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SPD-Mann aus Hannover reizt Gabriel bis aufs Blut

Auseinandersetzung auf Parteitag SPD-Mann aus Hannover reizt Gabriel bis aufs Blut

Wenn er in der Kneipe oder im Gartenverein sei, höre er oft, die SPD mache ja manches gut - "nur mit diesem Vorsitzenden werde ich die Partei nicht wählen", sagt der Hannoveraner Philipp Kreisz auf dem SPD-Parteitag. Und reizt den anwesenden SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel anscheinend bis aufs Blut.

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Sigmar Gabriel und Phillip Kreisz aus Hannover. 

Quelle: Berger/dpa

Hannover. Gabriel knöpft sich den 30-jährigem Hannoveraner, der immerhin Ortsvereinsvorsitzender im Bereich Mitte ist und seit vierzehn Jahren Mitglied der SPD, in einer langen Erwiderung persönlich vor. Flip-Flop-Politik hat Kreisz dem SPD-Bundeschef vorgeworfen, eine unstete Politik. Und die Frage, warum die SPD in Umfragen nur auf 21 Prozent komme, hat Kreisz auch noch gestellt.

"Warum antwortest Du nicht, dass wir den Mindestlohn geschaffen haben, wie kannst Du behaupten, ich hätte Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien genehmigt?" Punkt für Punkt arbeitet Gabriel die Vorhaltungen des Hannoveraners ab, redet viel, viel länger als der Zwischenrufer aus Hannover. In der Volkswagenhalle, in der die niedersächsische SPD ihren Landesparteitag abhält, ist es mucksmäuschenstill. Manche finden es bedrückend, wie sich hier der Bundesvorsitzender einen Protestler vorknöpft. "Warum sorgst Du nicht dafür, dass die SPD einen anderen Bundesvorsitzenden bekommt, wenn Dir der derzeitige nicht passt?" Fragt Gabriel den Hannoveraner. Nichts wäre doch schöner für die SPD als eine Kampfabstimmung über den Bundesvorsitzenden, sagt er später: "Auch für mich."

Gabriel: "In dummen Reden die eigenen Leute verleumden"

Der Ausbruch des SPD-Chefs geschieht gezielt. Er habe den Hannoveraner nicht herunterputzen wollen, zumal er als Einziger Mut bewiesen habe, sagt Gabriel später. Aber die Frage, warum die SPD nicht über 21 Prozent komme, stehe doch im Raum. Und sie müsse beantwortet werden. Gabriel drischt nach eigenen Worten auch deshalb argumentativ so mächtig auf den Infragesteller ein, weil er für viele stehe, die den Ruf der Politikverdrossenheit in die eigenen Reihen trieben. Und das Bild einer Partei nach außen vermittele, die sich von den Problemen der "kleinen Leute" weit entfernt habe. Dabei müsse die SPD doch wieder die "Schutzmacht der kleinen Leute" werden. Als Beispiel nennt Gabriel in seiner Erwiderung auf den Hannoveraner die Flüchtlingspolitik. "Der letzte Bundesparteitag hat eine Debatte geführt, von der man den Eindruck hatte, man sei bei Pro Asyl. Da waren die Bürgermeister, die Probleme mit der Flüchtlingspolitik hatten, aber nicht im Saal. Ich finde, wenn die SPD vor solchen Debatten die Augen verschließt, muss sie sich über manche Wahlergebnisse nicht wundern", sagt Gabriel. Die tiefe Verunsicherung in der Arbeiterschicht werde aber nicht durch Hochglanzkampagnen wie "Refugees welcome" beendet, sagt Gabriel. Darüber müsse man sich auseinandersetzen, anstatt in "dummen Reden die eigenen Leute zu verleumden."

Der gerade wiedergewählte SPD-Landesvorsitzende Stephan Weil sitzt auf dem Podium und schaut der Auseinandersetzung zu. Besonders glücklich über diese plötzliche Brandrede gegen Philipp Kreisz aus Hannover wirkt er nicht.

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