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Deutschland / Welt Polizistin stirbt nach Schießerei in Paris
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15:16 08.01.2015
Polizisten sichern Spuren, nachdem ein Unbekannter eine Polizistin in Paris hinterücks mit einem Maschinengewehr erschossen hat. Quelle: afp
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Paris

In Paris hat es am Donnerstag eine Schießerei am südlichen Stadtrand gegeben. Ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Maschinengewehr habe um 08.19 Uhr das Feuer auf Polizisten eröffnet, teilte die Polizei mit. Eine Polizistin und ein Mitarbeiter der Stadtreinigung sind lebensgefährlich verletzt worden, hieß es zunächst. Später wurde der Tod der Polizistin vermeldet. Der Angreifer ist auf der Flucht. Aus Polizeikreisen hatte es zuvor geheißen, ein Verdächtiger im Alter von 52 Jahren sei festgenommen worden. Der Hintergrund der Schießerei war zunächst unklar, doch verließ Innenminister Bernard Cazeneuve überstürzt eine Krisensitzung im Elysée-Palast zum Anschlag auf "Charlie Hebdo".

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Schießerei in einem Vorort von Paris: Ein Unbekannter feuert im Vorort Montrouge auf Polizisten. Mindestens ein Polizist wird schwer verletzt. Ob der Vorfall im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" am Mittwoch steht, ist unklar.

Ob der Vorfall in Montrouge im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" am Mittwoch steht, war zunächst unklar .

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren im Stadtzentrum von Paris zwei Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume gestürmt. Sie töteten dort und auf ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen. Die Verdächtigen waren am Donnerstag weiter auf der Flucht. In ganz Frankreich lief eine Großfahndung.

Mutmaßlicher Helfer stellt sich der Polizei

Nachdem sich noch am Abend ein mutmaßlicher Helfer – der 18-Jährige ist der Schwager von einem der Terroristen – in der Kleinstadt Charleville-Mézière nahe der belgischen Grenze der Polizei gestellt hatte, verkündete Frankreichs Premierminister Manuel Valls in einem Interview mit RTL, dass es sieben Festnahmen gegeben habe, ohne weitere Details zu nennen. Sie sollen den Attentätern nahe stehen. 3000 Polizisten hatten an einer groß angelegten Fahndung teilgenommen. Spezialkräfte umstellten in der Nacht ein Haus im ostfranzösischen Reims.

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Nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ trauert das Land um die zwölf Toten. Viele Menschen haben sich auf den Straßen von Paris versammelt.

Attentäter wurden vor Anschlag überwacht

Die Suche nach den beiden Attentätern – es handelt sich um die Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34) – geht unterdessen weiter. Sie sind nach Angaben von Ermittlern in Nordfrankreich gesichtet worden. Sie seien bewaffnet und mit einem grauen Clio unterwegs gewesen, hieß es am Donnerstag von Seiten der Ermittler. Demnach hielten sich die beiden im Département Aisne auf. Ein Tankstellenbesitzer bei dem Ort Villers-Cotterêt habe die maskierten und bewaffneten Männer eindeutig erkannt, wie französische Medien berichteten. Am frühen Donnerstagnachmittag teilte die Polizei mit, dass sie das zurückgelassene Fluchtauto gefunden habe und die Umgebung durchsuche.

Die Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Polizei so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift "Le Point" und die Zeitung "Le Monde" schreiben, vergaß einer der Brüder seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Attentäter am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten.

Nach den beiden Attentätern Cherif Kouachi, 32 (links), und sein Bruder his Said Kouachi, 34, wird gefahndet. Quelle: dpa

Beide sind nach Angaben des Pariser Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, gegen die Männer habe es auch kein juristisches Verfahren gegeben, sagte Cazeneuve am Donnerstag dem Sender Europe 1. Chérif Kouachi war 2008 verurteilt worden, weil er geholfen hatte, dem Terrornetzwerk Al-Kaida Kämpfer in den Irak zu schicken. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb auf Bewährung ausgesetzt.

Der französische Staatspräsident François Hollande ordnete am Donnerstag einen Tag der nationalen Trauer an. Er forderte die Franzosen auf, in dieser schweren Zeit zusammenzustehen.

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Die Welt ist nach dem blutigen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ im Schockzustand. Weltweit zeigen Menschen ihre Solidarität mit den Opfern der verheerenden Attacke.

Das Blutbad löste Entsetzen und Abscheu aus. Mehr als 100.000 Franzosen gingen am Mittwochabend landesweit auf die Straßen, um sich mit "Charlie Hebdo" zu solidarisieren. Viele legten zum Gedenken an die Toten nicht nur Blumen, sondern auch Kugelschreiber und Bleistifte nieder – auch als Zeichen der Verteidigung der Pressefreiheit. Der französische Fußball will mit einer Schweigeminute bei allen Spielen dieses Wochenendes sein Mitgefühl für die Opfer des Terroranschlag zum Ausdruck bringen.

Mehrere französische Blätter druckten am Donnerstag eine fast schwarze Seite Eins. Die eher linke "Libération" schrieb auf schwarzem Grund: "Nous sommes tous Charlie" (Wir sind alle Charlie). Die konservative Zeitung "Le Figaro" titelt: "La Liberté assassiné" (Die ermordete Freiheit). Das Blatt "Le Parisien" schrieb auf der Eins: "Ils ne tueront pas la liberté" (Sie werden die Freiheit nicht töten).

Auch weltweit bekundeten Tausende in Städten ihre Solidarität, so etwa in Berlin. US-Präsident Barack Obama, Papst Franziskus und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten sich erschüttert. Auch islamische Staaten wie Katar und Muslimverbände verurteilten die Tat.

Sicherheitsvorkehrungen erhöht

Großbritannien hat nach den Anschlägen seine Grenzkontrollen verschärft. Es würden mehr Autos und Lastwagen durchsucht, die über den Ärmelkanal wollten, sagte eine Regierungssprecherin am Donnerstag. Auch in Deutschland sind Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden: Bei Gruner + Jahr ("Stern") am Baumwall überwacht seit Donnerstag wieder eine Sicherheitskraft den Haupteingang. Diese Funktion sei zuvor abgeschafft gewesen, berichtete eine Verlagssprecherin. Die "Hamburger Morgenpost", die einen Tag nach dem Terroranschlag Karikaturen des Satiremagazins "Charlie Hebdo" auf ihrer Donnerstags-Titelseite veröffentlichte, stellte ihr Verlagsgebäude ebenfalls unter besonderen Schutz.

Dreitägige Trauerbeflaggung in Niedersachsen

Als Reaktion auf den Terroranschlag in Paris mit zwölf Toten hat die Staatskanzlei eine dreitägige Trauerbeflaggung in Niedersachsen angeordnet. An allen öffentlichen Gebäuden sollen bis zum 10. Januar die Europaflagge, die Bundesflagge und die Landesflagge auf Halbmast wehen, heißt es auf der Internetseite der Staatskanzlei. Damit soll den Opfern „des terroristischen Anschlags“ gedacht werden. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat bis Samstag eine bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

Explosion nahe Moschee

In mehreren Gemeinden Frankreichs gab es Attacken auf muslimische Einrichtungen. Zwei Moscheen wurden in der Nacht beschossen, wie die Behörden mitteilten. Eine absichtlich ausgelöste Explosion ereignete sich nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen vor einem Kebab-Laden nahe einer Moschee im ostfranzösischen Villefranche-sur-Saône. Verletzt wurde bei den drei Angriffen niemand.

dpa/afp

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