Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt 25.000 Polizisten sichern Istanbul
Nachrichten Politik Deutschland / Welt 25.000 Polizisten sichern Istanbul
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:03 01.06.2014
Mit Schlagstöcken gegen die Meinungsfreiheit: In Istanbul unterbindet die Polizei Demonstrationen zum Gezi-Jahrestag. Quelle: dpa
Anzeige
Istanbul

Am Jahrestag des Beginns der landesweiten Gezi-Proteste in der Türkei hat die Polizei Demonstrationen in Istanbul und anderen Städten gewaltsam aufgelöst. Sicherheitskräfte setzten am Samstagabend in der Umgebung des abgeriegelten Taksim-Platzes in Istanbul Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein, wie dpa-Reporter berichteten.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor vor einer Teilnahme an Demonstrationen gewarnt. Er drohte mit einem strikten Vorgehen der Sicherheitskräfte, die „präzise Anordnungen“ hätten. Erdogan warf den Demonstranten vor, „terrorisieren“ zu wollen. Massendemonstrationen blieben in Istanbul aus.

Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, alleine in der Umgebung des Taksim-Platzes seien 7500 Polizisten und 50 Wasserwerfer eingesetzt gewesen. Insgesamt seien in Istanbul 25.000 Polizisten im Einsatz gewesen. Einigen hundert Demonstranten gelang es dennoch, sich auf der Istiklal Caddesi zu versammeln, die zum Taksim-Platz führt. Sie forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung.

Zur Galerie
Zum Jahrestag der Gezi-Proteste ist es in Istanbul zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Polizisten in zivil prügelten mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein. Aus den Reihen der Protestierenden wurden Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen. Anadolu berichtete unter Berufung auf die Polizei, rund 120 Menschen seien festgenommen worden. Vier Polizisten seien verletzt worden, einer davon durch ein Geschoss, ein anderer durch einen Molotow-Cocktail. Türkische Medien berichteten von mehreren verletzten Demonstranten.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass Sicherheitskräfte auch in der Hauptstadt Ankara Wasserwerfer und Tränengas einsetzten. Aus anderen Städten wurden ebenfalls Zusammenstöße gemeldet. Anadolu berichtete, in Ankara habe die Polizei 45 Demonstranten festgenommen, in Izmir 65. Regierungsgegner hatten für Samstagabend zur Demonstration auf dem Taksim-Platz in Istanbul und in anderen Städten aufgerufen.

Der Korrespondent des US-Senders CNN, Ivan Watson, wurde während einer Live-Schalte vom Taksim-Platz von der Polizei festgesetzt. Ein Polizist habe ihn dabei getreten, berichtete Watson über Twitter. Er und sein Team seien nach einer halben Stunde wieder freigelassen worden. Auf CNN-Fernsehbildern war zu sehen, wie Polizisten in Zivil Watson abführten.

Bosporus-Fähren brachten ab dem Nachmittag keine Passagiere mehr vom asiatischen zum europäischen Teil Istanbuls, wo der Taksim-Platz liegt. Die U-Bahn-Station am Taksim-Platz wurde geschlossen. Bis in die Nacht hinein lieferten sich kleinere Gruppen Demonstranten Scharmützel mit der Polizei.

Der 20-jährige Demonstrant Öguz Demir sagte mit Blick auf die Toten der Gezi-Proteste 2013 und das Grubenunglück von Soma am 13. Mai: „Wir wollen an die Toten von Gezi und Soma erinnern, aber man lässt uns nicht auf den Taksim. Was ist das für ein Staat?“ Die 29-jährige Lehrerin Nesrin Özgür kritisierte: „Erdogan hat das Land gespalten. Jeder, der seine Menschenrechte einfordert, wird festgenommen.“

Die Proteste im vergangenen Sommer hatten sich an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Taksim-Platzes zu bebauen. Am 31. Mai vor einem Jahr schlugen sie in landesweite Proteste um, die sich vor allem gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans und die eskalierende Polizeigewalt richteten.

Die Gezi-Proteste kosteten mindestens sieben Menschen das Leben. Die Massendemonstrationen ebbten im Spätsommer ab. Immer wieder flammen aber seitdem Proteste auf, die die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas zerschlägt.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach fast fünf Jahren in der Hand der Taliban ist ein junger amerikanischer Soldat frei. Die USA erreichen das durch einen spektakulären Gefangenenaustausch – und ernten dafür prompt republikanische Kritik.

01.06.2014

Die Polizei griff hart durch. Der türkische Ministerpräsident Erdogan warnte bereits am Vortag davor, am Jahrestag der Gezi-Proteste zu demonstrieren.

01.06.2014

Großbritanniens Premierminister David Cameron soll mit einem EU-Austritt seines Landes gedroht haben, falls Jean-Claude Juncker neuer Chef der EU-Kommission werden sollte.

31.05.2014
Anzeige