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Polizei will Öffentlichkeit bei Hafttermin ausschließen

Gerichtstermin Polizei will Öffentlichkeit bei Hafttermin ausschließen

Der Amokschütze von Oslo Behring Breivik will seinen Gerichtstermin am Montag als Bühne für seine Botschaft nutzen - und uniformiert aussagen. Die norwegische Polizei will den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragen. Das sagte die zuständige Polizeijuristin Carol Sandby in der Online-Zeitung „VG Nett“.

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Trauer in Norwegen und Schwede.

Quelle: dpa/facebook

Oslo . Der 32-Jährige hatte in Verhören nach den beiden Anschlägen vom Freitag mit mindestens 93 Toten, erklärt, dass er seine Motive vor dem Haftrichter darlegen wolle. Dafür wünsche er Öffentlichkeit. In seinem sogenannten „Manifest“ im Internet hatte Breivik geschrieben, dass er die Zeit nach einer möglichen Festnahme als „Propagandaphase“ nutzen wolle.

In ganz Norwegen soll der überwiegend jugendlichen Opfer des beispiellosen Verbrechens um 12 Uhr mit einer Schweigeminute gedacht werden.

Nach den Ermittlungen handelte der Massenmörder wahrscheinlich als Einzeltäter. Neun Jahre lang soll er seine Taten geplant haben. Die Polizei äußerte sich am Sonntagabend zurückhaltend zum Motiv. Sie stieß im Internet auf eine 1500 Seiten lange Hassschrift des Mannes.

Der von den Behörden als „christlicher Fundamentalist“ eingestufte Mann richtete auf einer winzigen Ferieninsel nahe Oslo ein grauenhaftes Blutbad unter rund 700 jungen Leuten an. Er erschoss auf einem fröhlichen Jugendtreffen gegen Intoleranz und für ein friedliches Miteinander mindestens 86 Teilnehmer oder trieb sie im Wasser in den Tod. „Jeder lief um sein Leben und hat versucht, wegzuschwimmen“, sagte Camp-Organisator Adrian Pracon (21), der das Blutbad mit einer Schussverletzung überlebte.

Eine Stunde lang schoss der Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die zunehmend panischen Jugendlichen, die weder von der Insel Utøya fliehen noch auf schnelle Hilfe hoffen konnten. „Es sah aus, als habe er Spaß“, sagte Augenzeuge Magnus Stenseth (18). Viele versuchten, sich zu verstecken oder die 700 Meter bis zum rettenden Ufer durch das kalte Wasser zu schwimmen.

Kein geeignetes Boot

Eine Anti-Terror-Einheit konnte erst kein geeignetes Boot auftreiben. Als die Polizei endlich auf der Insel eintraf, ließ sich Breivik ohne Gegenwehr festnehmen. Obwohl er bereits seit gut einer Stunde um sich geschossen hatte, verfügte er zu dem Zeitpunkt „noch über große Mengen Munition“. Das teilte Ermittlungschef Sveinung Sponheim am Sonntag in Oslo mit. Mit ihrem „schnellen und kompetenten Eingreifen“ habe die Polizei einen noch weit schlimmeren Ausgang des Massakers verhindert, hieß es weiter seitens der Polizei.

Vor dem Massaker hatte der 32-jährige Norweger im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo mit einer selbstgebauten Autobombe Teile der Innenstadt in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Mindestens sieben Menschen wurden durch die Wucht der Explosion und Trümmer getötet. Das Büro von Ministerpräsident Stoltenberg wurde völlig verwüstet. Möglicherweise sollte die Explosion die Polizei ablenken. Deutsche waren nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern.

In einem Geständnis bezeichnete Breivik seine Taten als „grausam, aber notwendig“. Keine drei Stunden vor dem ersten Anschlag hatte er ein wirres „Manifest“ im Internet abgeschlossen: „Ich glaube, dies wird mein letzter Eintrag sein.“ Er wolle Europa vor „Marxismus und Islamisierung“ retten. In dem Text stufte er „multikulturelle“ Kräfte als Feinde ein. Er beschrieb den Bau einer Bombe, erwähnte auch die Jugendorganisation, die das Inselcamp organisiert hat. Niemandem habe er von seinen Plänen erzählt. Der Mann hat weder Frau noch Kinder. „Er sagt, dass er allein gehandelt hat. Das müssen wir jetzt sehr genau überprüfen“, erklärte Sponheim.

Seit dem Frühjahr hatte Breivik sechs Tonnen Kunstdünger zusammengekauft, der zur Herstellung von Bomben geeignet war. Der Hobbyschütze hatte über Netzwerke im Internet Kontakte in die rechte Szene. Er soll nun auf seinen Geisteszustand untersucht werden. „Es ist ausgesprochen schwer für mich, eine vernünftige Zusammenfassung von dem zu geben, was er in dem Verhör gesagt hat“, so Verteidiger Geir Lippestad in örtlichen Medien.

Die Beamten fürchteten, dass noch weitere Todesopfer entdeckt werden könnten. Rund um Utøya suchten Spezialisten am Sonntag nach mindestens vier Vermissten.

Die internationale Gemeinschaft zeigte sich erschüttert von den Anschlägen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama verurteilten die Tat ebenso wie die Vereinten Nationen und die Europäische Union. Papst Benedikt XVI. warnte vor der Logik des Bösen. Bundespräsident Christian Wulff übermittelte König Harald V. seine Anteilnahme. Für die Ermordung friedlicher Bürger gebe es keine Rechtfertigung, schrieb Kremlchef Dmitri Medwedew.

Das Geschehen in Norwegen löste auch in Deutschland Beunruhigung aus. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sieht für die Bundesrepublik aber keine direkte Gefahr durch Terroranschläge von rechts. „Hinweise auf rechtsterroristische Aktivitäten liegen derzeit nicht vor“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Fanatische Täter wie Breivik wollen nach Ansicht des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer häufig als Held in die Geschichte eingehen. „Heldenmythen haben immer schon eine große Anziehungskraft auf junge Männer ausgeübt“, sagte Schmidbauer

kas/dpa

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