wieder für heftige Debatten, in Deutschland würde man sagen: Das hat ein Geschmäckle.

Le Pen und Macron könnten vom „Penelopegate“ profitieren

Drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich stellt sich jetzt die Frage, ob die Debatte Fillons Wahlkampf nachhaltig belastet. Nützen könnte das neben Front-National-Chefin Le Pen auch dem unabhängigen Polit-Jungstar Emmanuel Macron, der sich im Aufwind befindet und inzwischen als „dritter Mann“ der Wahl Furore macht.

Fillon selbst schaltete sofort auf Attacke und sieht sich als Opfer einer „Schlammschlacht“. „Ich bin schockiert von der Verachtung und Frauenfeindlichkeit dieses Artikels“, sagte der 62-Jährige am Mittwoch in die Kameras. „Weil sie meine Frau ist, soll sie nicht das Recht haben, zu arbeiten?“ In seinem Lager spricht man von einer „künstlichen Polemik“.

Auf die konkreten Vorwürfe der Zeitung „Le Canard Enchaîné“ ging Fillon dagegen nicht ein. Der Artikel suggeriert, dass Fillons Frau nicht sonderlich viel für die insgesamt 500 000 Euro getan haben könnte, die sie über die Jahre aus der Staatskasse erhalten haben soll. Eine Mitarbeiterin von Fillons Nachfolger im Parlament, für den Penelope Fillon ebenfalls arbeitete, kannte sie nur als Ehefrau des damaligen Arbeitsministers.

Ehefrau präsentierte sich stets in der Hausfrauenrolle

Der „Canard“ landet immer wieder spektakuläre Enthüllungen, spitzt aber seine Berichte oft auch stark zu. Fillons Umfeld wehrte sich gegen den Verdacht einer Scheinbeschäftigung: „Sie war nicht in Paris und hat eine Arbeit im Wahlkreis gemacht“, zitiert die Zeitung „Le Monde“ einen Sprecher Fillons.

Allerdings war von einer Tätigkeit Penelope Fillons für ihren Mann bislang nicht die Rede gewesen. Sie präsentierte sich eher in der Rolle der Hausfrau. Als ihr Mann 2007 Premierminister wurde, erzählte die aus Großbritannien stammende Frau dem „Telegraph“, dass sie einen Kurs in englischer Literatur begonnen habe: „Ich habe realisiert, dass meine Kinder mich nur als Mutter kennen“, sagte sie. Der Zeitung „Le Bien Public“ sagte sie im vergangenen Oktober: „Bis jetzt hatte ich mich nie ins politische Leben meines Mannes eingebracht.“

Fillon hat bereits kräftig an Zustimmung verloren

Die Debatte kommt zu einem schlechten Zeitpunkt für den Kandidaten, der nach seinem haushohen Sieg bei der Vorwahl des bürgerlichen Lagers als klarer Favorit ins Rennen um den Élysée gegangen war. Seine Kampagne hat seitdem eher an Schwung verloren, in einer Ipsos-Umfrage für den ersten Wahlgang lag er zuletzt mit 25 bis 26 Prozent knapp hinter Le Pen (27 Prozent). Für eine Stichwahl gegen die FN-Chefin hatten die Institute ihm nach wie vor einen klaren Sieg mit mehr als 60 Prozent der Stimmen vorausgesagt, doch auch hier war es in den vergangenen Wochen ein wenig abwärts gegangen.

Noch sind die Auswirkungen von „Penelopegate“, wie der Fall auf Twitter bereits genannt wird, nur schwer abzuschätzen. Selbst Frankreichs Sozialisten sind in ihrer Kritik auffällig zurückhaltend. A priori gebe es nichts Illegales, sagt Regierungssprecher Stéphane Le Foll – aber er würde so etwas nicht tun.

Der sozialistische Präsidentschaftsanwärter Benoît Hamon forderte, man solle es Abgeordneten einfach grundsätzlich verbieten, Familienmitglieder zu beschäftigen. Und der Sprecher der sozialistischen Fraktion in der Nationalversammlung kritisiert, Fillon könne das Thema nicht einfach so zur Seite wischen: „Wenn es kein Problem gibt, soll er es beweisen.“

Von RND/dpa

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