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Deutschland / Welt So erlebten die HAZ-Leser AfD-Kandidat Gauland
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16:07 30.08.2017
Die sieben HAZ-Leser im Haus der Bundespressekonferenz. Im Hintergrund stellt Wolfgang Büchner (RND) Alexander Gauland (AfD) die Fragen der Leser. Quelle: Moers
Berlin

Zur Abfahrt waren sie nur zu siebt im großen Reisebus. Ob die kurzfristigen Absagen mehrerer Teilnehmer im Vorfeld der zweiten Bundesleserkonferenz mit den jüngsten Ausfällen des AFD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland zusammenhingen? Darüber lässt sich nur spekulieren. „So eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen“, fand HAZ-Leserin Martina Funke-Bräuer. Die Lehrerin an der Bismarckschule Hannover ist keine Sympathisantin der Gauland-Partei. Als Politik-Lehrerin wollte sie sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen, dem umstrittenen Spitzenkandidaten Fragen zu stellen.

Eine Stunde lang stand Gauland etwa 80 Lesern der HAZ und acht weiterer Tageszeitung aus dem Verbund des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Rede und Antwort. RND-Chefredakteur Wolfgang Büchner moderierte die mitunter emotional geführte zweite Runde der Bundesleserkonferenz. „Wie stehen Sie zur Abtreibungsregelung und zum Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper?“, lautete die Frage der HAZ-Leserin. „Ich würde das Thema nicht anfassen“, so die knappe Antwort des Parteichefs, der es für falsch hält, die „Kämpfe“ um das Abtreibungsrecht „wieder aufzumachen“. Für Funke-Bräuer bestätigte sich damit ihr Eindruck, dass die AfD wenig Interesse und Feingefühl bei Fragen der weiblichen Selbstbestimmung zeigt. „Meine Kollegen und die Schüler sind bereits ganz gespannt darauf, von der Veranstaltung zu erfahren“, sagte Funke-Bräuer.

Zweite Runde der BundesleserKonferenz: HAZ-Leser hatten die Möglichkeit AFD-Parteichef Alexander Gauland Fragen zu stellen.

Einen anderen Eindruck hinterließ die einstündige Fragestunde mit anschließender Möglichkeit zum persönlichen Gespräch bei HAZ-Leser Jürgen Kramer. „Ich denke, der Gauland ist eine ehrliche Haut, der den Leuten nicht nach dem Mund redet“, findet der gebürtige Gehrdener. Gerne hätte er Gauland nach seiner Meinung zu den G20-Protesten in Hamburg gefragt, aufgrund der großen Fülle konnten jedoch nicht alle Fragen vor Ort diskutiert werden. Ausstehende Fragen werden vom Spitzenkandidaten schriftlich beantwortet.

 „Die AfD ist für mich zur Zeit das kleinste Übel“, konstatiert Peter Kajewitz aus Springe, den besonders der harte Kurs der AfD in Sachen Einwanderung interessierte. „Jeder kann hier glücklich werden. Aber er muss sich der Kultur anpassen“, findet er.

Immer diese schwierigen Fragen: Eine Analyse von Marina Kormbaki vom Gauland-Auftritt.

Gauland legt gegen Özoguz nach: AfD-Spitzenkandidat legt gegen Integrationsbeauftragte der Bundesregierung nach.

Gauland verharmlost Rechtsaußen der AfD: Zusammenfassung der Veranstaltung samt Live-Ticker zum Nachlesen.

Mehrfach auf den Komplex Migration, Islam und Ausländerfeindlichkeit angesprochen, verteidigte Gauland erneut seine vor einigen Tagen vorgetragene Attacke gegen die SPD-Politikerin und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz. „Inhaltlich bleibe ich in der Sache dabei", sagte Gauland zu seiner Bemerkung, dass er Özogun „in Anatolien entsorgen“ wolle. Die gebürtige Hamburgerin hatte die Existenz einer klar definierten deutschen Leitkultur infrage gestellt. „Ich habe sie ja nicht entsorgen wollen“, verteidigte sich Gauland.

An mehreren Stellen erntete er für seine scharfen Kommentare gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung viel Applaus. „Mich hat die Veranstaltung darin bestätigt, die AfD nicht zu wählen“, resümiert HAZ-Leser Jan Schinke (19). Der Bundesfreiwilligendienst-Absolvent hatte kein Verständnis für Gaulands Versuche, die aktuellen und vergangene „Fehler“ seiner Parteikollegen zu rechtfertigen. „Nazi-Deutsch“ hatte eine andere Leserin Teilen der AfD vorgeworfen. „Gauland nennt viele der bekannten Ausfälle und Angriffe seiner Partei ,Fehler´. Eine seriöse Partei kann sich so viele Fehler nicht leisten“, findet der 19-Jährige.

Den Teilnehmern der Leserfahrt bot der Termin in Berlin ausreichend Gesprächsstoff für die anschließende Diskussion im Haus der Bundespressekonferenz. Ein einzigartiger Ausblick vom Balkon über die Spree auf das Regierungsgelände, den Reichstag und das Kanzleramt bot die ideale Kulisse, den Ausflug in das politische Berlin abzurunden. „Eine tolle Sache“, fanden alle.

Die dritte Runde der Bundesleserkonferenz findet am Donnerstag, 7. September, statt. Dann stellt sich die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht den Fragen der Zeitungsleser.

Von Mario Moers

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