Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Separatisten sind zu Gefangenenaustausch bereit
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Separatisten sind zu Gefangenenaustausch bereit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:17 20.02.2015
Ein Panzer der pro-russischen Milizen in der Nähe von Donezk. Quelle: dpa
Anzeige
Donezk

Trotz Verstößen gegen die Waffenruhe im Donbass haben sich die prorussischen Separatisten zu einem Gefangenenaustausch bereiterklärt. Nach der Niederlage der ukrainischen Truppen im Kampf um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewo sollen zahlreiche Soldaten von den Aufständischen gefangen genommen worden sein. Der Austausch, der vergangene Woche im Minsker Friedensplan vereinbart worden war, könne an diesem Wochenende stattfinden, sagte Separatistensprecherin Darja Morosowa der Agentur Interfax am Freitag. Frühere Initiativen hatten sich nach solchen Ankündigungen immer wieder verzögert.

Die Konfliktparteien warfen sich erneut gegenseitige Angriffe vor. Im Krisengebiet habe es innerhalb von 24 Stunden rund 50 Verstöße gegen die Kampfpause gegeben, teilte die Militärführung in Kiew mit. Separatistenführer Eduard Bassurin drohte in der Nacht zum Freitag mit einem Ausstieg aus dem Minsker Abkommen, sollte die Armee das Feuer nicht einstellen. „Eine Offensive in Richtung Mariupol ist nicht geplant“, sagte er aber.

Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bestätigten, dass sie am Donnerstag mehrfache Artilleriesalven in der Separatistenhochburg Donezk gehört hätten. Beim Beschuss sei eine Frau getötet worden, teilte der Stadtrat mit.

Für eine weitere Deeskalation der Lage hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine internationale Friedensmission unter Führung der EU gefordert. „Eine solche Friedensmission setzt voraus, dass wir einen stabilen Waffenstillstand haben“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Bislang gebe es jedoch „allenfalls einen fragilen Zustand“, meinte er. Möglicherweise findet zur Umsetzung des in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarten Friedensplans kommende Woche ein Treffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine statt.

Ein Jahr nach den blutigen Massenprotesten in Kiew gedenkt die Ukraine an diesem Freitag der Opfer. Bei Gewaltexzessen starben damals auf dem Maidan rund 100 Menschen. Prowestliche Kräfte machten dafür den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch verantwortlich. Dieser flüchtete daraufhin nach Russland.

Zur Versorgung der notleidenden Menschen unter anderem in Debalzewo schickte Russland erneut einen seiner umstrittenen Konvois mit Hilfsgütern ins Konfliktgebiet. Nach Angaben des Zivilschutzes überquerten 30 Lastwagen mit insgesamt rund 200 Tonnen Hilfsmitteln die Grenze. Frühere Lastwagenkolonnen waren deutlich größer. Die Ukraine kritisiert die Transporte als Verletzung ihrer Souveränität und befürchtet, dass Russland den Separatisten Waffen liefern könnte.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Russland hat beim Genfer Krisentreffen zur Ukraine der Forderung nach Entwaffnung separatistischer Kräfte im Osten des Landes zugestimmt.

17.04.2014

Der russische Präsident Wladimir Putin sieht von einem Militäreinsatz in der Ukraine ab, teilte er am Dienstag in einem Fernsehinterview mit. Er behält sich jedoch "alle Mittel" zum Schutz seiner Bürger in der Ukraine vor.

04.03.2014

Deutschland ist zur Entsendung von Aufklärungsdrohnen zur Überwachung der Waffenruhe in der Ukraine bereit. Noch am Dienstag soll ein Erkundungsteam der Bundeswehr mit 14 Soldaten in die Ukraine aufbrechen, um eine solche Beteiligung an einer OSZE-Mission zu prüfen.

16.09.2014

Die Uhr tickt. Knapp eine Woche vor Ende des laufenden Rettungsprogramms gibt es noch immer keine neuen Finanzhilfen für Griechenland. Einigen sich Athen und die Europartner am Freitag wieder nicht, könnte es für das Land eng werden.

20.02.2015

Ein kleiner Ort in Schleswig-Holstein wehrt sich dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen: Anwohner protestieren – und dann fliegt ein Brandsatz. Wie konnte es so weit kommen? Eine Spurensuche.

22.02.2015

Die Stimmung in der griechischen Bevölkerung schwankt knapp vier Wochen nach dem Wahlsieg der Linken unter Regierungschef Alexis Tsipras zwischen Hoffen und Bangen. Immer mehr Griechen heben ihr Geld ab.

19.02.2015
Anzeige