Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Proteste der Opposition

Präsident der Malediven tritt nach Meuterei zurück


Seit Wochen eskaliert die Krise auf den Malediven. Nun beugt sich der erste demokratisch gewählte Präsident der idyllischen Inselkette dem Druck. Urlauber sind von den Spannungen auf der Hauptinsel Male nicht betroffen, das Auswärtige Amt rät dennoch von Ausflügen auf der Insel ab.
Mohamed Nasheed, Präsident der Malediven, hatte das Amt 2008 angetreten.

Mohamed Nasheed, Präsident der Malediven, hatte das Amt 2008 angetreten.

© dpa (Symbolbild)

Colombo/Male. Meuternde Polizisten und wochenlange Oppositionsproteste haben den ersten demokratisch gewählten Präsidenten der Malediven zum Rücktritt gezwungen. „Ich glaube, dass die Leute dieses Landes mehr leiden würden, würde ich als Präsident der Malediven weitermachen“, sagte der 44-jährige Staats- und Regierungschef Mohamed Nasheed nach Angaben seines Büros zur Begründung. Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan übernahm am Dienstag die Amtsgeschäfte in Male. Maledivische Medien hatten zuvor von einem Putschversuch auf der südasiatischen Inselkette berichtet.

Urlauber auf den Malediven sind nach Angaben des dortigen Tourismusministeriums nicht von der innenpolitischen Krise betroffen. „Wir können versichern, dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden“, sagte Ministeriumssprecherin Eelaaf Zaeem.

Demonstrationen der Opposition wurden nach Nasheeds Rücktritt beendet. Sie beschränkten sich auf die Insel mit der Hauptstadt Male. Ausländische Urlauber sehen Male nur, wenn sie Tagesausflüge dorthin buchen. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren jeweiligen Resorts gebracht, die abgeschieden auf jeweils eigenen Inseln liegen.

Das Auswärtige Amt rät seit Dienstag Urlaubern vom Besuch von Male ab. Nach ersten Informationen waren keine deutschen Touristen von den Unruhen betroffen. Auf der Flughafeninsel und in den Ferienressorts sei die Lage ruhig, hieß es. Genaue Zahlen, wie viele Bundesbürger sich derzeit auf den Malediven aufhalten, gab es zunächst nicht. Nach den jüngsten Zahlen des Deutschen Reiseverbandes machen dort jedes Jahr mehr als 77 000 Deutsche Urlaub.

In einer „Botschaft an das Volk“ auf seiner Homepage rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Institutionen dazu auf, die Verfassung zu achten. Die unabhängige Nachrichtenseite „Minivan News“ hatte zuvor gemeldet, Meuterer aus der Polizei hätten sich Demonstranten der Opposition angeschlossen. Das Büro des Präsidenten hatte mitgeteilt, die Regierung unternehme alles, um die Lage zu stabilisieren.

Die Spannungen auf den Malediven eskalierten, seit im vergangenen Monat ein Richter festgenommen wurde, der die Freilassung eines Regierungskritikers angeordnet hatte. Der frühere politische Gefangene Nasheed war im November 2008 als erster demokratisch gewählter Präsident der Malediven vereidigt worden. Damit gingen 30 Jahre autokratischer Herrschaft auf der Inselkette zu Ende.

Das kleine südasiatische Land besteht aus 1190 Inseln im Indischen Ozean, von denen nur rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der muslimischen Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt. 

dpa/sta

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Anzeige

Politik kompakt

Aus meinem Papierkorb

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

Testen Sie Ihr Wissen

Madsack im Gespräch

Das Madsack-Hauptstadtstudio.

Unsere Redakteure im Hauptstadtbüro führen TV-Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

Angst vor Austritt
Foto: Die Angst vor dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone belastet die europöäische Währung.

Auch an den Devisenmärkten wächst die Sorge um einen möglichen Euroaustritt Griechenlands. Anleger flüchten in sichere Häfen, der Euro geht auf Talfahrt. Wann und wo diese endet, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der Wahlen in Griechenland ab - und vom Erfolg der Brandmauern.

Anzeige


Top