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Gabriel und Merkel starten Wahlkampf

Sommerinterviews bei ARD und ZDF Gabriel und Merkel starten Wahlkampf

Nie war SPD-Chef Sigmar Gabriel in seiner Partei so umstritten wie jetzt. Auch Bundeskanzlerin Merkel muss für ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik seit Monaten heftige Kritik einstecken. In den Sommerinterviews von ARD und ZDF erklären die beiden Politiker ihre Positionen – und greifen sich frontal an.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Sommerinterview.

Quelle: Rainer Jensen/dpa

Berlin. Der äußere Eindruck und die Realität haben manchmal sehr wenig miteinander gemein. Da sitzt ein braun gebrannter und kämpferischer Vizekanzler vor historischer Schlosskulisse, da sitzt eine in sich ruhende Kanzlerin bei strahlendem Sonnenschein vor dem Reichstagsgebäude in Berlin.

Wer die Sommerinterviews von ARD und ZDF am Sonntag gesehen hat, könnte glauben, die beiden säßen fest im Sattel, hätten alles im Griff. In Wahrheit aber ist das Gegenteil der Fall: Sigmar Gabriel ist in der SPD umstritten wie nie, manche erwarten seinen baldigen Rücktritt. Und Angela Merkel muss sich mit einer Debatte um ihre erneute Kanzlerkandidatur herumschlagen, seit der "Spiegel" am Wochenende meldete, CSU-Chef Horst Seehofer halte sich seine Unterstützung einer erneuten Kandidatur Merkels offen und torpediere damit ihren Zeitplan.

Gabriel macht den Anfang

Den Anfang zum Fernduell macht SPD-Chef Sigmar Gabriel im ZDF. Er greift Merkel frontal an. Natürlich gebe es die Notwendigkeit einer „Obergrenze für Flüchtlinge“, sagt der SPD-Chef. Diese liege „bei der Integrationsfähigkeit“ des Landes. Die Union habe die Herausforderung unterschätzt, poltert der Wirtschaftsminister. Und dann, direkt an die Adresse der Kanzlerin: „Es reicht nicht, immer nur zu sagen, wir schaffen das.“

„Ach, wissen sie“, kontert Merkel in der ARD, „wir haben viel Geld in die Hand genommen, Gesetzesarbeit getan und alles gemeinsam beschlossen. Vieles davon sehr schnell. An Diskussionen, wer wo mehr Bedenken gehabt hat, beteilige ich mich nicht.“ Merkel bleibt sich treu. Sie dämpft die Debatte um Steuerentlastungen unter Verweis auf „schwierige Haushaltsverhandlungen“ und ermutigt türkischstämmige Deutsche, sich hierzulande in Staat und Gesellschaft einzubringen. „Ich bin auch deren Bundeskanzlerin.“ Die Diskussion um ihre erneute Kanzlerkandidatur ist ihr nur zwei Halbsätze wert. „Zum gegebenen Zeitpunkt“, werde sie sich äußern, sagt Merkel. Nach Informationen der " Bild"-Zeitung will sich Merkel schon auf dem Bundesparteitag im Dezember als neue Kanzlerkandidatin der Union präsentieren.

Gabriel will Merkel herausfordern

Gabriel lässt keinen Zweifel daran, dass er Merkel 2017 herausfordern will. Den Ärger im eigenen Laden, den großen Streit innerhalb der SPD um das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen Ceta, spielt Der SPD-Chef herunter. „Wir werden das ganz sicher klug beraten und am Ende auch entscheiden“, sagt er mit Blick auf den SPD-Konvent am 19. September. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Sozialdemokratie Europa anhält.“

Andere in seiner Partei können sich das sehr wohl vorstellen, zum Beispiel Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Der führt gerade Wahlkampf und gab am Wochenende große Bedenken zu Protokoll. Für Kritiker wie ihn hat Gabriel ein Geschenk mitgebracht. Beim „Tag der offenen Tür“ der Bundesregierung beerdigt er das unter SPD-Linken verhasste europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP. „Die Verhandlungen sind faktisch gescheitert, auch wenn sich noch keiner so richtig traut, das auch zuzugeben.“

"TTIP ist noch lange nicht gescheitert"

Merkel lässt am Sonntag andere sprechen. „TTIP ist zwar eine Sisyphosarbeit, aber noch lange nicht gescheitert“, sagt der Wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Ich erwarte von dem Wirtschaftsminister, dass er sich im Interesse der exportorientierten deutschen Wirtschaft an die Spitze der Bewegung stellt und nicht die Flinte ins Korn wirft.“

Von Andreas Niesmann, RND

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