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Wohlleben bestreitet Beschaffung der Mordwaffe

NSU-Prozess Wohlleben bestreitet Beschaffung der Mordwaffe

Der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer Ralf Wohlleben hat bestritten, die Mordwaffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" beschafft zu haben. Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht wies der 40-Jährige am Mittwoch den Vorwurf der Beihilfe zum Mord zurück.

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Die Angeklagten Holger G. (hinten) und Ralf Wohlleben sitzen am 200. Verhandlungstag  im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern).

Quelle: Andreas Gebert

München. Wohlleben räumte ein, dass er von seinem damaligen Freund Uwe Böhnhardt in einem persönlichen Gespräch um die Beschaffung einer Waffe gebeten worden sei. "Hier äußerte er den Wunsch, dass ich mich nach einer scharfen Pistole für ihn umhören solle", berichtete er. "Er sagte, ich sollte darauf achten, dass es ein deutsches Fabrikat ist."

Böhnhardt habe damals gesagt, er wolle nicht in Haft, sondern sich eher selbst erschießen. Er habe aber keine Waffe besorgen und am Suizid von Böhnhardt schuld sein wollen, argumentierte Wohlleben. Schließlich habe Carsten S. von Böhnhardt oder Mundlos den Auftrag bekommen - Carsten S. ist einer der fünf Angeklagten im NSU-Prozess.

Wohlleben sagte zu Beginn seiner Aussage, die er am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht verlas, er habe den Weg einer schriftlich vorformulierten Erklärung gewählt, weil er wegen der langen U-Haft an erheblichen Konzentrations- und Wortfindungsstörungen leide. Dann berichtete der 40-Jährige ausführlich von seinem persönlichen und politischen Werdegang.

Wohlleben verspürte großen Nationalstolz

Nach Mauerfall und Wiedervereinigung habe er versucht, mit den neuen Verhältnissen zurechtzukommen. "Da ich schon immer einen großen Nationalstolz verspürte, der integraler Bestandteil der DDR-Erziehung war, sah ich keinen Grund, den abzulegen", erklärte er. In den Folgejahren habe er zunehmend rechte Veranstaltungen, Konzerte, Stammtische und Demonstrationen besucht. Dann trat Wohlleben nach eigener Aussage in die NPD ein - wobei ihm Tino Brandt einen Mitgliedsantrag unter die Nase gehalten habe. Brandt war ein Anführer in der rechtsextremen Szene in Thüringen und zugleich gut bezahlter V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes.

Wohlleben spricht über Zschäpe

Im NSU-Prozess hat der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben ausführlich berichtet, wie sich die rechte Szene in den 90er Jahren in Jena formierte. Damals habe er Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kennengelernt, sagte der 40-Jährige am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Mit Zschäpe habe man gut und lange reden können. Sie sei schlagfertig, witzig und ihm sehr sympathisch gewesen.

Eine Schlüsselrolle bei der Formierung der verschiedenen Gruppierungen - insbesondere des "Thüringer Heimatschutzes" - sprach Wohlleben Tino Brandt zu. Wohlleben sagte, er habe schon Mitte der 90er Jahre nichts gegen Ausländer gehabt - sondern gegen die Politik, die den Zuzug von Ausländern fördere. In Frankfurt am Main habe er damals den Eindruck gehabt, dass es da Stadtviertel gebe, in denen keine Deutschen mehr leben. Das habe er nicht für Jena gewollt, argumentierte Wohlleben.

Wohlleben über Mundlos und Böhnhardt

Von der Gewaltbereitschaft seiner damaligen Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt will er nichts gewusst haben. Das Verhalten der beiden habe keinen Anlass gegeben, zu vermuten, dass sie mal schwere Straftaten begehen würden, sagte Wohlleben.

Er räumte aber ein, nach dem Untertauchen des NSU-Trios - Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe - Kontakt zu den dreien gehabt zu haben. Es sei zu mehreren Telefonaten gekommen. In einer Wohnung in Chemnitz habe er sie dann zum ersten Mal wiedergetroffen. Später sei es zu weiteren Treffen gekommen.

Die Hauptangeklagte Zschäpe hatte am Mittwoch vergangener Woche ihr jahrelanges Schweigen gebrochen und eine lange Aussage verlesen lassen. Darin bestritt sie jede Beteiligung an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen des NSU und schob die Schuld allein ihren toten Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu.

dpa

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Aussage verlesen

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, bestreitet nicht nur die Beteiligung an den NSU-Morden, sie behauptet auch, niemals Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds gewesen zu sein. Dennoch entschuldigte sie sich "aufrichtig" bei allen NSU-Opfern. 

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