Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Piratenpartei macht mobil

Berlin Piratenpartei macht mobil

Die Piratenpartei, die bei der Europawahl mit bundesweit 0,9 Prozent einen Achtungserfolg landete, „macht klar zum Ändern des Bundestages“, wie sich die Piraten ausdrücken.

Voriger Artikel
Türkische Kurden stellen Forderungen vor
Nächster Artikel
Merkel und Medwedew setzen auf wirtschaftliche Zusammenarbeit

„Stellen Sie sich vor, die erreichen bei der Bundestagswahl 5,1 Prozent. Das wäre ja irre“, sagte der frühere „Tagesthemen“-Moderator in einer Talkshow.

Quelle: Axel Schmidt/ddp

Zum Schluss ertönt ein friesisches Volkslied, vorgebracht und umgetextet zu einer kraftvollen Rock-Version, der Hymne der neuen Partei: „Alle, die mit uns den Bundestag entern, müssen Piraten mit Werten sein.“ Die Leadsängerin Lena Simon singt weiter: „Freiheit, Gleichheit, Demokratie, wir haben Werte, wir kämpfen für sie!“ Danach fließt Rum in Maßen.

Es ist beruhigend. Die Folklore der neuen politischen Bewegung, die aus den Sphären des weltweiten Computernetzes ihren Ausgang nimmt, funktioniert in alter, analog-leibhaftiger Manier. Die Piratenpartei, die bei der Europawahl mit bundesweit 0,9 Prozent einen Achtungserfolg landete, „macht klar zum Ändern des Bundestages“, wie sich die Piraten ausdrücken. In einer Szenebar im Berliner Osten werden Werbespots und Plakate vorgestellt. Alle sind von Sympathisanten und Mitgliedern entworfen worden – ohne Rechnung – versteht sich. Ausgewählt wurden sie von Anhängern mit über 50.000 Klicks auf einer Internetplattform.

Der Pirat, so lässt sich schließen, liebt Schwarz-Weiß-Malerei. Die beiden prämierten Werbespots kommen als Grafik-Filmchen daher, die beide die Furcht vor einem Überwachungsstaat thematisieren. „Jeder ist verdächtig“ heißt es aus dem Off. „Sie speichern für sechs Monate, wen wir anrufen und wann, wann wir unser Handy an welchem Ort benutzen, welche Internetseiten wir aufsuchen. Sie protokollieren unsere Chats, stöbern in unseren persönlichen Dokumenten.“ Den dritten Platz erhält ein Beitrag aus Sachsen-Anhalt. René Emcke, Spitzenkandidat des Landesverbandes, erinnert daran, dass es Leute gibt, die sich nicht täglich im Netz aufhalten. Auch sie will man gewinnen, ansprechen mit lebendigen Menschen, die sich zur Piratenpartei bekennen.

Die Themenpalette ist hier breiter. Ein Handwerksmeister wünscht sich eine Bundeswehr, „die wieder zur Verteidigungsarmee wird“. Jenseits des Internets bleiben die Themen schwammig. Die Piratenpartei ist in 15 Bundesländern zur Wahl zugelassen. In Sachsen gab es bei Ablauf der Anmeldefrist keinen Landesverband. Das ist inzwischen anders. 5600 Mitglieder soll die Partei haben. Als Neubewerber musste die Organisation 2000 Unterstützer in jedem Land nachweisen.

„Die Unterschriftensammlung in Brandenburg war die Hölle“, erinnert sich ein Aktivist. „Zwei Drittel der Leute kannten uns nicht.“ Diese Kluft zwischen den „Netizens“, den jungen Leuten, die das Internet als sozialen Raum und Lebensweise begreifen, und der Mehrheit der Bevölkerung macht eine Prognose über den Erfolg bei der Bundestagswahl schwer. Vor allem SPD und Grüne beobachten mit Argwohn die Konkurrenz. In den sozialen Netzen des Internets sind die Piraten kaum noch zu schlagen.

Bei StudiVZ liegen sie mit über 45.000 Unterstützern weit vorn, die Union folgt mit knapp 20 000 vor SPD, FDP und Grünen. Ob sich das in Wählerstimmen umsetzen lässt? Ulrich Wickert ist für die Piraten zum Kronzeugen geworden. „Stellen Sie sich vor, die erreichen bei der Bundestagswahl 5,1 Prozent. Das wäre ja irre“, sagte der frühere „Tagesthemen“-Moderator in einer Talkshow.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.