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Pentagonchef setzt auf Zwischentöne

Nahaufnahme: Ashton Carter Pentagonchef setzt auf Zwischentöne

Der neue Pentagonchef Ashton Carter ist am Montag in Berlin aufgetreten, am Dienstag reist er nach Estland und nimmt anschließend am Verteidigungsministerrat der Nato in Brüssel teil. Erwartet werden heikle Begegnungen.

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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) empfängt am Bundesverteidigungsministerium in Berlin den US-amerikanischen Verteidigungsminister Ashton Carter.

Quelle: dpa

Washington . Die feine Zurückhaltung ist eigentlich nicht seine Art. Ashton Carter äußert sich lieber mit klaren und zuweilen undiplomatischen Worten. Europas Sicherheitsexperten dürften in dieser Woche erste Erfahrungen mit dieser zupackenden Herangehensweise sammeln: Der neue Pentagonchef trat am Montag in Berlin auf, reist Dienstag nach Estland und nimmt anschließend am Verteidigungsministerrat der Nato in Brüssel teil.

Erwartet werden heikle Begegnungen: Angesichts der neuen Unsicherheit im Osten will der 60-Jährige seine Kollegen auf eine härtere Gangart einschwören. So ließ Frank Rose vom State Department kürzlich im Kreis einer Washingtoner Journalistenrunde wissen: "Mit Blick auf Russland kann ich nur sagen: Unsere Geduld hat Grenzen."

Das heißt: Unter Carters Verantwortung arbeiten Washingtons Strategen zurzeit an Konzepten, Amerikas militärische Präsenz in den europäischen Partnerländern wieder zu stärken. Allerdings lautet die heikle Frage, ob neue Waffenkammern auch im ehemals sowjetischen Einflussbereich entstehen sollten: "Natürlich müssen wir darüber nachdenken, wo der sinnvollste Platz für eine Lagerung des Materials ist", bestätigte Carter Montag in Berlin. Zur Beschwichtigung fügte der Minister allerdings hinzu: "Zunächst einmal sprechen wir über Gerätschaften zur Ausbildung."

Ganz offen wird in Washingtoner Sicherheitskreisen allerdings noch über eine weitere Option nachgedacht - die Stationierung landgestützter Marschflugkörper. Einige Hardliner halten es für unabdingbar, der russischen Aufrüstung "auf Augenhöhe" zu begegnen. Andere sprechen den Europäern aus dem Herzen und mahnen zur Zurückhaltung. Wie es heißt, sei für Carter die Diskussion über die schwierige Gratwanderung noch nicht abgeschlossen.

Fest steht: Der Physiker gilt in der US-Hauptstadt als Atomwaffenexperte. Mit der Rüstungskontrolle beschäftigte er sich bereits als junger Wissenschaftler. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war Carter tief in die Verhandlungen mit russischen Partnern eingebunden, um die Nuklearwaffen aus Kasachstan und der Ukraine abzuziehen. Nachhilfeunterricht benötigt der Absolvent der renommierten Yale-Universität auch nicht in den Ukraine-Fragen: Als 1994 im "Budapester Memorandum" die staatliche Unabhängigkeit der jungen Republik von Großbritannien, Russland und den USA garantiert wurde, war Carter unmittelbarer Augenzeuge der Gespräche.

Zwei Jahrzehnte später haben sich die Vorzeichen völlig verändert. Spätestens mit der russischen Annexion der Krim kündigen sich wieder schwierigere Zeiten an. Bereits als Vize-Verteidigungsminister hatte der Vater von zwei Kindern aber mehrfach betont, dass die jüngsten Aggressionen nicht zwangsläufig in einem neuen Kalten Krieg enden müssten. Zunächst gehe es darum, Russland von weiteren Eskalationen abzuhalten. Es bleibe noch Raum für Zwischentöne.

Davon konnten sich am Montag auch die Berliner Gastgeber überzeugen: Bevor der Gesandte von Präsident Barack Obama gemeinsam mit seinen Kolleginnen Ursula von der Leyen, Jeanine Hennis-Plasschaert (Niederlande) und Ine Marie Eriksen Söreide (Norwegen) das deutsch-niederländische Korps in Münster inspizierten, besuchte Carter das Holocaust-Mahnmal in Berlin.

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