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Erdogan reist zu seinem "Freund Wladimir"

Erste Treffen nach Abschuss Erdogan reist zu seinem "Freund Wladimir"

Der Abschuss eines russischen Kampfjets löste eine tiefgreifende Krise zwischen Putin und Erdogan aus. Nun ist wieder Entspannung angesagt – und Erdogan reist zu seinem "Freund Wladimir". Vorwiegend soll es um wirtschaftliche Aspekte gehen - doch Politiker sind besorgt über die neue Allianz.

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Russlands Präsident Putin und sein türkischer Kollege Erdogan treffen sich am Dienstag zu Gesprächen in St. Petersburg. Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Staatschefs seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im syrischen Grenzgebiet im November.

Quelle: dpa/Archiv

St. Petersburg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reist an diesem Dienstag zu Gesprächen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin nach St. Petersburg. Das Treffen soll eine monatelange schwere Krise zwischen den Ländern endgültig beenden.

Die Türkei hatte Ende November ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau verhängte daraufhin Sanktionen etwa in der Tourismusbranche gegen Ankara. Ende Juni hatte Erdogan in einem Brief sein Bedauern über den Abschuss bekräftigt.

Deutsche Politiker bewerten Treffen unterschiedlich

Für den türkischen Präsidenten ist es die erste Auslandsreise seit dem Putschversuch vom 15. Juli, der ihn entmachten sollte. Angesichts der vom Putschversuch noch einmal angeschlagenen Wirtschaft und der eskalierenden Spannungen mit der EU braucht Ankara Verbündete.

Türkische Regierungskreise versuchten vor der Reise, Sorgen zu zerstreuen, Erdogans Besuch könnte eine Abkehr des Nato-Landes von Europa bedeuten. "Nur weil man Putin besucht, bedeutet das nicht, dass man sich von der EU abwendet", hieß es. Hauptziel sei die Botschaft: "Lass uns das (die Krise) hinter uns lassen."

Deutsche Politiker sind uneins in der Bewertung des Besuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beim russischen Präsidenten Wladimir Putin an diesem Dienstag. "Eine Hinwendung zu Putin und eine Abwendung der Türkei von der Nato kann nicht in unserem Interesse liegen", sagte der SPD-Außenexperte Niels Annen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND/Dienstag). "Auch deshalb müssen wir mit Ankara im Gespräch bleiben."

Wirtschaftliche Aspekte im Mittelpunkte

Weniger skeptisch äußerte sich der Vize-Präsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff. Die Türkei sei nicht auf dem Sprung, ihre Westbindung aufzugeben, sagte der FDP-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). "Die russische Option ist keine Alternative zur Orientierung auf Europa. Erdogan besucht Putin, um deutlich zu machen, dass er auch anders kann", sagte Lambsdorff.

Der Historiker Michael Wolffsohn sieht zwischen dem Treffen einen Strategie von Putin, der einen Keil zwischen die Türkei und den Westen treiben wolle, so der Historiker. Durch die angestrebte Annäherung zwischen Moskau und Ankara wolle Putin "natürlich" die EU und die Nato schwächen, hob der Publizist und Nahostexperte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP hervor.

Bei dem Treffen zwischen Erdogan und Putin dürften vor allem wirtschaftliche Aspekte im Mittelpunkte stehen. Die Sanktionen, die Putin nach dem Abschuss des Jets im syrischen Grenzgebiet verhängte, trafen die Türkei hart. Russland war bis dahin nach Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei. Bezeichnend ist der massive Rückgang der Touristenzahlen, nachdem Putin als Strafmaßnahme Charterflüge in das Urlaubsland stoppen ließ. Bei dem Treffen wollen Putin und Erdogan auch über milliardenschwere Energieprojekte sprechen.

Zwei bilaterale Megaprojekte

Besonders interessant für EU-Mitglieder ist dabei das Projekt Turkish Stream zum Transit russischen Erdgases durch das Schwarze Meer nach Südeuropa. Die Pipeline soll vom russischen Küstenort Anapa über die Türkei bis nach Griechenland weitergebaut werden. Die beiden geplanten Stränge haben eine Gesamtkapazität von 32 Milliarden Kubikmetern. Nach Deutschland ist die Türkei der größte Abnehmer russischen Gases.

Ein bilaterales Megaprojekt ist auch das Atomkraftwerk Akkuyu, das Russland derzeit an der Südküste der Türkei baut. Das Vorhaben hat Moskauer Medien zufolge ein Volumen von rund 20 Milliarden US-Dollar. Nach Fertigstellung betreibt Moskau den Reaktor vorerst selbst und hat von Ankara lukrative Zusagen für die Stromabnahme erhalten.

Für die türkische Tourismusbranche dürfte das Ende der Eiszeit ein Lichtblick sein. Russen gehörten vor der Krise zu den wichtigsten Urlaubergruppen in der Türkei. Nachdem Moskau die Charterflüge einstellte, brachen die Besucherzahlen fast völlig ein. Im Juni ging die Zahl verglichen mit dem Vorjahresmonat um 93 Prozent zurück.

dpa/afp/RND/zys

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