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Deutschland / Welt Santorum schwärmt von Opus Dei
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Santorum schwärmt von Opus Dei
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06:15 23.03.2012
Von Stefan Koch
Rick Santorum, früherer Senator aus Pennsylvania, im Vorwahlkampf der Republikaner. Quelle: dpa
Washington

Es ist schon eigentümlich: Trotz hoher Arbeitslosenzahlen, einer dahindümpelnden Wirtschaft und drückender Staatsschulden streiten die Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur zuallererst um religiöse Fragen. Allen voran Rick Santorum, früherer Senator aus Pennsylvania, stellt die Strategien der Wahlkampfmanager auf den Kopf und begeistert die wertkonservativen Kreise seiner Partei mit kreuzkonservativen Thesen.

Ob Santorum allerdings die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung hinter sich versammeln könnte, wenn er tatsächlich die parteiinterne Kandidatenkür gewinnen sollte, erscheint höchst zweifelhaft. Mit seinen Ansichten zu Abtreibungen, Homosexualität und Kreationismus erscheint der 53-Jährige wie aus der Zeit gefallen. Für Irritationen sorgen nicht allein seine harten Positionen, die er wie ein Dogma verteidigt, sondern auch die Frage, wo der Politiker eigentlich die Grenze zwischen Staat und Religion zieht. Für Aufsehen sorgen in diesen Tagen seine engen Beziehungen zum umstrittenen Laien- und Priesterbund „Opus Dei“ - „Das Werk Gottes“.

Wie aus offiziellen Regierungsunterlagen hervorgeht, reiste der damalige Senator 2002 für die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá sogar eigens nach Rom. Vor dem versammelten Auditorium sagte Santorum, dass Escrivá zu ihm „gesprochen“ und ihn ausdrücklich ermuntert hätte, sich mit katholischen Positionen in die Politik einzumischen. Wie eng verbunden Santorum mit dieser Organisation ist, zeigt sich auch an seiner Familie: Zwei seiner Söhne besuchen eine Schule, die von Opus Dei-Mitgliedern geführt wird.

Tatsächlich ist die Religion in der Politik der Vereinigten Staaten von Amerika allgegenwärtig. Sich auf Gott zu berufen und sonntags die Heilige Messe zu besuchen, gilt in weiten Kreisen noch immer als Selbstverständlichkeit. Die Grenze ist für viele Amerikaner allerdings erreicht, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass ein Politiker von einer Kirche gesteuert werden könnte. So muss sich Mitt Romney, der eigentliche Republikaner-Favorit, immer wieder des Verdachts erwehren, als bekennender Mormone nur ein Erfüllungsgehilfe seiner Kirche zu sein.

Während Romney jedoch sehr darauf bedacht ist, religiöse Themen weitestgehend aus seinem Wahlkampf herauszuhalten, kann Santorum seinen Glauben gar nicht oft genug erwähnen. Die „Washington Post“ zitierte am Dienstag einen engen Vertrauten Santorums, Monsignore William Stetson: „Santorum ist angezogen vom Geist und von den Ideen des Opus Dei. Diese Gedanken müssen auch im Alltag und in der Arbeitswelt Platz gewinnen.“

Nun gilt Opus Dei in den USA ebenso wie in Europa als die umstrittenste katholische Organisation. Ihre Fürsprecher sehen in diesem Bund eine Bewegung zur Rettung der Kirche. Der Begründer Escrivá wurde vor zehn Jahren von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Dagegen sehen Kritiker einen Geheimbund am Werk und zählen ein langes Sündenregister auf, das von der Kooperation mit den früheren Diktaturen in Spanien und Chile bis zur Indoktrination Minderjähriger und einem rigiden Innenleben reiche - also die Grenze  zu einer Sekte überschreite.

In den führenden Kreisen der Republikaner zeigt man sich gar nicht begeistert. Jack Lindley, Chef der Republikaner im US-Bundesstaat Vermont, spielte vor wenigen Tagen auf das Jahr 1964 an. Damals gewann Barry Goldwater gegen den Willen der Parteiführung mit radikalen Positionen das Kandidatenrennen der „Grand Old Party“. Bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl erlitt er allerdings eine krachende Niederlage gegen den Demokraten Lyndon B. Johnson, dem damit eine zweite Amtszeit vergönnt war. „Hoffentlich“, so Lindley, „wiederholt sich diese Geschichte nicht.“

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