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So knapp ist das Rennen um das Weiße Haus

Sieben Wochen vor der US-Wahl So knapp ist das Rennen um das Weiße Haus

Mit so einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen hatte im Sommer wohl niemand gerechnet. Die Ergebnisse der jüngsten Umfragen zur amerikanischen Präsidentschaftswahl liegen so dicht beieinander, dass zur Zeit niemand mit Bestimmtheit sagen kann, wer führt.

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Es wird eng im Kampf um den Einzug ins Weiße Haus.

Quelle: dpa/M

Washington. Der bisher so große Vorsprung von Hillary Clinton ist auf zwei Prozent zusammengeschmolzen - und es sieht nicht danach aus, als ob die Demokraten eine passende Antwort auf die unzähligen Attacken ihres Mitbewerbers Donald Trump gefunden hätten.

Auch am Freitag gelang es dem Geschäftsmann wieder einmal, die öffentliche Debatte zu dominieren. In seinem neu eröffneten Hotel unweit des Weißen Hauses in Washington gab der "Front Runner" der Republikaner eine Pressekonferenz und hatte im Vorfeld streuen lassen, dass er eine große Nachricht verkünden werde. Nachdem der 70-Jährige vor einer Kulisse dicht gedrängt stehender Kameraleute fast eine geschlagene Stunde seine üblichen Thesen zur Wirtschafts- und Zuwanderungspolitik wiederholt hatte, kam er auf die sogenannte Birther-Bewegung zu sprechen: "Präsident Barack Obama wurde in den USA geboren. Punkt."

Ohne mit einem Wort zu erwähnen, dass er selbst über Jahre hinweg den Verdacht gestreut hatte, Obama sei kein gebürtiger Amerikaner und habe damit gar nicht das Recht besessen, Präsident des Landes zu werden, vollzog der Wahlkämpfer nun eine Kehrtwende. Trump wäre nicht Trump, wenn er sich nicht zugleich als Schlichter in einer vermeintlich großen Debatte inszenieren würde und eröffnete dem verblüfften Publikum, dass die Verschwörungstherorien ursprünglich von Clinton in die Welt gesetzt worden sein. "Hillary hat diese Sache losgetreten, ich beende sie."

Der einzig wahre Kern seiner Attacke: Tatsächlich hatte es in Clintons Kampagne 2008 einige vereinzelte Anhänger gegeben, die während der Vorwahlen den Vorwurf erhoben, Obama sei eigentlich ein Ausländer. Clinton und ihr Team hatten schon damals diesen Versuch der Diskreditierung zurückgewiesen und die Debatte als dummes Zeug abgetan.

Doch das Problem für Clinton: Trump versteht es, selbst einen so abwegigen Streit öffentlichkeitswirksam zu vermarkten. Auch seriöse Nachrichtensender wie CNN wurden am Freitag nicht müde, über Stunden seinen neuesten Schlenker als vermeintliches Großereignis darzustellen.

Ob sich die ungemeine Medienpräsenz bei der Wahl am 8. November in Stimmen auszahlt, muss sich erst noch zeigen. Aber es wachsen die Zweifel, ob die ungemein hohen Summen, die die Demokratische Partei in TV- und Radio-Werbung investiert, ausreichen, um den Republikaner auf Distanz zu halten.

Clinton, die sich auf alle inhaltlichen Auseinandersetzungen so perfekt vorbereitet hatte, muss mitansehen, wie sich der Wahlkampf zunehmend von Sachthemen entfernt und sich immer mehr in eine oberflächliche Schlammschlacht verwandelt. Und zu allem Unglück für die frühere Außenministerin wird nun auch noch ihr Gesundheitszustand zum Dauerthema:

Clinton hatte bei der Gedenkfeier für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York am Sonntag einen Schwächeanfall erlitten. Ihre Ärztin Lisa Bardack schrieb in einem neuen Gesundheitsgutachten, Clinton erhole sich gut von der „leichten, nicht ansteckenden Lungenentzündung“.

Ob die Stellungnahme ausreicht, um die Zweifel auszuräumen? Trump hält sich nicht länger mit der Angelegenheit auf und erging sich am Freitagabend in mehrdeutigen Äußerungen über Clintons Sicherheit. Man solle ihren Leibwächtern die Waffen wegnehmen, rief Trump seinen Anhängern in Miami zu: "Lasst uns sehen, was mit ihr passiert. Nehmt ihnen die Waffen weg. Okay, das wäre sehr gefährlich."

Einige Kritiker sehen in diesen Äußerungen  sogar einen indirekten Aufruf, gegen Clinton gewaltsam vorzugehen - wie es nach ähnlich unklaren Aussagen von Trump bereits im August vermutet wurde.

Eine zügige Antwort steht kaum zu erwarten. Viele Amerikaner warten nach all dem Hin und Her daher mit Spannung auf die erste TV-Debatte der beiden Kandidaten. Das erste Aufeinandertreffen findet in zehn Tagen in New York statt und lässt eine Einschaltquote in Rekordhöhe erwarten.

Pessimistische Anhänger von Clinton warnten am Freitagabend: Bei einem Fernsehformat, das jedem Kandidaten nur wenige Augenblicke für einen Antwort auf komplexe Themen gewährt, könnte ein früherer Reality-TV-Star wie Trump sogar einen leichten Vorteil besitzen.

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