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Bushs letztes Aufgebot

George wirbt für Jeb Bushs letztes Aufgebot

George Bush, der 43. Präsident der USA begeistert die Republikaner noch immer und legt sich für seinen jüngeren Bruder Jeb Bush ins Zeug. Die Vorwahlen in South Carolina haben dem älteren Bruder schon einmal entscheidend nach vorn gebracht. Jeb könnte das derzeit dringend brauchen.

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Wahlhilfe: Ex-Präsident George Bush (rechts) legt sich für seinen Bruder Jeb (links) ins Zeug.

Quelle: dpa

North Charleston. Er kann es noch immer. Von seinem Charme in der persönlichen Begegung hat George W. Bush nichts verloren. Es kostet ihn keine große Überwindung, sich über sich selbst ein bisschen lustig zu machen, unzählige Anekdoten zu erzählen und die Stimmung im Saal auf die Schnelle zu heben. Mit scheinbar leichter Hand greift der frühere Präsident in die Wahlkampfkampagne seines jüngeren Bruders ein. Er bietet dem Publikum das, wonach es bei dem eigentlichen Kandidaten vergeblich sucht: Eine gesunde Mischung aus Leichtigkeit in der persönlichen Präsentation und Klarheit in den politischen Positionen.

Die Halle im "Coliseum" von North Charleston ist an diesem Montagabend gut gefüllt. Es sind nicht nur ältere weiße Konservative, die am frühen Abend die Wahlkämpfer aus nächster Nähe erleben wollen. Auch viele junge Leute, Frauen und Afroamerikaner drängeln sich zwischen den Stuhlreihen, um den Auftritt der Bush-Brüder zu verfolgen.

In Deutschland mag man es vielleicht nicht so richtig nachvollziehen. Aber die Popularitätswerte von George W. Bush sind in Amerika in jüngster Zeit wieder kräftig nach oben geklettert. Trotz des Irak-Kriegs, trotz Guantanamo und trotz der damals beginnenden Wirtschaftskrise erscheint der 43. Präsident wieder in einem milderen Licht. Der Mann, der Barack Obama ein so schweres Erbe hinterließ, ist mit seiner eigenen Amtszeit offenbar im Reinen.

Wie zu seinen besten Zeiten versteht es George W. Bush mit seinem Publikum zu flirten. Ganz Profi, wirbt er zunächst einmal um die lokale Zustimmung: Der frühere Präsident beschreibt bis ins Detail, wie er damals bei einem Schnellimbiss ein

Tatsächlich ist South Carolina für die Bush-Familie kein x-beliebiger Bundesstaat: Als die Kampagne in seinem ersten Wahlkampf schwächelte, verhalf South Carolina George W. Bush zu seinem ersten großen Sieg. Ob es auch für seinen Bruder hier besser läuft? Am Sonnabend finden in diesem Bundesstaat die dritten Vorwahlen statt - und noch ist alles offen.

Jeb Bush startete in den vergangenen Tagen eine regelrechte Materialschlacht mit unzähligen Werbespots und Wahlhelfern, um endlich seine Ergebnisse aufzuhellen.

Das Umfeld gefällt den Konservativen: Bodenständig, christlich fest verortet und von der Überzeugung beseelt, dass das US-Militär die größte "Armee der Freiheit" seit Menschengedenken sei.

Erwartungsgemäß verliert der frühere Präsident, der sich erstmals seit seinem Abschied aus dem Weißen Haus wieder in die aktuelle Politik einmischt, kein Wort über seine Fehlentscheidungen. Stattdessen erinnert Bush seine Zuhörer an all die Eigenschaften, die im Weißen Haus gefragt seien: Führungskraft, Standhaftigkeit und ein klarer Kompass in turbulenten Zeiten.

Der ältere Bruder legt sich mit Vehemenz für den jüngeren ins Zeug. Geschickt stichelt er gegen den bisherigen "Front Runner" Donald Trump, ohne auch nur einmal seinen Namen zu erwähnen: "Im Oval Office ist gute Arbeit gefragt und nicht laute Worte." Niemand brauche jemanden im Weißen Haus, der nur die Wut der Bürger auf Washington widerspiegele.

Wie nebenbei wird die Karriere der Gouverneurin Nikki Haley beschrieben, deren Eltern 1969 aus Indien einwanderten: "Gut, dass die Familie damals nach Amerika einreisen konnte." Im Saal versteht jeder Zuhörer sofort die Botschaft zwischen den Zeilen: Trumps Wüten gegen Zuwanderer widerspricht den Urprinzipien Amerikas.

Die Begeisterung, die der 69-Jährige auch als Privatier unter den Republikanern entfacht, weiß Jeb Bush anschließend für sich zu nutzen: Engagierter als sonst wirbt der jüngere Bruder um die Stimmen der Parteifreunde. Auch bei ihm ist jetzt viel von der Rolle als "Commander in Chief" die Rede und von der Bereitschaft, im Zweifelsfall unangenehme Entscheidungen treffen zu können. Es scheint, als fasse er nach all den zurückliegenden Unsicherheiten endlich Fuß. "Jeb", wie er gemeinhin nur genannt wird, wirkt endlich selbstsicher - und nicht länger wie der Sproß einer berühmten Familie, der mit sich selbst nichts anzufangen weiß.

Noch vor wenigen Monaten hatte sich der frühere Gouverneur von Florida um Distanz zur eigenen Familie bemüht, glaubte betonen zu müssen, "sein eigener Mann zu sein". Seine letzte Chance, die Wahlergebnisse vielleicht doch noch in seinem Sinne heben zu können, sieht Jeb Bush nun offenbar in einer klaren Ansage: Für die Entscheidungen seines Bruders werde er sich nicht entschuldigen. Und wie sein Bruder und sein Vater werde er sich in Krisenzeiten alle Optionen offen halten, sollte ihm der Einzug ins Weiße Haus gelingen.

In republikanischen Kreisen sprechen manche bereits vom "letzten Aufgebot", mit dem Jeb Bush die Vorwahlen in South Carolina gewinnen will. Fest steht aber, dass die lange Dauer der Vorwahlen seine größte Chance sind, sich gegen die innnerparteilichen Mitbewerber zu behaupten.

en Stopp einlegte und sich von der zupackenden Art der Menschen in North Charleston überzeugen konnte.

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