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Warum die "Weisse Wölfe Terrorcrew" verboten wurde

Rechtsextremismus Warum die "Weisse Wölfe Terrorcrew" verboten wurde

Gewaltbereit, aggressiv, rassistisch, getrieben von NS-Fantasien - so beschreibt der Bundesinnenminister die "Weisse Wölfe Terrorcrew". Für ihn Grund genug, die rechte Kameradschaft zu verbieten.  Am Mittwoch durchsuchten Polizisten in zehn Bundesländern Wohnungen führender Mitglieder der Gruppe.      

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Auch NS-Devototionalien, Vereins-Shirts und einige Waffen wurden während der Razzia gegen die "Weiße Wölfe Terrorcrew" in 10 Bundesländern gefunden.

Quelle: dpa/Archiv

Berlin. Die "Weissen Wölfe" tun sich mit Textzeilen wie dieser hervor: "Wenn wir uns finden beim Marsch durch das Land, dann brennt in jeder Stadt ein Asylantenheim ab." Die Rechtsrock-Band aus Nordrhein-Westfalen ist eine der bekannteren der rechten Szene. Und ihre Fans stehen ihr in Sachen Hetze in nichts nach: Vor einigen Jahren gründeten Anhänger der Band die "Weisse Wölfe Terrorcrew". Im Netz posieren die Mitglieder in T-Shirts mit der Aufschrift "unbelehrbar". Dazu die Abkürzung "C18" - für "Combat 18", in der rechten Szene eine Formel für eine Art "Kampftruppe Adolf Hitler".

Von Hamburg aus breitete sich die "Weisse Wölfe Terrorcrew" über die Jahre in Deutschland aus - mit "Sektionen" in zehn Bundesländern, jeweils geleitet von "Statthaltern". Die Gruppe trat zunehmend mit politischen Aktionen, Propaganda und gewalttätigen Übergriffen in Erscheinung. Sebastian R. gilt als führender Kopf der Truppe. 2010 musste er wegen Widerstandes gegen Polizisten und Körperverletzung eine 14-monatige Haftstrafe antreten. Auch andere Mitglieder haben ein langes Polizeiregister. 25 Leute gehören zum Kern, bundesweit hat die Gruppe laut Verfassungsschutz 70 bis 100 Mitglieder.

Hetze und Gewalt gegen Staat, Migranten und Andersdenkende

"Diese Leute sind hochgradig gewaltbereit", meint der Rechtsextremismus-Experte Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung. Er beobachtet die Truppe schon lange - mit großer Sorge. Die "Terrorcrew" sei sehr gut vernetzt und fest verankert in der rechten Szene, über ganz Deutschland verteilt und gut organisiert. Reinfrank verortet die Gruppe im weitesten Sinne auch in der Unterstützer-Szene der Terrorzelle NSU. "Im Verhältnis zur "Weisse Wölfe Terrorcrew" ist die "Oldschool Society" eher ein Kindergarten."

Die "Oldschool Society" (OSS) ist eine Truppe, die Anschläge auf Islamisten, Moscheen und Asylunterkünfte geplant haben soll. Im vergangenen Jahr wurde sie von der Polizei zerschlagen. Ende April soll in München der Prozess gegen vier OSS-Mitglieder beginnen.

Nun hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auch die "Weisse Wölfe Terrorcrew" verboten. Am Mittwoch durchsuchten Polizisten in zehn Bundesländern Wohnungen führender Mitglieder der Gruppe, beschlagnahmten Laptops, Telefone, NS-Devototionalien, Vereins-Shirts und auch einige Waffen. Festnahmen gab es nicht. Schon im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft in Bamberg ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Mitglieder der Gruppe eingeleitet - wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Es geht dabei auch um geplante Anschläge auf Asylunterkünfte.

De Maizière spricht von einer "Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben - gegen unseren Staat, gegen unsere Gesellschaft, gegen politisch Andersdenkende, gegen Migranten, auch gegen Polizisten". Der Verein bekenne sich offen zu den Werten des Nationalsozialismus und wolle "mit allen Mitteln" eine Diktatur nach diesem Vorbild errichten. Die Gruppe trage Gewalt und Hetze auf die Straße. Dagegen müsse der Staat hart vorgehen.

Warum kommt das Verbot so spät?

Reinfrank fragt sich, warum der Staat sich damit so viel Zeit gelassen hat. "Es ist immer wieder erstaunlich, wie lange es dauert, bis solche Gruppen verboten werden", sagt er. "Das Verbot ist richtig, aber es kommt sehr spät." Die rechte Szene nutzt die Flüchtlingsdebatte derzeit knallhart für ihre Zwecke. Rechte Gewalt hat massiv zugenommen, vor allem Angriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte. In Dresden und anderswo marschieren regelmäßig Fremdenfeinde auf. Und die rechtspopulistische AfD fährt einen Wahlerfolg nach dem anderen ein.

Die Flüchtlingsdebatte habe zu einer enormen Mobilisierung der rechten Szene geführt, sagt Reinfrank. "Die Situation hat sich erheblich zugespitzt. Wir sind im Moment mit der größten Welle an rechter Gewalt seit der Gründung der Bundesrepublik konfrontiert." Er wirft dem Sicherheitsapparat vor, die Gefahren noch zu unterschätzen. Der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, warnte kürzlich vor einer neuen Terrorgefahr von rechts. De Maizière ist zurückhaltender. "Wir können noch nicht von einem Rechtsterrorismus sprechen", sagt er, aber ja, das Ausmaß rechter Gewalt sei Anlass zu großer Sorge.

Die Linke-Abgordnete Martina Renner meint, solange viele Anschläge auf Asylunterkünfte nicht aufgeklärt würden und die Strafverfolger nicht effektiver gegen rechte Gruppen vorgingen, brächten Vereinsverbote nicht viel. Auch Reinfrank dämpft die Erwartungen an die Wirkung: "Das wird die Welle der Anschläge nicht beenden." 

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