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Rätsel um Taliban-Anführer Mansur

Nahaufnahme Rätsel um Taliban-Anführer Mansur

Ob Taliban-Anführer Mullah Achtar Mansur noch am Leben ist, ist unklar. Am Sonntag wurde eine 17-minütige Audiobotschaft bekannt, in der ein Mann wortreich behauptet, Mansur zu sein und sich bei bester Gesundheit zu befinden. Am Donnerstag hingegen hatten pakistanische Taliban-Kreise beteuert, Mansur sei bei einem Feuergefecht getötet worden.

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Ob Mullah Achtar Mansur noch am Leben ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. 

Quelle: dpa

Hannover. Vieles im Leben von Mullah Achtar Mansur ist unscharf gefasst. Sein Geburtsjahr ordnen Afghanistan-Experten in das Jahrzehnt zwischen 1960 und 1970 ein, die Fotos von ihm sind verschwommen und selbst die Frage, ob der Anführer der Taliban noch am Leben ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. Am Sonntag wurde eine 17-minütige Audiobotschaft bekannt, in der ein Mann wortreich behauptet, Mansur zu sein und sich bei bester Gesundheit zu befinden.

Am Donnerstag hingegen hatten pakistanische Taliban-Kreise beteuert, Mansur sei bei einem Feuergefecht getötet worden. Angeblich soll sich der Totgeglaubte zu diesem Zeitpunkt in Kuchlak unweit des pakistanischen Quettas zu Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung aufgehalten haben. Am vergangenen Dienstag hatten der afghanische Präsident Aschraf Ghani und der pakistanische Ministerpräsident Nawaz Scharif auf der Pariser Klimakonferenz die Wiederaufnahme der Gespräche beschlossen. „Mansur war nicht in Kuchlak. Es gibt keinen Streit unter Taliban. Und seine Leibwächter sind nicht so schwach, dass sie ihn nicht beschützen könnten“, sagte ein Sprecher der afghanischen Taliban.

Solchen Beteuerungen muss man nicht glauben. Erst im Juli räumten die Taliban den Tod ihres Anführers Mullah Mohammad Omar ein – zwei Jahre nach seinem Ableben. Das Eingeständnis, mit Mansur nach nur wenigen Monaten den nächsten Chef zu verlieren, könnte die Gruppe in den Gesprächen mit der Kabuler Regierung schwächen. Da könnte es hilfreich sein, ihn offiziell am Leben zu lassen.

Mansur ist das, was man gemeinhin einen alten Kämpfer nennt. Bereits Anfang der Achtzigerjahre kämpfte er im afghanischen Bürgerkrieg als Mudschaheddin gegen die sowjetischen Besatzer. 1987 wurde seine Gruppe aufgerieben; Mansur flüchtete nach Pakistan. Mit der Machtübernahme der Taliban 1997 machte Mansur Karriere. Er wurde Chef des Flughafens in Kandahar; später sogar Luftfahrtminister Afghanistans. 2001 stürzte die US-Invasion die Taliban-Herrschaft. Der neue Präsident Hamid Karzai begnadigte Mansur, was ihm die erneute Flucht nach Pakistan ermöglichte.

Innerhalb der Taliban war er nie unumstritten. Seit 2013 forderte er mehrfach Friedensgespräche mit dem Westen und der Kabuler Regierung. Manch ein Hardliner in der Terrorgruppe empfand das als zu nachgiebig. Die Familie von Mullah Omar verkündete gar im August, Mansur „nie die Gefolgschaft erklärt zu haben“. Ein Tod würde also nicht jede der verfeindeten Gruppen innerhalb der Taliban beunruhigen.     

Zur Person

Mullah Achtar Mansur gehört der Volksgruppe der Paschtunen an. Privates über ihn ist nicht bekannt; nur dass er als Taliban-Kommandeur mit rhetorischen Fähigkeiten Achtung bei jüngeren Anhängern genießt. Um eine wirtschaftliche Machtbasis zu haben, eroberte er offenbar 2014 eine Opiumplantage westlich von Kandahar.

Von Alexander Dahl

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