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Deutschland / Welt Schwere Ausschreitung vor Klimagipfel in Paris
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18:47 29.11.2015
Bei Demonstrationen vor dem UN-Klimagipfel in Paris ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Quelle: AFP
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Paris

In Paris sollte es wegen der Terrorgefahr keine Kundgebungen rund um den UN-Klimagipfel geben. Doch nicht alle halten sich daran. Ungeachtet eines Demonstrationsverbots sind Tausende Klimaschützer vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris auf die Straße gegangen. In der Innenstadt geht ein "Schwarzer Block" auf die Polizei los. 

Auf dem Platz der Republik warfen mehrere Dutzend Vermummte Flaschen und andere Wurfgeschosse auf Polizisten, die auf dem Platz eine friedliche Protestaktion der Bürgerbewegung Avaaz sichern sollten. Die Sicherheitsbeamten antworteten mit Tränengas und setzten auch Schlagstöcke ein. Frankreichs Premierminister Manuel Valls erklärte im Kurznachrichtendienst Twitter, die Angriffe auf die Polizei seien "unwürdig". 

Nach Angaben eines Behördensprechers wurden bis zum Abend rund 149 Menschen vorübergehend festgenommen. Niemand sei ernsthaft verletzt worden. In Frankreich herrscht seit der islamistischen Terrorserie, der am 13. November 130 Menschen zum Opfer gefallen waren, Ausnahmezustand. Öffentliche Kundgebungen sind verboten.

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Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen kurz vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris hat die Polizei zahlreiche Demonstranten festgenommen. 

Die Pariser Polizei ließ am Sonntag dennoch mehrere Tausend Menschen gewähren, die auf den Gehsteigen mehrerer Straße in der Innenstadt Menschenketten bildeten. Die Umweltschützer reichten einander die Hände, um gemeinsam eine Begrenzung der Erderwärmung zu fordern. Einige von ihnen wiesen mit blauen Pappschildern auf die Gefahr eines ansteigenden Meeresspiegel hin. Am Montag werden in Paris 147 Staats- und Regierungschefs zum Auftakt der UN-Klimakonferenz erwartet.

Avaaz hatte am Vormittag auf dem Platz der Republik Tausende alte Schuhe aufgestellt. Diese sollten die Demonstranten symbolisieren, die wegen des Kundgebungsverbots nicht kommen konnten. Auch ein Paar Schuhe von Papst Franziskus war darunter. Da viele Polizisten benötigt werden, um die Sicherheit der Gipfelteilnehmer zu gewährleisten, dürfen Fußballfans bis zum 14. Dezember nicht zu Auswärtsspielen reisen. Denn die Polizei sieht sich außerstande, sowohl den Gipfel als auch die Spiele abzusichern.

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau besuchte am Sonntag den Pariser Konzertsaal "Bataclan", wo die Terroristen Dutzende Musikliebhaber getötet hatten. Frankreichs Präsident François Hollande empfing UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Aus Zeitgründen werden die Staats- und Regierungschefs ihre Reden am Montag gleichzeitig in zwei verschiedenen Sälen halten müssen.Aus Zeitgründen werden die Staats- und Regierungschefs ihre Reden am Montag gleichzeitig in zwei verschiedenen Sälen halten müssen. Die Gipfelteilnehmer wollen einen neuen Weltklimavertrag vereinbaren, der ab 2020 gelten soll. Die bisherigen Zusagen der einzelnen Staaten zur Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen reichen allerdings nicht aus, um das kritische Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Existenz mehrerer Inselstaaten bedroht

Ziel des Gipfels ist ein verbindlicher Vertrag, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu drosseln und die Erderwärmung einzudämmen. Der Vertrag soll ab 2020 gelten. Die bisherigen Zusagen der einzelnen Staaten zur Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen reichen allerdings nicht aus, um das kritische Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Mehrere Inselstaaten sehen ihre Existenz schon bei einem Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad gefährdet.

Wie das UN-Klimasekretariat mitteilte, wollen Ban, der indische Premierminister Narendra Modi und Präsident Hollande am Montag eine Solar-Allianz mit dem Ziel gründen, den Anteil "sauberer" Energiequellen global zu steigern.

Gastgeber Frankreich ermahnte die Teilnehmer, zügig zu verhandeln, um Chaos und ein mögliches Scheitern zu vermeiden. Außenminister Laurent Fabius sagte am Sonntagabend bei einem Vorgespräch, niemand solle auf ein "Wunder der letzten Nacht" oder auf eine Verlängerung der bis zum 11. Dezember geplanten Konferenz zu hoffen.

Demonstrationen in 175 Ländern

Rund um den Globus waren über das Wochenende mehr als 2300 Protestaktionen und Demos in 175 Ländern geplant. In Berlin sprach die Polizei von knapp 10.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 17.000. Mit Schildern und bunten Attrappen wie einem "Kohlesaurier" zogen die Demonstranten bei Schmuddelwetter in Berlin vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Die Veranstalter, darunter Greenpeace, der Naturschutzbund (Nabu) und die Umweltstiftung WWF, forderten einen verbindlichen und gerechten Weltklimavertrag und für Deutschland einen Kohleausstieg bis spätestens 2040 sowie den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2050.

In Brüssel bildeten etwa 4000 Demonstranten eine Menschenkette durch die Innenstadt. Aus Angst vor Anschlägen waren geplante Großdemonstrationen in Belgien abgesagt worden. Besonders viele Demonstranten versammelten sich am Sonntag in London, nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 50.000 Menschen an dem Protestmarsch durch das Regierungsviertel teil. Es waren viele Gruppen angereist, die eigentlich in Paris auf die Straße gehen wollten. In der australischen Metropole Sydney demonstrierten am Sonntag mehr als 45.000 Menschen. Auch in der Hauptstadt Canberra waren Tausende auf den Beinen. In Washington kamen Tausende Menschen unter anderem vor dem Weißen Haus zusammen. In New York hatten fünf Organisationen Protestmärsche in verschiedenen Bezirken der Neun-Millionen-Stadt angemeldet.

dpa/AFP

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