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Urteil im Kükenstreit erwartet

Prozess am Oberverwaltungsgericht Urteil im Kükenstreit erwartet

Dürfen Küken aus rein wirtschaftlichen Gründen getötet werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Oberverwaltungsgericht in Münster. Am Freitag soll das Urteil fallen. Ein Experte erinnert die Juristen an das Staatsziel Tierschutz.

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Männliche Küken werden in Hühnermastbetrieben direkt nach dem Schlüpfen getötet - aus wirtschaftlichen Gründen.

Quelle: Peter Endig/dpa

Münster. Mit der umstrittenen Praxis, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu töten, beschäftigt sich am Freitag das Oberverwaltungsgericht in Münster. Der nordrhein-westfälische Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) wollte das Töten 2013 per Erlass unterbinden. Dagegen zogen elf betroffene Brütereien vor die Verwaltungsgerichte. Zwei Unternehmen bekamen in der ersten Instanz am Verwaltungsgericht Minden Recht. Weitere Verfahren sind anhängig.

In dem bundesweit beachteten Streit wollen die obersten NRW-Verwaltungsrichter noch am Freitag ein Urteil verkünden. Dabei geht es um die Abwägung zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Kükenbrütereien und dem Tierschutz.

Aktenzeichen des Verfahrens: 20 A 488/15 und 20 A 530/15 (Verwaltungsgericht Minden: 2 K 80/14 und 2 K 83/14)

Urteil mit Spannung erwartet

Männliche Küken von Legehennen werden direkt nach dem Schlüpfen getötet, weil sie lebend den Unternehmen keinen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Sie legen keine Eier und setzen für die Mast als speziell gezüchtete Hühnerrasse nicht genug Fleisch an.

Der Mainzer Tierrechtsexperte Andreas Ackenheil erinnert daran, dass der Tierschutz seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist. "Seitdem dürfen Tiere nicht mehr wie Sachen bewertet werden. Deshalb ist spannend zu sehen, wie das Gericht in Münster entscheidet", sagt der Anwalt. Er erinnert an das Legehennen-Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1999, das die Haltung von Tieren nach Tierschutz-Aspekten neu bewertete hatte.

Wann darf ich ein Tier töten?

"Im aktuellen Streit geht es wieder um die Diskrepanz zwischen Tierschutz und den wirtschaftlichen Interessen der Kläger und der zentralen Frage, unter welchen Voraussetzungen darf ich ein Tier töten?", sagte der Anwalt, der im Internet verschiedene Rechts-Blogs anbietet.

Laut dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft gibt es bundesweit 30 Kükenbrütereien. In Nordrhein-Westfalen sind zwölf dieser Betriebe ansässig.

Fragen und Antworten zum Kükentöten

Gibt es Alternativen?

Ende 2016 soll ein Forschungsprojekt in Leipzig/Dresden abgeschlossen sein, bei dem ein Gerät mit Lasertechnologie ein kleines Loch in das drei Tage bebrütete Ei fräst und dann mit einer "Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie" das Geschlecht des Embryos bestimmt wird. Anschließend muss das Ei wieder verklebt werden. Diese Schritte dürfen zusammen nur wenige Sekunden dauern. 2017 soll diese Methode dann für die Industrie reif sein. Die Bundesregierung hat über 3 Millionen Euro in das Forschungsprojekt gesteckt.

Was fordern Tierschützer?

Der Deutsche Tierschutzbund will langfristig eine Abkehr vom bisherigen System, etwa durch die Zucht von "Zweinutzungshühnern", die als Eier- und Fleischproduzenten eingesetzt werden können.

Gibt es neben dem Verwaltungsrecht weitere juristische Möglichkeiten, das Kükentöten anzugreifen?

Tierschützer zeigen Kükenbrütereien immer wieder an und berufen sich dabei auf das Tierschutzgesetz. Zuletzt reagierte die Staatsanwaltschaft in Münster auf eine solche Anzeige und erhob Anklage vor dem Landgericht. Die Klage wurde aber abgewiesen. Begründung: Zwar sehe das Tierschutzgesetz eine Strafe vor, wenn Tiere ohne vernünftigen Grund getötet würden. Dem stehe aber die Tierschutzschlachtverordnung aus dem Jahr 2012 entgegen. Dieser Erlass regele die zulässigen Tötungsformen für Eintagsküken. Außerdem liegt nach Ansicht des Gerichts ein vernünftiger Grund für die Tötung vor.

Was passiert mit den getöteten Tieren?

Zum Teil landen die geschredderten oder vergasten männlichen Küken auf dem Müll. Ein kleiner Teil wird als Tierfutter genutzt.

dpa/RND

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