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Präsidentschaftswahl: Vive la France!

Kommentar Präsidentschaftswahl: Vive la France!

Am Sonntagabend entschieden sich die Franzosen mehrheitlich für Emmanuel Macron als Präsidentschaftskandidaten. „Europa erlebt jetzt ein beeindruckendes Zusammenrücken der pro-europäischen Kräfte in Frankreich“, meint Matthias Koch.

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Vom Kanzlerkandidaten zum Komiker

Treten am 7. Mai zur Stichwahl an: Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron.
 

Quelle: dpa/Montage

Paris.  Haben wir alle Gespenster gesehen in den letzten Wochen und Monaten? Für drei Wahlgänge in Europa hatten Pessimisten umwälzende Erfolge neuer nationalistischer Führer vorausgesagt: in Österreich, in den Niederlanden und in Frankreich. Dreimal sieht nun in Wahrheit alles etwas anders aus.

In Österreich  gewann zu Jahresbeginn Alexander van der Bellen, ein in Ehren ergrauter pro-europäischer Grüner, die Wahlen zum Präsidentenamt. Wer redet noch von Norbert Hofer?

In den Niederlanden behauptete sich im März der weltoffene Christdemokrat Mark Rutte. Den Islamfeind Geert Wilders hatten manche Medien hochgejazzt zu einem furchtgebietenden westeuropäischen Grafen Dracula – nun ist die bleiche Schreckensgestalt in der Versenkung verschwunden. Jüngste Schlagzeilen von Wilders drehen sich um den neuen Twitter-Account seiner Kätzchen Snoetje und Pluisje.

Macron rührt die Werbetrommel für die Europäische Union

Und nun: Frankreich. Keiner der fünf Kandidaten aus der ersten Runde hat so offensiv die Trommel für die EU gerührt wie Emmanuel Macron. Und keiner hat so gut abgeschnitten wie er.

Die Knappheit der Zahlen im ersten Wahlgang täuscht: Bis zur Stichwahl am 7. Mai werden sich noch alle, die gegen Marine Le Pen sind, hinter Macron versammeln – sein Sieg in der zweiten Runde dürfte mehr als deutlich ausfallen.

Le Pen in der Stichwahl! Diese Schlagzeile gab es schon einmal, im Jahr 2002. Damals hatte sich Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, überraschend gegen die Sozialisten durchgesetzt. Präsident wurde dann der Konservative Jacques Chirac, mit den Stimmen der Sozialisten.

Paris setzt ein wichtiges Zeichen

Am Sonntagabend dauerte es nach Schließung der Wahllokale nur eine Viertelstunde bis zu einer ersten wichtigen Klärung: Schon um 20.15 Uhr kam vom Kandidaten der Sozialisten, Benoit Hamon, die Erklärung, man wolle und werde nunmehr Macron unterstützen. Kurze Zeit später folgte der erhobene Daumen des Konservativen Francois Fillon.

Europa erlebt jetzt ein beeindruckendes Zusammenrücken der pro-europäischen Kräfte in Frankreich. Staunend blickt Europa auch auf ein erfreuliches Vitalitätszeichen der Demokratie, ein Stück Erneuerung im Moment einer tiefen Krise. Die etablierten Parteien in Paris sind die mittlerweile historisch blamierten Parteien. Die Wähler, das hat Macron erspürt, sind offen für neue Leute und einen neuen Mix von Ideen. Genau das wird er nun anbieten. Paris setzt damit, nach vielen Jahren, in denen die Strahlkraft der Stadt gelitten hat, ein wichtiges Zeichen. Quer durch Europa, nicht zuletzt auch in Deutschland, muss jetzt ein allzu sehr an Untergangsstimmung gewöhntes Publikum gute neue Nachrichten an sich heranlassen.

Von RND/Matthias Koch

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