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Deutschland / Welt Sachsen nimmt Facebook-Benutzer ins Visier
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18:24 08.08.2012
Die sächsische Regierung will bei Facebook Informationen über ihre Bürger sammeln. Quelle: dpa
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Dresden/Leipzig

Zur Aufgabe der Regierung gehöre „zwingend auch die Beobachtung der öffentlichen Debatte im Internet, um auf Krisen und auf Besorgnisse der Bürger schnell und sachgerecht reagieren zu können“, erklärte Ulbig zur Begründung. Daher habe die Staatskanzlei bereits im Juni eine entsprechende Ausschreibung für ein computergestütztes Online-Verfahren gestartet. Bis zu 390.000 Euro ständen für die Anschaffung der Software aus dem Topf für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

Ulbig betonte, dass der Datenschutz gewährleistet sei. Die Informationen würden ohne Personenbezug erfasst, um ein „abstraktes Meinungsbild“ zu erhalten, an der sich die Politik orientieren könne.

Der sächsische Datenschutzbeauftragte Andreas Schurig, der nicht über die Pläne informiert worden war, sieht Klärungsbedarf. „Es muss zwingend ausgeschlossen werden, dass personenbezogene Daten erfasst werden“, sagte Schurigs Sprecher Andreas Schneider auf Anfrage von LVZ-Online. Die Staatskanzlei sei bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Lichdi kritisierte, dass die Ausschreibung diesbezüglich sehr allgemein gehalten sei. Der Ausschluss personenbezogener Daten spiele gar keine Rolle.

Auch am gewählten Instrument der Erhebung hegt Datenschützer Schneider Zweifel. Nicht alle Bürger in Sachsen seien Mitglied bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken. Die Erhebung könne daher nur einen Ausschnitt des Meinungsbildes erfassen. „Es stellt sich schon die Frage, ob die Nutzer von Facebook tatsächlich die politische Stimmungslage wiedergeben“, sagte Schneider.

Der Landtagsabgeordnete Lichdi stellte die Pläne der Staatskanzlei insgesamt in Frage. „Meinungsforschung gehört nicht zu den Kernaufgaben des Staates“, so der rechtspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion. Stattdessen solle die Landesregierung „anerkannte Institute mit der Meinungsforschung beauftragen, wenn sie meint, an den Debatten und Problemlagen vorbei zu regieren“, forderte Lichdi.

Details zu ihrer Facebook-Software will die Landesregierung nicht bekannt geben. Es werde keine „Aussagen zu den Bietern und zum Inhalt der Angebote“ im Vergabeverfahren geben, teile Ulbig mit. Welche Daten konkret erfasst werden und wofür diese verwendet werden, soll somit geheim bleiben. Die Datenschützer reagierten empört: „Die Regierung tut sich mit Geheimniskrämerei bei diesem Thema keinen Gefallen“, so Sprecher Andreas Schneider.

Robert Nößler

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