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Deutschland / Welt "Ich stimme abwechselnd mit Ja und Nein"
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08:20 02.02.2016
Seit 2014 im EU-Parlament: Der Satiriker Martin Sonneborn. Quelle: EPA/PATRICK SEEGER
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Brüssel

Herr Sonneborn, Sie sitzen gerade im Auto, wohin fahren Sie?

Ich bin auf dem Weg nach Straßburg zur Plenarsitzung des Europaparlaments. Im Konvoi, meine beiden Assistentinnen fahren in zwei Autos hinter mir. So bekommen wir alle Kilometergeld von der EU.

30 Cent …

Nein, 50.

Kassieren können Sie. Aber was leisten Sie noch im Parlament?

Die EU übernimmt immer mehr Ideen von uns. Wir haben immer schon den Wiederaufbau der Mauer gefordert, nun greifen Ungarn, demnächst Österreich und bald vielleicht Italien und Griechenland diese Idee auf. Das erfüllt mich mit tiefer Befriedigung. Zudem will ich die EU verkleinern. Polen, England und Ungarn stehen auf meiner Abschussliste. Wir haben jetzt einen Film gemacht, in dem ich in NS-Fliegeruniform durchs Parlament gehe. Der wird uns schon einmal von den Polen befreien.

Und worauf müssen sich die Briten gefasst machen?

Ich habe mich gerade mit den etwas zurechnungsfähigeren Ukip-Leuten zusammengesetzt. Die sind gar nicht so rechtsradikal, wie ich dachte, nur schön nationalistisch. Wir haben den G-Day geplant. Es werden 100 Deutsche in grauen Anzügen in Dover landen und den Engländern befehlen, in der EU zu bleiben.

Damit schaffen Sie es auf die Titelseite der „Sun“ …

… und bekommen ein paar auf die Fresse. Genau …

Heute debattiert das Parlament von 15 bis 23 Uhr vermutlich hilflos über die drängenden Probleme dieser Tage: Schengen und Türkei. Was machen Sie?

Ich habe Tagesfreizeit. Ich stimme in bewährter Manier abwechselnd mit Ja und Nein. Da muss ich mich nicht mit dem Inhalt beschäftigen und kann währenddessen im Netz Fragen interessierter Bürger beantworten.

Viele Politiker sind tief besorgt. Die EU zerfällt. Aber für die Satire sind es gute Zeiten?

Jede Zeit ist eine gute Zeit für Satire. Meine Aufgabe ist es, die unseriösen Teile des Parlaments darzustellen. Da muss ich mir keine Gedanken machen, ob die EU überlebt oder nicht. Ich bin damit ausgelastet, zu beobachten und zu dokumentieren.

Sonneborn ist seit 2014 im EU-Parlament

Martin Sonneborn wurde 2014 mit seiner Parteiparodie ins EU-Parlament gewählt und hat dort immer wieder mit Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Aber nicht nur dort: Im November verkaufte "Die PARTEI" 100-Euro-Scheine für 80 Euro – und durch die deutsche Parteienfinanzierung sollte sich die Aktion für sie trotzdem aufzahlen.

 

Wie Sonneborn arbeitet, zeigt ein Video, das "Die PARTEI" der HAZ zur Verfügung gestellt hat.

Von Jan Sternberg

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