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Deutschland / Welt IS-Verdacht: Razzien in Berlin und im Sauerland
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16:05 04.02.2016
Polizisten führen bei einer Razzia gegen Islamisten in Berlin einen mit Tuch verdeckten Verdächtigen ab. Quelle: Paul Zinken
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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen. Auch seine 27-jährige Ehefrau, die international mit Haftbefehl gesucht wurde und ebenfalls aus Algerien stammt, wurde festgenommen. Ein dritter Algerier wurde in Berlin festgesetzt. Allein dort durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe. Weiter gesucht wird laut Polizei nach einem 31-Jährigen – und auch in der Region Hannover wurde ein Terror-Verdächtiger festgenommen.

Attendorn. Im Sauerland ist es noch früher Morgen, als ein Großaufgebot der Polizei in einem Wohngebiet auftaucht. Die Einsatzwagen stoppen an einer Flüchtlingsunterkunft. Gesucht wird ein 35-jähriger Algerier, der als Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Deutschland vorbereitet haben soll. Der Mann war nach Informationen der Deutschen Presseagentur im Herbst als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland gekommen.

In der Bäckerei nebenan können die Menschen kaum glauben, dass ihre Stadt nun plötzlich im Fokus von Terrorermittlern steht. Aber die Verkäuferin betont: "Die Flüchtlinge, die hier einkaufen, sind sehr freundlich. Da gab es nie Probleme." Für bis zu 200 Flüchtlinge ist die Turnhalle ausgerichtet. Aktuell wohnen dort aber nur noch rund 70 Menschen. Die Bewohner der Unterkunft haben die Razzia hautnah mitbekommen – auch die vielen Kinder, die dort wohnen. Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz hätten versucht, ihnen die Polizeiaktion zu erklären, sagt ein Sprecher.

Der 35-Jährige, der in der Flüchtlingsunterkunft gewohnt hat, ist den Terrorfahndern schon in seiner Heimat Algerien aufgefallen. Die Behörden dort hatten einen Haftbefehl gegen ihn erlassen – wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS. Auch die deutschen Behörden waren schon auf ihn aufmerksam geworden. Er soll nach Polizeiangaben gemeinsam mit drei weiteren Algeriern im Alter von 26 bis 49 Jahren eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Deutschland vorbereitet haben. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein.

Die Rundturnhalle in Attendorn. dpa

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten. Wie weit die Pläne bereits fortgeschritten waren, war zunächst offen. Ob die Verdächtigen einen konkreten Anschlagsort im Visier hatten, war zunächst ebenfalls nicht bekannt.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Sicher gestellt wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen. Festgenommen wurde in Berlin auch eine Frau aufgrund eines Haftbefehls, der aber nichts mit dem Terrorismusverdacht zu tun habe, hieß es.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. «Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.» Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Jörg Taron/Marc Herwig/kad

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