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Deutschland / Welt Schleuser umgehen Flüchtlingsabkommen mit Türkei
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Schleuser umgehen Flüchtlingsabkommen mit Türkei
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17:10 16.02.2017
Immer noch legen Schiffe der Schleuser von der türkischen Küste ab, allerdings mit einem neuen Ziel. Quelle: dapd
Berlin

Schlepper konzentrieren sich bei der illegalen Migration in die EU wieder verstärkt auf den direkten Seeweg zwischen der Türkei und Italien. „Seit Mitte des Jahres 2016 stieg die Anzahl der festgestellten Schleusungen auf dem Seeweg aus der Türkei deutlich an“, heißt es in einem Geheimbericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration (GASIM). Der als Verschlusssache deklarierte zwölfseitige Report 04/2017 liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vor.

Im vergangenen Jahr gelangten demnach 3846 Migranten in 59 Schiffen über den Seeweg aus der Türkei nach Italien, davon 88 Prozent im zweiten Halbjahr. Im gesamten Jahr 2015 waren es 2741. Überwiegend habe es sich um Segelboote gehandelt, die von ukrainischen Schleusern eingesetzt worden seien. Bei den illegalen Migranten habe es sich vorwiegend um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak sowie aus Afghanistan gehandelt. Als Gründe für den sich verlagernden Flüchtlingsstrom nennen die Experten der Bundesbehörden den seit März 2016 geltenden Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sowie das Abriegeln der sogenannten Balkanroute.

Im vergangenen Monat Januar registrierte Italien laut Report insgesamt 4292 Seeanlandungen von illegalen Migranten in Italien, davon allein 35 Abfahrten auf der zentralmediterranen Route aus Libyen. In Griechenland waren es im Vergleichszeitraum 1099.

Ein weiteres Augenmerk richtet der Bericht auf ein bislang unbekanntes Phänomen: unerlaubte Einschleusungen auf Güterzügen aus Ungarn. Seit Intensivierung der ungarischen Grenzsicherungen ab Herbst 2015 griffen ungarische Behörden 1039 Migranten allein am serbischen Grenzübergang Kelebia auf – ausschließlich Männer mit afghanischer Herkunft. „Migranten nehmen bei der Einschleusung unter Verwendung von Güterzügen ein hohes gesundheitliches, stellenweise lebensgefährliches Risiko in Kauf und sind immer schwieriger zu entdecken“, heißt es in dem Bericht.

Am Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrum sind unter anderem die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt (BKA), das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beteiligt.

Von Jörg Köpke

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