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Was wir bisher über das Attentat wissen

Selbstmordanschlag von Istanbul Was wir bisher über das Attentat wissen

Nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul sind vier weitere Verdächtige in der Türkei festgenommen worden. Wie die türkische Regierung am Mittwoch außerdem mitteilte, kam der Attentäter als Flüchtling in das Land.

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Das Bild wurde von der Polizei Istanbul veröffentlicht und soll den Selbstmordattentäter Nabil Fadli zeigen.

Quelle: EPA/TURKISH POLICE

Istanbul/Hannover. Am Dienstag hat sich ein Selbstmordattentäter in Istanbul in die Luft gesprengt. In der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee tötete er zehn Urlauber aus Deutschland, weitere wurden verletzt. Wollte er gezielt Deutsche treffen? Was wir bisher zu den Hintergründen des Anschlags wissen – und was nicht:

Am Dienstag hat sich ein Selbstmordattentäter in Istanbul in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag nahe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee wurden zehn Deutsche getötet.

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Wer sind die Opfer des Selbstmordanschlags?

Der Selbstmordattentäter tötete zehn Menschen, sie gehörten zu einer deutschen Reisegruppe des Veranstalters Lebenslust Touristik aus Berlin. Noch sieben weitere Bundesbürger seien in Krankenhäusern in Istanbul, fünf von ihnen auf der Intensivstation, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit. Außerdem gebe es drei Leichtverletzte. Zwei stammen aus Niedersachsen. Nach Angaben der türkischen Behörden werden insgesamt noch elf Verletzte in Krankenhäusern behandelt, darunter auch ein Norweger und ein Peruaner.

Wie geht es den anderen Teilnehmern der Reisegruppe?

16 Reisende sind unverletzt. Vertreter des Reiseveranstalters, Psychologen und ein Betreuungsteam des Deutschen Konsulats kümmern sich um sie. Das Unternehmen organisiert die Rückkehr nach Deutschland für diejenigen, die den Urlaub nicht fortsetzen wollen. Es gebe das Angebot, zurückzufliegen, sagte ein Firmensprecher. Die ersten Reisenden sollten noch am Mittwoch zurückkommen. Angehörige könnten aber auch nach Istanbul kommen. Nach Angaben des Veranstalters wollen einige Urlauber die Reise fortsetzen.

Warum war die Urlauber in Istanbul?

Die Reisenden hatten laut Unternehmen eine Pauschalreise gebucht und wollten von Istanbul aus weiter nach Dubai. Die Firma ist nach eigenen Angaben auf Gruppenreisen für Menschen "in den besten Jahren" spezialisiert. Zum Zeitpunkt des Anschlags seien 33 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet mit dem Reiseveranstalter in der türkischen Metropole gewesen, sagte ein Sprecher.

Wollte der Attentäter gezielt Deutsche treffen?

Der Attentäter hatte sich am Dienstag inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt. Aber "nach bisherigem Ermittlungsstand liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei einem Besuch in Istanbul.

Wer war der Attentäter von Istanbul?

Der Selbstmordattentäter ist nach Angaben der türkischen Regierung als syrischer Flüchtling in die Türkei eingereist. Das bestätigte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Mittwochabend in Istanbul. Demnach ließ sich der 27-jährige Nabil Fadli am 5. Januar als Flüchtling registrieren. Dabei seien ihm Fingerabdrücke abgenommen worden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur DHA. Diese hätten nun dabei geholfen, ihn als Attentäter zu identifizieren. Der Attentäter habe aber nicht als Terrorverdächtiger unter Beobachtung gestanden, sagte der Regierungschef. Nach Angaben der türkischen Behörden war der Selbstmordattentäter Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Die Identität des Attentäters ist nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) aber noch nicht zweifelsfrei festgestellt. Bei dem Mann sei ein Personaldokument gefunden worden, sagte de Maizière am Mittwochabend in den ARD-"Tagesthemen". "Aber ob das Personaldokument identisch ist mit diesem Mann, ist alles noch Gegenstand der Aufklärung."

Woher kam der Attentäter?

Die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" zitierte am Mittwoch einen Sprecher des saudischen Innenministeriums, wonach der Attentäter in Saudi-Arabien geboren wurde. Er habe aber die syrische Staatsbürgerschaft gehabt und Saudi-Arabien bereits 1996 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie verlassen.

War der Attentäter ein Einzeltäter?

Der Attentäter sei von vier Menschen begleitet worden, als er sich in der Türkei registriert habe – nach diesen Personen werde jetzt gefahndet, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur DHA. Am Dienstagabend nahm die Polizei einen Verdächtigen fest und am Mittwoch vier weitere, wie die türkische Regierung mitteilte. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu machte dazu aber keine nähere Angaben. Die türkische Regierung hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich gemacht, die sich bislang nicht dazu bekannt hat.

Wie gefährlich sind jetzt Reisen in die Türkei?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte trotz des Anschlags: "Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen." Man dürfe dem Terror nicht nachgeben. "Wir wollen unser Verhalten, unser Leben nicht verändern. Wir werden vor dem Terrorismus nicht zurückweichen." Am Abend wiederholte de Maizière im Fernsehen: Deutsche sollten trotz des Terroranschlags auch in Zukunft in die Türkei reisen. "Wir hatten zwei große Anschläge in Paris. Wir können doch nicht sagen: Bitte geht nicht in Cafés, geht nicht in Konzerthäuser, geht nicht auf Straßen. Dann hätte der Terror ja schon gewonnen", sagte er. Die türkischen Sicherheitsbehörden seien gut aufgestellt und wachsam, betonte der Minister, "aber auch hier gibt es keine Garantie gegen den Terrorismus.

dpa/afp/wer

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